Ohne Ausdauer geht’s nicht

Ballett-Studio Ines Güttel feiert 25-jähriges Bestehen

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Ines Güttel hat eine fundierte Ausbildung. Diese ist Grundlage für die Arbeit in ihrem Ballett-Studio. Tausende Kinder und Jugendliche haben dort bereits eine Ausbildung genossen. 

Rotenburg - Von Guido Menker. Lokaljournalisten kümmern sich um jedes Thema, das anfällt. Alles außer Sport. Was macht die Redaktion aber, wenn das Thema Ballett auf dem Zettel steht? Sie fragt sich: Ist das Sport? Ist das Kunst? Was ist eigentlich Ballett? Die Internetseite tanz-info.de hilft weiter: Klassisches Ballett sei eine bestimmte Form von Bühnentanz und eigenständige Kunstform. 

Die Tänzer erzählten durch ihre Bewegungen und Schritte eine Geschichte oder bringen eine bestimmte Stimmung, ein Gefühl zum Ausdruck. Klarer Fall also: Der Lokalredakteur darf ran – und trifft sich mit Ines Güttel. Sie feiert nämlich Jubiläum. Seit 25 Jahren betreibt sie in der Kreisstadt ein Ballett-Studio.

Tausende Kinder und Jugendliche müssen es bisher gewesen sein, die durch dieses Studio gegangen sind, sagt Ines Güttel. „Genau weiß ich gar nicht, wie viele es waren.“ Was sie aber weiß: Etwa 80 Prozent von ihnen bleiben lange am Ball. „Bis zum Abitur – und manchmal sogar noch länger“, erzählt die gebürtige Rostockerin. Ab drei Jahren können Kinder am Ballett-Unterricht teilnehmen. Ihre zurzeit älteste Schülerin ist 66 Jahre alt und war einst eine der ersten im Ballett-Studio.

Von einer Reise nicht in die DDR zurückgekehrt

15 Jahre war Ines Güttel alt, als sie für vier Jahre zur Palucca-Schule nach Dresden gegangen ist, eine Hochschule für künstlerischen Tanz. Anschließend ging sie vier weitere Jahre an das Landestheater Mecklenburg-Vorpommern in Neustrelitz, um anschließend an der Theater-Hochschule in Leipzig Tanzpädagogik und Choreografie zu studieren. Ein Jahr war sie dort. 1989 dann der Absprung: Ines Güttel nutzte eine Besuchsreise in den Westen, um sich für immer aus der DDR zu verabschieden. 

„Ich hatte nur ein kleines Köfferchen dabei – sonst nichts“, sagt sie. Nach der ersten Zeit im Aufnahmelager Gießen ging sie nach Köln, um dort ihr zuvor in Leipzig begonnenes Studium abzuschließen. Nach drei Jahren hatte sie das Diplom für Ballett und Tanzpädagogik in der Tasche, um letztendlich durch eine Zeitungsanzeige auf das Ballett-Studio von Thien in Rotenburg aufmerksam zu werden. Sie stieg dort ein. Das war 1992. Zwei Jahre später trennten sich die beiden Partnerinnen – Güttel machte ihr eigenes Ding.

Geschichten mit Bewegungen erzählen

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Mein Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen eine solide, klassische Ausbildung zu geben – als Basis, um auch später weiter tanzen zu können“, so Ines Güttel. Ballett, fügt sie hinzu, sei schwer und anspruchsvoll. Grundsätzlich sei es gut, früh damit anzufangen. 

Die Kleinen trainierten allerdings nicht an der Stange. „Wir erzählen erst einmal eine Geschichte. Da geht es dann um Themen wie Frühling oder Weihnachten. Die Bewegungen sind in dieser Geschichte verpackt, der ganze Körper wird dabei durchbewegt“, erklärt die Ballett-Pädagogin den Einstieg. Recht schnell stelle sich dabei heraus, ob ein Kind Freude daran entwickeln und den Tanz spüren kann. Ist das nicht der Fall, blieben sie nicht lange.

Haben Kinder keinen Spaß, hilft kein Druck

Die Kinder müssten Spaß daran haben, sich anzustrengen. Sonst vergehe die Lust, und dann zeige sich schnell, dass es nicht das richtige Hobby ist. Druck helfe da nicht. „Das muss man dann auch den Eltern sagen.“ Aber was fasziniert vor allem die Mädchen so sehr am Ballett? „Ich kann es gar nicht so genau sagen. Vielleicht ist es die grundsätzliche Freude an der Bewegung und am Tanz. Und für manche gehört Ballett eben auch zum guten Ton“, sucht Ines Güttel selbst immer wieder nach Erklärungen. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus mehreren Punkten, die eine Rolle dabei spielen. Die Medien, Filme und Serien seien ebenfalls nicht in ihrer Wirkung zu unterschätzen.

Ines Güttel unterrichtet nicht allein. Als freie Mitarbeiterin ist Steffi Harbord mit von der Partie. Sie teilen sich den Unterricht auf. Ines Güttel kümmert sich ausschließlich um das klassische Ballet, Steffi Harbord hat das mit im Blick, was im Laufe der Jahre neu hinzugekommen ist. Güttel spricht von Street Dance und Hip Hop. Moderne Entwicklungen, denen sich das Studio nicht entziehen kann. 

„Früher haben die Kinder länger durchgehalten“

Verändert habe sich in den zurückliegenden 25 Jahren aber noch mehr. „Früher haben die Kinder länger durchgehalten, und auch die Mutter-Generation ist eine andere“, spürt die Ballett-Lehrerin. Dennoch: Einige Mädchen hätten über das Ballett ihren Weg in künstlerische Berufe oder zumindest in diesen Bereich gefunden. Im künstlerischen Management oder in tänzerischen Engagements sowie hinter den Kulissen von Theatern. Sie haben die nötige Energie aufgebracht und die erforderliche Disziplin für sich zum Maßstab gemacht. Insofern hat Ballett zumindest in gewisser Weise auch etwas mit Sport zu tun. Ines Güttel: „Ohne eine gewisse Fitness geht das einfach nicht.“

Samstag und Sonntag zeigt das Ballett-Studio in zwei Aufführungen mit rund 200 Kindern, was dort alles so entsteht. Zwei Auftritte in der Pestalozzi-Halle. Beide sind bereits ausverkauft.

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