Kritik an politischer Reaktion nach erhöhten Krebszahlen in Rotenburg und Nienburg

„Pure Inaktivität“

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Welche Gefahr geht von der Erdölförderung im Landkreis Nienburg aus?

Rotenburg - Von Michael Krüger. Im Landkreis Nienburg soll es nach den Berichten über erhöhte Leukämiezahlen rund um den mit Benzol verseuchten Erdöl-Förder- und Betriebsplatz Rodewald wie im Landkreis Rotenburg eine sogenannte Clusteranalyse des Krebsregisters geben. Damit sollen genauere Daten und mögliche Hintergründe der auffällig hohen Zahl an Erkrankungen ermittelt werden. Nach einem Bericht des NDR-Magazins „Markt“ sind dort von 1998 bis 2007 fünf Menschen unter 40 Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch gesehen hätte es nur eine Erkrankung in dem Zeitraum geben dürfen.

Für Umweltaktivistin Kathrin Otte vom „Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke“ (Genuk), die auch im Landkreis Rotenburg in die Arbeitsgruppen und Diskussionen eingebunden ist, bergen die Vorfälle in Nienburg eine neue „Qualität“: Weil „zu den auch in Rodewald sehr auffällig erhöhten Raten von hämatologischen Krebserkrankungen eine Korrelation zu amtlichen Messwerten mit enormen Benzolemissions-Werten und erhöhten BTEX-Werten sehr viel wahrscheinlicher wird“. Und das bedeute für die Region: „Das Erscheinen eines weiteren ‚Hotspots‘ mit erhöhten Blutkrebsraten in einer zentralen Region niedersächsischer Kohlenwasserstoff-Förderung bedeutet sicherlich eine Erhärtung des Verdachts auf eine Korrelation von krebserregenden Emissionen und auftretenden signifikanten Raten von NonHodgkin-Lymphomen und Multiplen Myelomen in Rotenburg.“ Was in Nienburg auf der Hand liege und im Landkreis Rotenburg vermutet wird, erhärte sich als Verdacht: Die Erdgas- und Erdölförderung macht krank.

Im Landkreis Rotenburg wird seit Bekanntwerden der Auffälligkeiten vor einem Jahr mit einer großen Befragungsaktion nach Ursachen und Zusammenhängen gesucht. Erste Ergebnisse könnte es nach amtlicher Auskunft in diesem Jahr geben. Zudem lässt das Land seit Ende Juli den Boden an mehr als 200 Erdgasförderplätzen auf Schadstoffe untersuchen. Darüber hinaus ist aber kaum etwas passiert. Otte bezeichnet das als „Ignoranz der bereits umfänglich informierten Behörden“ wie das zuständige Landesbergamt. Otte: „Wir sehen pure Inaktivität bei den Ministerien beim Gesundheitsschutz in den Öl- und Gasfördergebieten. Von Berlin ganz zu schweigen, wo man keinen Grund sieht, aufgrund der alarmierenden Ereignisse in Niedersachsen auch nur einen Moment innezuhalten, bevor man das Fracking-Erlaubnisgesetz, wie wir es nennen, durchwinkt.“

Zumindest bei Teilen der rot-grünen Mehrheit in Hannover scheint das Problem aber angekommen. So hat sich auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel nach Bekanntwerden der Nienburger Zahlen zu Wort gemeldet. Ihr Appell an die Kollegen an den zuständigen Stellen in den Ministerien: „Nach Bothel und Rotenburg ist Rodewald ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein, wir haben dringenden Handlungsbedarf für eine großflächige Untersuchung in allen von der Erdgasförderung in Niedersachsen betroffenen Landkreisen. Die dortigen Gesundheitsämter arbeiten am Limit, jetzt ist das Land in der Pflicht, die Aufklärung personell und finanziell zu unterstützen.“

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