Krimiautor Chris Krause lässt zwischen Wachtelhof-Spezialitäten das Blut fließen

Mord, Gags und Totschlag

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Zwischen Augenzwinkern und menschlichen Abgründen: Chris Krause entführte sein Publikum in die Welt von Mord und Totschlag.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. „Mal etwas hiesiges“ wollte der Wachtelhof bei seiner hauseigenen Kulturreihe bieten. Direktionsassistentin Margrit Jäger-Waldau stieß dabei auf den Westerescher Krimiautoren Chris Krause. Er bot am Sonnabend eine Menge „Appetitanreger“ – und ließ viele Fragen offen. Zumindest, was den Ausgang seiner Bücher angeht. Unverkennbar also, dass der Typ ein Vollprofi ist.

„Das neue Jahr fängt gut an: Am 1. Januar ein Tatort, am 2. Januar Staller“, begrüßte Hoteldirektor Heiko Kehrstephan die Gäste zum Krimi-Dinner. Chris Krause bewies als erstes Entertainer-Qualitäten, bevor er sich eines seiner Bücher schnappte und zur Lesung überging. Der Realisator, Autor, Redaktionsleiter und Creative Producer – so beschreibt Krause sich selbst – gab zu Beginn einen Gag aus seinen Zeiten bei der „Schillerstraße“ zum Besten, der Fernsehsendung mit Improvisationscomedy. Krause: „Das ist die Aufgabe: ,Schreib‘ mal einen kurzen Gag‘. Also schrieb ich: ,Martin, deine kratzige Unterwäsche bringt Dich um‘.“ Sofort wechselt der Westerescher in Haltung und typischen Slang von „Maddin“ (Martin Schneider) und stiefelt vor der Bühne umher: „Ich glaube, eine Unterhose will mich umbringen.“ Noch gar nicht beim Krimi angekommen, hatte der Autor schon das Publikum auf seiner Seite.

Das schreibende Augenzwinkern zieht sich wie ein roter Faden durch seine Lebensgeschichten und Kriminalromane. Bevor sich Krause in den Sessel auf der Bühne setzt, zieht er sein Sakko aus und entschuldigt sich: „Meine Frau sagt, ich soll das Sakko nicht zerknittern.“ Hervor kommt ein faltenloses hummerfarbenes Hemd, salopp über der Jeans getragen. Offenbar darf auch das nicht zerknittern – nicht ein einziges Mal lehnt sich Krause entspannt zurück in den Sessel. Das mag allerdings auch an der Materie liegen, die er vorträgt: Mord und Totschlag. Obwohl: Eigentlich beginnt der Krimiabend erstmal nur mit einer Leiche. Mit einer alten, im doppelten Sinne: Eine betagte, tote Witwe mit Fliegen übersät, da sie schon länger in ihrer Wohnung liegt und keiner sie vermisst hat. Und so etwas vor der geschäumten Hummersuppe.

Chris Krause bedient sich einem modernen Sprachstil und lässt den Verdacht aufkommen, dass er genauso gewitzt ist wie sein Protagonist Staller. Kreativ, humorvoll, wortgewandt, ehrgeizig, reaktionsschnell. Wie er da so sitzt und liest – die Zeilen mit vielen Details versehen, aber auch nicht vollgeproppft – entstehen Bilder im Kopf, nahezu Filmsequenzen. So sehr versteht es der frühere Kneipenbesitzer und Polizeireporter, mit Gestik, Mimik, Sätzen und verschiedenen Sprachstilen seine Zuhörer in die Geschichte hineinzuziehen. Erschreckend ist, wie tief sich Krause in die menschliche Psyche hineinversetzen und detailgetreu beschreiben kann, wie sich die fiktive Figur seines Buches fühlt und was sie denkt – wie die Person aufgrund langjähriger Demütigung Mordgedanken hegt. Für Krause übrigens ein durchaus verständlicher, nachvollziehbarer Grund, sich deshalb irgendwann in Gewalt auszudrücken.

Die blutroten Amaryllis der Tischdekorationen lassen erahnen, dass am Abend irgendwann auch mal Blut fließen wird. So treibt am Ende der Lesung auch irgendwann eine Leiche in der Elbe. Aber erst nach dem rosagebratenen Lamm.

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