Kritik: Es gibt keine Bohrschlamm-Proben aus Stemmen / LBEG: 1200 Bohrstellen

Es gibt noch viel zu tun

Rotenburg - Hat der Landkreis Rotenburg gar keine Proben von der ehemaligen Bohrstelle Kallmoor Z1 bei Stemmen genommen, sondern nur einen Blick darauf geworfen? Den Verdacht hat jetzt die Autorin des NDR-Beitrages über im Erdreich schlummernde giftige Rückstände gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung geäußert.

Diese Frage stand seit einigen Tagen im Raum, denn Landkreis Rotenburg und NDR waren in der Bewertung der Bohrstelle nahe Stemmen zu völlig unterschiedlichen Resultaten gelangt. Während vom Sender beauftragte Experten herausfanden, dass sich gerade einmal 30 Zentimeter unter der Oberfläche Schlamm mit einer Belastung von 53000 Milligramm Mineralölenkohlenwassersstoffen je Kilogramm Aushub befindet, hat der Landkreis nach eigener Aussage nichts feststellen können. Zum Vergleich: Der Richtwert, nachdem eine umfangreiche Bodendsanierung fällig ist, liegt bei 5000 Milligramm je Kilogramm Bodenaushub.

Den Verdacht des NDR will der Landkreis so nicht bestätigen. Ihm sei „als Bodenschutzbehörde (...) bislang nicht bekannt, dass sich direkt auf dem Bohrplatzareal eine (weitere) Bohrschlammgrube befindet. Bislang wurde lediglich von einer etwas weiter nördlich gelegenen separaten Bohrschlammgrube ausgegangen“, teilt Sprecherin Christiane Huchzermeier mit.

Eine Ingenieurin des Landkreises sei im September an beiden Stellen gewesen. Für die unterschiedlichen Befunde kämen verschiedene plausible Erklärungen in Betracht. Sie werden derzeit geprüft. Außerdem werte der Landkreis nach Angaben von Huchzermeier unterschiedliche Daten aus.

Unterdessen hat sich auch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) geäußert. Danach sind bislang 1200 Erdöl- und Erdgasbohrungen in Niedersachsen bekannt. Die Fachleute sprechen von abteufen oder niederbringen. Dies müsse jedoch nicht heißen, dass es – wie im Fall von Kallmoor Z1 – neben jeder Bohrstelle eine Bohrschlammgrube gebe. Das LBEG informiert: „Bis in die 1960iger Jahre war es üblich, neben jeder Bohrung eine kleine Grube für Bohrrückstände dieser Bohrung anzulegen. Später wurden dann die Bohrückstände mehrerer Bohrungen in einer Grube gesammelt. Schlammgruben werden heute nicht mehr benötigt.“ Heute sind dafür laut Kreislaufwirtschaftsrecht Fachbetriebe zuständig.

Die Rückstände von Kallmoor Z1 gehören laut LBEG zur Kategorie Bohrschlammgruben. Es „waren Einrichtungen (...), in denen Bohrrückstände, die beim Niederbringen von Bohrungen anfielen, abgelagert wurden“. Kategorie zwei sind nach Angaben des LBEG Ölschlammgruben. In ihnen seinen bei der Förderung von Erdöl und Erdgas ölhaltige Rückstände zwischengelagert sowie feste von flüssigen Bestandteilen getrennt worden.

Das LBEG beaufsichtigt derzeit noch 29 stillgelegte Bohrschlammgruben. Das Beseitigen der Rückstände muss der ehemalige Betreiber bezahlen.

ubu

Rubriklistenbild: © dpa

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