„Kulturelle Ader“ lebt weiter

100. Todestag: Friedrich Helmke war mehr als 40 Jahre Lehrer in Rotenburg

Friedrich Helmke war Lehrer und Organist.

Rotenburg – Kantor Helmke – Dieser Name sagt allen Rotenburgern etwas, schließlich sind ein Gebäude, eine Grundschule und eine Straße so benannt. Aber wer war Kantor Friedrich Helmke eigentlich und was hat er der Stadt hinterlassen? Anlässlich des Todestages, der sich am Mittwoch zum 100. Mal jährt, erklärt Volkshochschulleiter Michael Burgwald im Gespräch, was der Mann der Kreisstadt hinterlassen hat.

Wie aktiv Helmke in Rotenburg gewesen war, sei wohl den wenigsten bekannt, meint Michael Burgwald. Tatsächlich war es auch für die Volkshochschule, die für eine Ausstellung Informationen gesammelt hat, gar nicht so einfach, Details über sein Leben zu erfahren. Die Biografie konnten sie allerdings recht gut zusammen puzzeln und die wesentlichen Stationen und Aktivitäten ausfindig machen.

Allen voran war Friedrich Helmke Lehrer, erzählt Burgwald. „Ab 1878 hat er seinen Schuldienst in Rotenburg begonnen.“ Bis zu seinem Tod 1919 blieb er an der Schule und war in den letzten beiden Jahren auch als Rektor tätig. Während dieser Zeit ist er auch in einem alten Protokollbuch der Volksschule erwähnt worden. Dieses Buch wird in der Volkshochschule aufbewahrt, die in den ehemaligen Räumen der Volksschule beheimatet ist. Diese trug früher schon den Namen des Kantors, heute ist das Gebäude nach ihm benannt. Als Lehrer und Organist quasi der ersten Stunde, denn er trat seinen Dienst ein Jahr nach der Gründung an, habe er die alte Schule entscheidend mitgeprägt.

Die ehemalige Volksschule hat Friedrich Helmke entscheidend mitgeprägt.

Aber auch darüber hinaus war er sehr aktiv in der Rotenburger Gesellschaft, weiß Burgwald. „Er war Mitbegründer und langjähriger Leiter einer Fortbildungsschule.“ Außerdem war er Vorstandsmitglied und Rechnungsprüfer des Diakonissenmutterhauses, Bezirkskreisvertreter im Lehrerverein und Landtagskandidat der national-liberalen Partei. Musisch veranlagt war der Kantor natürlich auch. „Am bekanntesten ist das Lied ,Mein Rotenburg‘, das er komponiert hat“, erklärt der Volkshochschulleiter. Dies sei den Bürgern einige Jahre sehr präsent gewesen. 

„Der Text ist auf dem Notgeld der 1920er-Jahre abgedruckt zu lesen“, sagt Burgwald und zeigt einen entsprechenden Schein, der in der Ausstellung zu sehen ist. „Ich nehme auch an, dass die Schulkinder es damals auswendig lernen mussten.“ Bei der Recherche hat das originale Notenpapier des Liedes allerdings ein erstes Rätsel aufgeworfen, das weder Burgwald noch die Gästeführerin Traute Philipp, die sich ebenfalls sehr intensiv mit der Biografie des Kantors auseinandergesetzt hat, lösen konnten. Auf dem Titelblatt für „Mein Rotenburg“ steht, dass das Lied der Konzertsängerin Frau Mühlner gewidmet ist. Wer sie war und warum der Kantor ihr das Lied gewidmet hat, hätte bislang noch niemand klären können. „Wir wissen inzwischen, dass sie Anna mit Vornamen hieß“, erzählt Burgwald. Er würde sich freuen, wenn jemand mehr über die Frau weiß und es ihm oder der Volkshochschule mitteilen könnte.

Darüber hinaus habe der Kantor viel komponiert – auch für die Orgel. Abgesehen von dem Wirken als Lehrer und Musiker ist über Friedrich Helmke nicht viel bekannt. „Wir wissen wenig darüber, wie er als Lehrer war“, sagt Burgwald. Auch über ihn als Privatperson hätten er und Traute Philipp nur wenig verlässliche Aussagen machen können – es könnten nur eigene Schlussfolgerungen gemacht werden. Bekannt ist aber, dass er zweimal verheiratet war. Die erste Ehe ging er recht spät ein. Mit der Frau, die allerdings 1917 in jungen Jahren starb, hatte er zwei Kinder. Die zweite Frau habe sich von ihm getrennt. Deren Nachfahren allerdings haben erst angeregt, mehr über das Leben des Kantors herauszufinden. „Die haben viel recherchiert“, so Burgwald. Etwa seien sie auch ins Landesarchiv nach Stade gefahren und hätten das Testament von Helmke gefunden. Viel vermacht hat er darin allerdings nicht. Es ist eher die immaterielle Bedeutung, die man ihm heute noch zuschreiben kann. Schule und Musik, dafür habe er gestanden und diese „kulturelle Ader“, meint Burgwald, gehört bis heute zu dem Gebäude, in dem er hauptsächlich tätig war – dem Kantor-Helmke-Haus.

Ausstellung der VHS

Die Volkshochschule Rotenburg zeigt noch den gesamten September eine kleine Ausstellung über Kantor Friedrich Helmke. In den Vitrinen im vorderen Bereich der Stadtbibliothek gibt es einige Informationen und Bilder über ihn und die Zeit, in der er gewirkt hat. Diese können vom Auditorium des Kantor-Helmke-Hauses aus angeschaut werden. Im Rahmen der Langen Nacht der Volkshochschulen bietet Gästeführerin Traute Phillip außerdem einen Rundgang am Kirchhof an, bei dem der Schwerpunkt auch auf Kantor Helmke liegt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Nach der Begrüßung starte dann schon die Führung, teilt Michael Burgwald mit.  

faw

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