Krimi-Autor Till Raether stellt sein zweites Buch im Wachtelhof vor

Laufrunde als Ideenschmiede

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Bei den morgendlichen Laufrunden fallen Till Raether auch DJ-Namen ein. Der Favorit? Rue Digger!

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Wenn er da so an der Seite steht und auf seinen Auftritt wartet, dann sieht er harmlos aus. Ein bisschen wie ein Pressereferent irgendeines Politikers oder wie ein Reihenhausbesitzer, der Hamburger Autor Till Raether. So ganz verkehrt ist der Eindruck auch nicht – war er doch tatsächlich schon mal zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt als Experte für „Frauen in Führungspositionen“.

Am Freitag ging es aber für Raether ins Hotel-Landhaus Wachtelhof in Rotenburg. Treuen Brigitte-Lesern ist er seit langem mit seinen durchdachten, humorvollen Kolumnen und seiner Mitarbeit an Dossiers bekannt. Anderen erst, seitdem der Journalist Krimi-Autor ist. Erst legte er mit „Treibland“ vor und schuf darin die Figur des Kommissares Adam Danowski, jetzt kam Raether mit der Fortsetzung „Blutapfel“ durch den Elbtunnel nach Rotenburg. Die Wasserunterquerung gehört nämlich zu den Schauplätzen im jüngsten Krimi.

„Ich bin eigentlich Journalist und habe immer davon geträumt, Krimis zu schreiben. Mich haben psychologische Strukturen im sozialen Nahbereich schon immer interessiert“, sagt Raether. „Ich bin in Berlin mit den Krimis meiner Mutter aufgewachsen“, witzelt der Autor und meint die schwarzen rororo-Thriller, die sie immer gelesen hat.

Als er anfing, Krimis zu schreiben, wandte Raether sich ebenfalls an den Rowohlt-Verlag. Der forderte: Ein Erstlingskrimi braucht einen Kommissar, der sich von anderen unterscheidet, möglichst eine Macke hat und einen schönen Ort für die Geschichte. Da kam Raether Hamburg entgegen und er war völlig begeistert, als er zu den Recherchen mit in den Elbtunnel durfte und extra eine Röhre für ihn gesperrt wurde. Das zumindest dachte Raether. „Journalisten neigen zur Selbstüberschätzung und haben manchmal eine verzerrte Wahrnehmung ihrer eigenen Bedeutung“, sagt er und lacht. „Tja Till, Du rufst da an und die sperren den Elbtunnel für Dich“, erzählt der Autor, weil der für das Bauwerk zuständige Betriebsstellenleiter genau das zu ihm gesagt hat. Der Krimi-Autor braucht einen kurzen Moment bis er begreift, dass das typisch trockener, norddeutscher Humor ist und er verschaukelt wurde. Diese Anekdoten zum Buch und zwischen den Zeilen machen Raethers Lesung besonders lebendig.

Die Lacher auf seiner Seite hat er auch, als er von der morgendlichen Laufrunde mit einem guten Freund erzählt, die – neben der Reihenhaussiedlung in der Raether lebte – eine Art Ideenschmiede ist: „Wir tun es nicht gerne. Wir machen das nur, um uns zu unterhalten.“ Aufgefallen wäre den beiden dann, was für dämliche DJ-Namen es geben würde und sie fingen an, selbst welche zu erfinden. Raether hält verschiedene Schilder mit den Namen hoch. Zuletzt seinen persönlichen Favoriten, der in „Blutapfel“ wiederzufinden ist: Rue Digger. Rue von französisch „Straße“, Digger aus dem Hamburger Slang.

Egal, in welcher Szene sich Raether in seinem Krimi befindet, jede Zeile wird gestenreich untermalt. Jeden Absatz unterbricht er mit einer Einführung zur nächsten Szene, damit die Zuhörer Danowski kennenlernen können. Dabei spiegelt sich Raethers Erfahrung als Journalist wider, der schon lange mit lockerem Schreibstil und geistreichen Beschreibungen detaillierter Beobachtungen von Mitmenschen bei seinen Lesern punkten kann.

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