Kunstwerk von Matthias Bantz im Zentrum der neuen KZ-Gräberanlage auf dem Waldfriedhof

Zehn Stelen mit 318 Namen

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Die Vertreter der beauftragten Firmen und die Mitglieder des Arbeitskreises sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Rotenburg - Von Guido Menker. Als Arzt weiß Matthias Bantz, dass seine Kunstwerke den anatomischen Maßstäben nicht entsprechen. Sollen sie auch nicht. Denn der 1937 in Hamburg geborene und in Rotenburg lebende Künstler erhebt den Anspruch, das Thema seiner Arbeit plastisch zu machen. Das gilt auch für seine Bronze-Skulptur, die er für die neu gestaltete KZ-Gräberanlage auf dem Waldfriedhof angefertigt hat. Dabei kann er auf die Anatomie keine Rücksicht nehmen. Die Anlage wird am 7. Mai eingeweiht – unter dem Motto „Gebt den Toten ihre Namen“.

Bantz ging es bei der Arbeit um die Emotionen der Betroffenen, um ihr Leid, ihre Hoffnung und um die Angst, die sie begleitet hat. Es geht um die 342 Toten, die auf dem Waldfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, nachdem sie kurz zuvor im Lager Sandbostel von Lagerhaft und Zwangsarbeit befreit worden waren.

Die erkrankten Häftlinge kamen in das in Unterstedt eingerichtete britische Lazarett – sind aber an den Folgen ihrer KZ- und Lagerhaft gestorben. Die Toten kamen aus 17 verschiedenen Nationen. Lediglich 34 Grabsteine, zum Teil ohne oder mit falsch geschriebenen Namen, waren vorhanden – und bleiben auch liegen. Ein Zustand, den Professor Franz Schneider so nicht hinnehmen wollte. Er initiierte daher vor drei Jahren den Arbeitskreis „Gebt den Toten ihre Namen“ – jetzt ist das Ergebnis dieser schwierigen und aufwendigen Arbeit sichtbar. Schneider lebt inzwischen in Saarbrücken, nimmt jedoch an der Einweihung teil und wird jetzt vor Ort von Norbert Drees sowie Günter Belgier vertreten.

318 Namen konnten den Toten zugeordnet werden, in 24 Fällen war das (noch) nicht möglich. „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis“, so Drees. Das gilt auch für Stephan Lohmann und Ute Lange, die im Rathaus für den Bereich Friedhöfe zuständig sind und daher im Arbeitskreis kräftig mitgearbeitet haben. 50000 Euro hat die Stadt in das Neugestaltungsprojekt investiert. Entstanden sind zehn Stelen („Anröchter Dolomit“), auf denen die Namen der Opfer zu finden sind und die das Gräberfeld einrahmen. An diesen Stelen stehen am 7. Mai insgesamt zehn Schüler der Realschule, um jeweils die Namen der Toten vorzulesen – ein Höhepunkt der Gedenkfeier, die um 17.30 Uhr in der Kapelle des Friedhofes beginnt.

An der Vorderseite des Gräberfeldes geben übrigens Info-Tafeln Auskunft darüber, wer in welchem Grab zu finden ist. Jens Kusber, der die Stelen bearbeitet hat: „Eigentlich war es so wie bei anderen Aufträgen. Aber es waren so viele Namen – das hat mich schon besonders berührt.“

Berührt sind auch die Initiatoren. Und 70 Jahre nach Kriegsende können sie nun auf das Ergebnis ihrer Bemühungen blicken. Vielleicht zusammen mit den Generalkonsulen der Polen und Russen, die für den 7. Mai eine Einladung bekommen haben. Aus ihren Ländern stammen die meisten der insgesamt 342 Opfer.

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