Kulturinitiative setzt auf Mischformate und Vernetzung

Krimis beim Shoppen in der Rotenburger Innenstadt

„Krimi & Shopping“ 2019
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Bei der Premiere von „Krimi & Shopping“ 2019 stellte sich der damalige Verwaltungschef Andreas Weber (r.) einer Bürgermeisterwette.

Kulturelle Formate, die auch in der Pandemie funktionieren: Am Freitag heißt es „Krimi & Shopping“ in Rotenburg.

Rotenburg – Fragt man Carsten Kahle, Pressesprecher der Kulturinitiative Rotenburg (Kir), nach den nächsten geplanten Veranstaltungen, so bedarf es einiger Worte zur Beschreibung der Formate. Morde und Shopping, Plaudereien aus dem musikalischen Nähkästchen – das geht definitiv über Rubriken wie Konzerte oder Lesungen hinaus. Und das hat seinen Grund, geht es den Kulturschaffenden nach der pandemiebedingten Zwangspause doch darum, auch skeptische Menschen wieder vorsichtig an die Kultur heranzuführen. Dafür eignen sich laut Kahle „Cross-Over“-Formate eben besonders gut, „ganz abgesehen davon, dass sie für kulturell vielseitig Interessierte einfach spannend sind!“

Der Pressesprecher der Kir muss es wissen, haben die Rotenburger mit einschlägigen Formaten im Rahmen des Mottos „KIR in Combination“ wie der beliebten Reihe „Krimi & Musik“ doch bereits in den vorigen Jahren gute Erfahrungen gesammelt. Der Freitagabend steht in der Rotenburger Innenstadt daher zum zweiten Mal nach 2019 ganz unter dem Motto „Krimi & Shopping“, in Zusammenarbeit mit der IG Citymarketing und der Stadt Rotenburg. Viel Arbeit ist dabei im Hintergrund in die Vorbereitung geflossen. Die Veranstalter konnten erst relativ spät sicher entscheiden, ob es stattfinden kann, so Kahle.

An vielen ganz unterschiedlichen Spielorten sind allerlei Darbietungen zu erleben, die das Thema Krimi auf kreative Weise aufnehmen und interpretieren, „oder haben Sie schon mal einen Mordfall als Pantomime gesehen?“, fragt Kahle und schmunzelt. Die Fußgängerzone wird von Sträflingen im entsprechenden Streifenlook bevölkert – „allerdings sehr musikalischen“, verrät Kahle. Angst vor den „Entflohenen“ muss also keiner haben.

Das Abendprogramm beim „Krimi & Shopping“

Der „Krimi & Shopping“-Abend in der Rotenburger Innenstadt beginnt am Freitag um 16.50 Uhr mit der Eröffnung vor dem Pressehaus der Mediengruppe Kreiszeitung an der Großen Straße 37. Dann verwickelt Meisterdetektiv Hercule Poirot, alias Sven Pehla aus Hamburg, Neu-Bürgermeister Torsten Oestmann in ein Kennenlerngespräch. Das Publikum kann sich mit Fragen beteiligen. Eine Bürgermeisterwette wie beim Auftakt vor zwei Jahren wird es nicht geben, da der neue Verwaltungschef noch nicht so lange im Amt ist, sagt Cornelia Gewiehs von der IG Citymarketing, die das Spektakel mit der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) und der Stadt auf die Beine gestellt hat.

Um 17.30 Uhr starten zeitgleich und jeweils stündlich bis 20.30 Uhr verschiedene Klein-Events, jeweils etwa eine halbe Stunde: Mit Krimi-Pantomime Manfred Pomorin tauchen die Zuschauer im Unverpackt-Laden in eine „Welt von Ungerechtigkeit und Mord“ ein. Für die Aufklärung des Falls sorgt kein Geringerer als Kommissar Maigret. Bekannte Film- und Krimimusik gibt es vom Jungen Orchester Auenland in der Stadtkirche. Eine Video- und Lichtinstallation sorgt für die passende Stimmung. Anja Schwarze liest derweil bei „Buch & Aktuelles“ aus ihrem Nordsee-Krimi „Kurs auf Mord“ und Helga Henschel aus ihrem Friesland-Krimi „Mord in Dangast“ im Foyer des Pressehauses. Das Rathaus wird zur „verruchten Spelunke“ mit Musik von der Stimmbande, dem Chor der Kir. Als Walking Acts sind außerdem Poirot sowie das Jugendblasorchester Hemslingen in Sträflingskleidung zwischen den Spielorten unterwegs. Poirot steht auch für Selfies zur Verfügung und erteilt auf Wunsch Auskunft zu den Spielorten. Die teilnehmenden Geschäfte laden dazu bis 21 Uhr zum Shoppen ein, und an diversen Buden gibt es Essen und Getränke zum Auftanken. „Wer Lust hat, sollte gern in Krimi-Kostümierung kommen, zum Beispiel als blutrünstiger Täter, Knacki, Uniformierter oder was einem auch immer so einfällt“, so die Veranstalter.

Und sollte jemand Informationen darüber benötigen, wo der nächste Act steigt, kann er sich an einen wenden, der auf jede noch so knifflige Frage eine Antwort weiß: Hercule Poirot. In der Stadtkirche ertönen Krimi-Titelmelodien vom Jungen Orchester Auenland, bei „Buch & Aktuelles“ und im Pressehaus lesen gleich mehrere norddeutsche Autorinnen aus ihren Krimis mit Lokalkolorit, und im Rathaus stimmt die „Stimmbande“ Spelunkenlieder an.

Warum die Vernetzung der Kulturinitiative mit den Gewerbetreibenden der Stadt eine Win-Win-Situation ist, erzählt Cornelia Gewiehs vom Mitveranstalter, der IG Citymarketing: „In einer Kleinstadt wie Rotenburg ist es einfach vernünftig, wenn sich Vereine zusammentun und ehrenamtlich Tätige sich gegenseitig unterstützen.“ Diejenigen, die sich noch ehrenamtlich engagieren, würden ständig überfordert werden, etwa durch Auflagen, Corona- und andere Verordnungen, Datenschutzbestimmungen und persönliche Haftungsrisiken.

Vermutlich kein Nikolausmarkt

Die Zeit der großen Veranstaltungen mit überregionaler Strahlkraft sei vermutlich vorbei. „Ob La Strada oder Nikolausmarkt, so etwas kann nur noch in der Verantwortung der Stadt mit ehrenamtlicher Unterstützung durchgeführt werden“, findet Gewiehs deutliche Worte – einen Nikolausmarkt unter ihrer Regie werde es in diesem Jahr nicht geben. Im rein ehrenamtlichen Bereich geht der Trend zu kleineren, dezentralen und überschaubaren Formaten, „so wie jetzt ,Krimi & Shopping‘“. Aber hier ist auch interessant: Das Geschäft ist in dem Moment kein Geschäft mehr, sondern wird für die Dauer der Vorführung zu einem Veranstaltungsort – und dafür gelten dann entsprechende Regeln, in der Pandemiezeit einmal mehr. So herrschen bei Innen-Veranstaltungen Besuchergrenzen und Maskenpflicht. „Das Schöne ist: Die Künstler bleiben, das Publikum wechselt“, erklärt Kahle. Möglich sei es so, drei bis vier verschiedene Vorstellungen zu besuchen – je nachdem, wie viel nebenbei geshoppt oder mit Bekannten, die man unterwegs trifft, geklönt wird. Das Grundprinzip ist dasselbe wie schon 2019, es sind aber teils andere Locations und andere Acts. Und das soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden, ist der Wunsch der Veranstalter – alle zwei Jahre möchten sie „Krimi & Shopping“ im Kalender etablieren. Die Ideenliste dafür, sagt Uwe Goldschmidt von der Kir, sei lang.

Schon vormerken können sich Musikliebhaber im Kalender übrigens den 4. Dezember: Bei „Rock Tales“ mit Jürgen Rau und Richard Rossbach nehmen der langjährige Kulturmanager und Musikjournalist und der Multi-Instrumentalist, Studio-Inhaber und Echo-Gewinner im Heimathaus das Publikum mit auf einen multimedialen Streifzug durch die Musikgeschichte der 50er- bis 90er-Jahre, inklusive selbst erlebter Backstage-Geschichten mit Videoprojektionen, selten gezeigten Fotos und Livemusik.

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