Kunstverein Rotenburg zeigt Werke von Hans Wolfgang Lingemann noch bis zum 10. Oktober

Eine Reise durch Hawolis Schaffen

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Hawoli mit den Steinstruktur Foto-Originalen auf Büttenpapier.

Rotenburg - Wenn ein so bekannter Künstler wie Maler und Bildhauer Hans Wolfgang Lingemann, von allen nur Hawoli genannt, dessen großformatige Skulpturen aus Stein und Stahl in vielen Städten stehen, 80 Jahre alt wird, ist es an der Zeit, einen Blick auf seinen Werdegang und seine künstlerische Entwicklung zu werfen. Das hat der Rotenburger Kunstverein in seiner neuesten Ausstellung getan.

Mehr als 50 Gäste strömten zu Vernissage in den engen Turm, sodass die Einführung in das Werk des Künstlers durch den Hamburger Kulturwissenschaftler Mario Fuhse auf den Stufen vor dem Turm im böigen Wind stattfinden musste. Das tat dem einfühlsamen, kenntnisreichen und von persönlicher Freundschaft geprägtem Vortrag aber keinen Abbruch. Wie eine Schraube, die auch eines der Leitmotive in Hawolis künstlerischen Arbeiten ist, windet sich die Entfaltung und Fortentwicklung seines Schaffens durch den ehemaligen Feuerwehrturm am Ronolulu.

Im Erdgeschoss sind die Anfänge mit großformatigen Ölbildern und Kohlezeichnungen aus den 60iger Jahren zu sehen, schon geprägt durch Spiralen und Strukturen. Auf der nächsten Ebene folgen Zeichnungen „Mensch und Technik“, die die Einflüsse seines abgebrochenen Ingenieurstudiums zeigen, bevor er sich auf der Folkwangschule in Essen ganz der Kunst widmete. Weiter oben geht um „Schrauben“, Zeichnungen und Objekte, die eine sich stets verändernde, nach oben strebende und auslotende Gestaltung von exakten Konstruktionen darstellen. Auf der nächsten Ebene des Turms können Besucher seine Hinwendung zur Fotografie in den 70iger Jahren mit teils verwirrenden Manipulationen, lange vor der Entdeckung der digitalen Fotobearbeitung, sehen, bis auf der letzten Ebene die 2012 entstandenen „Bohrkerne“ die ursprüngliche Technik des Turm nutzen und wie Glocken an der ehemaligen Winde zur Trocknung der Feuerwehrschläuche hängen.

Der zartgliedrige, vitale Künstler mit den blitzenden Augen verweist darauf, dass sein Schaffen noch längst nicht beendet ist und seine neuesten Werke ab 19. September im Springhornhof in Neuenkirchen zu sehen sind. Faszinierend sind auch seine Steinstrukturen, die er in einer von ihm entwickelten Technik auf Büttenpapier darstellt. Eine lichtempfindliche Schicht wird mit der Hand auf Büttenpapier aufgetragen und dann mit den fotografierten Bildern aus Steinbrüchen belichtet, so dass jedes Blatt auch bei Vervielfältigung ein Original bleibt, das aquarellartige und doch gleichzeitig grafische Elemente aufweist.

Die Ausstellung der fünfzigjährigen Schaffensentwicklung ist noch bis zum 10. Oktober im Kunstturm an der Nödenstraße in Rotenburg zu sehen.

hs

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