Lacher zwischen Frühstücksei und Bürgerlichem Gesetzbuch

Christoph Maria Herbst und Moritz Netenjakob begeistern zum zweiten Mal

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Auch die Besucher, die dasselbe Programm vor einem Jahr schon einmal erlebt hatten, amüsierten sich prächtig über Christoph Maria Herbst (l.) und Moritz Netenjakob.

Rotenburg - „Er ist wieder da!“ Diese Aussage galt am Sonntagabend im ausverkauften Wachtelhof nicht nur Schauspieler Christoph Maria Herbst, der sich zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten ein Stelldichein gab (erneut im Duo mit dem Kabarettisten Moritz Netenjakob). Sondern auch dem gleichnamigen Bestseller, den der „Stromberg“-Protagonist als Hörbuch eingesprochen hatte. Und das so erfolgreich, dass es zum meistverkauften deutschsprachigen Hörbuch überhaupt avancierte. Selbstverständlich durfte die personifizierte Hitler-Parodie, mit der der 51-Jährige den Führer mit nasaler Stimme und kaum unterdrückter Daueraggressivität in der Jetztzeit auferstehen ließ, an diesem Abend nicht fehlen.

Die Tatsache, dass das Erfolgsgespann mit „Das ernsthafte Bemühen um Albernheit“ wieder dasselbe Programm im Gepäck hatte, dürfte wohl die wenigsten der knapp 200 Besucher gestört haben. Ein hoher Wiedererkennungswert war sowieso garantiert, war ein Großteil des Dargebotenen doch eine Reminiszenz an die Großen des deutschen Humors wie Hallervorden und immer wieder Loriot.

Der Altmeister des Timings und Rhythmus ist für Beide ein großes Vorbild. Das stellten sie im Laufe des Abends immer wieder eindrucksvoll unter Beweis; nicht nur beim legendären „Frühstücksei“ und „Feierabend“ – so täuschend echt, dass es fast unheimlich war. Göttlich in Inhalt und Diktion auch das fiktive Gespräch am Frühstückstisch zwischen Vorzeige-Choleriker Klaus Kinski und Nuschler der Nation Udo Lindenberg – für das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen seinerzeit zu gewagt.

Eingespieltes Duo

Netenjakob und Herbst ergänzen sich vorzüglich: der eine Schauspieler und begnadeter Vorleser, der andere Kabarettist, formidabler Parodist und Ideenlieferant für nahezu die gesamte deutschsprachige Szene, von Hallervorden über Hoëcker bis zu Anke Engelke oder eben auch den Drehbüchern zu Stromberg. Und so war es bei aller Rückschau auch wohltuend, einige seiner eigenen Werke zu erleben.

Das Gute-Nacht-Märchen „Hänsel und Gretel“ aus Sicht des erzählenden Papas, zuerst Fußballkommentator, dann Flugkapitän oder Marktschreier, ist in puncto Sprachwitz einfach genial – ebenso wie der Disput „Geiger vs. Bläser“, der nach demselben Prinzip des amüsanten Sprachtransfers in andere Genres funktioniert. Wenn Netenjakob als Zuhörer eines philharmonischen Konzerts in bester Hooligan-Manier skandierte „Geiger, ihr seid nervöhös!“ und Herbst kontert: „Diri, wir wissen, wo dein Auto steht!“, dann sorgte das für mindestens ebenso viel Heiterkeit wie zuvor das Loriot-Zitat beim Fünf-Minuten-Ei: „Vielleicht stimmt mit deinem Gefühl etwas nicht!“

Zwei Grimmepreisträger auf der Bühne

Dazwischen: Ausflüge in die Politik (bei den Auszügen aus dem „Geheimen Tagebuch des Manns von Angela Merkel“ ebenso wie beim Szenario der Regierung von 2021, in der Lukas Podolski als Kanzler im ehemaligen Reichstag, heute Red Bull Arena, regiert), Plaudern aus dem Nähkästchen der Medienbranche und immer wieder eine Portion auf die eigene Schulter klopfen – Meriten haben die beiden Grimmepreisträger schließlich genügend gesammelt.

So hat Herbst sogar das Vorlesen des Bürgerlichen Gesetzbuches zum kommerziellen Erfolg gemacht. Das „Infotainment“ taugt gut als roter Faden für den Streifzug durch die Geschichte deutschen Humors – und zwischendurch blitzte immer wieder einmal der „Stromberg“ auf, wenn Herbst seinen Kompagnon demontierte oder sich bei Gastgeber Heiko Kehrstephan, „dem Fips Asmussen der Hotelbranche“ bedankte. Am Ende bleibt die Gewissheit: Wer eben nicht gelacht hat, ist selbst schuld. Da sind verbale Genialitäten wie: „Sie lachen? Andere fanden es komisch“ längst im Gelächter untergegangen.

hey

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