Wörter und Nylonstrümpfe

La-Strada-Gala: Verrenkungen von Körper und Geist

Marcus Jeroch gelang es, das Publikum mit einer eher unspektakulären Wortjonglage zu fesseln. - Foto: Heyne

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Straßenzirkus im geschlossenen Saal – geht das? Auch bei der neunten Auflage wagte La Strada den Balanceakt und holte am Sonnabend im Rahmen des Galaabends rund ein Dutzend der Akteure von den Rotenburger Straßen und Plätzen in die Aula der Realschule.

So eine Gala ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits bot sie den mehreren hundert Zuschauern einen geballten Überblick dessen, was am Wochenende an unterschiedlichen Spielorten verteilt zu sehen war. Andererseits mussten die Akteure eine Schippe drauflegen, um das Flair der Straße aufkommen zu lassen und Rotenburg zum „Rio de Janeiro Europas“ zu machen, wie Comedian Samuelito es formulierte.

Entertainer, Jongleur und Zauberer Jens Ohle, nach rund fünfjähriger Abstinenz einmal wieder aus Hamburg zu Gast, setzte auf (mehr oder weniger) Freiwillige aus dem Publikum. Dabei bewies er ein glückliches Händchen: Willi, der die Leiter für das Bezwingen des Hochrades hielt, entpuppte sich als Dachdecker, Messerwurf-Assistentin Lea als angehende Krankenschwester – ein gefundenes Fressen für den aus der „Schmidts Mitternacht Show“ bekannten TV-Moderator. 

Mut zahlt sich aus 

Doch auch jenseits der Situationskomik kam Comedy nicht zu kurz, etwa bei dem Schweizer Samuelito, der die Sache mit den Bienen und den Blumen mit moderner Drohnentechnik umsetzte. Mut hatten die „Akrobatenscouts“ Julia von Wild und Kathrin Bahr von der Agentur „zweifellos.net“ mit dem Anheuern von Marcus Jeroch bewiesen. Der Wortakrobat bewies, dass es keine physikalischen Verrenkungen braucht – geistige gehen auch. Sein Gedankenspiel zum Weglassen von Buchstaben mäanderte zwischen Poesie und entschleunigtem Nonsens: F.K. Wächter hätte an Gedichten wie „Die Vase – das war se“ seine Freude gehabt – genau wie das Publikum.

Ein zweiter Schwerpunkt des Programms: Akrobatik. Neben klassischen zirzensischen Künsten wie dem Tanz des Ninjas mit gewirbelten Licht-Poi-Pois, feinster Akrobatik des dänischen „Zirkus Gonzo“ alias Finnn Jagd Andersen mit Hipsterbart und knapper Glitzerhose und einem eher klassischen Hula-Hoop-Act der Nordirin Gracey von Fanzini begeisterte vor allem das Duo vom Zirkus Morsa mit seiner Equilibristik. Dabei brauchte es keine großen Gerätschaften: Rolle und Brett reichten aus, um mit dem Ringen ums Gleichgewicht zu verzaubern – Körperbeherrschung inklusive, versteht sich.

„La Strada“ in Rotenburg - die Show am Samstagabend

Diejenigen Zuschauer, die sich ein bisschen „mehr von allem“ wünschten, wurden mit dem grandiosen Finale von „Lotta & Sina“ belohnt. Mit ihrer Partnerakrobatik vereinigten die beiden Finninnen auf Rolle und Brett Poesie und Witz, Tempo und vor allem viel Charme, als Leiber, Kleider und Nylonstrümpfe flogen. Ein kollektiver Seufzer beim finalen Öffnen des Mieders – „mit Publikum isses irgendwie schöner“; da hatte Moderator Jens Ohle hatte ganz recht.

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