Australischer Singer-Songwriter Matthew Charles begeistert zum zweiten Mal im „Schmidt‘s“

Kribbeln bis in die Fußspitzen

+
Matthew Charles bei seinem Auftritt im Rotenburger „Schmidt’s“.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Zweistimmiger Gesang, eingängige Hooklines, eine charismatische Stimme und viel Energie: Das erwartete die Besucher am Freitagabend beim Konzert des Australiers Matt Charles und Bernd Kühl an der E-Gitarre in Rotenburg. Genau ein Jahr und vier Tage nach seinem ersten Konzert im Rotenburger „Schmidt´s“ verschlug es den in Tasmanien geborenen und aufgewachsenen Charles am Freitag wieder auf die Bühne der Kulturkneipe. Sehr zur Freude einiger Gäste, die bereits der erste Auftritt des Singer-Songwriters begeistert hatte.

So hielten sich „Feierabend-Bierler“, Essensgäste und Musikfreunde die Waage – und siehe da: Auch erstere konnte der Profi, der sein Geschäft in den Läden auf dem Hamburger Kiez gelernt hat, mit seiner ausdrucksstarken Stimme gefangen nehmen; und sogar aus dem Hinterzimmer wurde geklatscht.

Gleich vorweg: Auch Charles kocht bei seinen Kompositionen mit Wasser; seine Songs verlassen nur selten die Fahrwasser gängiger Hörgewohnheiten. Die richtige Würze verleihen seinen Auftritten die Energie und Leidenschaft, mit der er singt. Wovon? Von enttäuschten Lieben, der Suche nach der Richtigen oder Lebensweisheiten wie „Find your own Road“ – dem prallen Leben eben.

Dass der seit einigen Jahren in der Region beheimatete Musiker bis auf ein Tom Petty-Cover ausnahmslos Songs aus eigener Feder zum Besten gab, birgt auch ein Risiko, verriet der Sänger nach dem Gig: „Mit deinen eigenen Songs legst du dein Innerstes offen – wenn die Leute es nicht mögen, verletzt das schon.“

Die anfängliche Nervosität indes war eigentlich überflüssig, agierte Charles doch routiniert und hatte mit Bernd Kühl einen kongenialen Partner zur Seite. Der Hamburger verlieh mit schönen, aber nie aufdringlichen Einwürfen an der E-Gitarre den Stücken eine zusätzliche Dimension; und Charles tat gut daran, ihm viel Raum für eigene Soli zu lassen, so dass die Stücke sich über viele Minuten entwickeln durften.

Das kam an; Sascha Martens aus Sittensen, der mit Freunden aus Rotenburg gekommen war, erlebte Charles bereits zum fünften Mal: „Bei Konzerten in der Gegend, so bis Lübeck, versuche ich dabei zu sein.“ Auch Begleitung Jennifer D‘Ippolito ist angetan: „Seine Stimme hat sofort meine Seele berührt. Wenn er singt, kribbelt es bis in die Fußspitzen.“

Für Kneipenchef Ralf Schirdewahn, der die scherzhaft von Charles angekündigte Sinatra-Einlage schuldig blieb, geht das Konzept der Kleinkunst auf: „Das schafft hier eine besondere Atmosphäre, gerade, wenn es sich um Musik wie diese handelt – das ist einfach stimmig.“ Gerade im Bereich Songwriting seien die Angebote in der Region nicht gerade üppig, „dabei gibt es in Rotenburg ein Publikum dafür.“ Mit Konzerten, Lesungen und Poetry Slams will Schirdewahn Hemmschwellen abbauen: „So kommen auch Leute, die sonst vielleicht nicht vorbei schauen würden.“

Für Charles markierte das Konzert ein Auffrischen der Zusammenarbeit mit Kühl, bevor es in Kürze gemeinsam ins Studio geht. Sein anfängliches „This ain´t gonna work“ strafte er jedenfalls selbst Lügen. Doch das ist nicht das Einzige, was für den Musiker demnächst ansteht: „Wenn alles klappt, fliege ich Ende des Jahres mal wieder in meine Heimat Tasmanien zurück – und zwar zum ersten Mal nach acht Jahren und neun Monaten!“

Mehr zum Thema:

Närrische Prunksitzung in Stolzenau

Närrische Prunksitzung in Stolzenau

Hommage an die Beatles in Verden 

Hommage an die Beatles in Verden 

Schwerer Unfall in Rios Samba-Karneval

Schwerer Unfall in Rios Samba-Karneval

Hunderttausende Narren bei Rosenmontagszügen

Hunderttausende Narren bei Rosenmontagszügen

Meistgelesene Artikel

Mit dem Pappnasenexpress zum Karneval nach Köln

Mit dem Pappnasenexpress zum Karneval nach Köln

Ein närrisches Treiben nach Maß

Ein närrisches Treiben nach Maß

Maschinenpistole und Schutzweste ein Muss

Maschinenpistole und Schutzweste ein Muss

Zurück zum alten System: Eingangsstufe hat ausgedient

Zurück zum alten System: Eingangsstufe hat ausgedient

Kommentare