Vor Stichwahl im Heimatland

Französin Marie Claude Döhring: Ein Kreuz für Europa

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Die Französin Marie Claude Döhring lebt seit 45 Jahren in Deutschland. Bei der Stichwahl hat sie einen klaren Favoriten.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Am Abend zuvor hatte sie sich noch das Fernsehduell angesehen. Doch was Marie Claude Döhring bei diesem von den Franzosen genannten „Débat“ gesehen hatte, hat ihr nicht besonders gefallen.

„Marine Le Pen hat keine Frage vernünftig beantwortet. Sie war immer nur negativ, sie hat immer nur attackiert“, so die Französin am Donnerstag. Sie macht keinen Hehl daraus, für wen sie bei der Stichwahl für das Französische Präsidentenamt am Sonntag machen wird. Ihr Favorit heißt Emmanuel Macron – die „Vernunftwahl“, wie sie sagt.

Seit 45 Jahren lebt Döhring in Deutschland, 43 davon in Rotenburg. Im Alter von 25 Jahren ist sie der Liebe wegen aus Paris hierher gezogen – ganz klassisch, wie sie sagt, „Ich habe länger in Deutschland als in Frankreich gelebt“, fährt sie fort. Doch ihr Herz schlägt europäisch, deshalb ist sie für Macron. Eine Wahl, die die meisten hierzulande lebenden Landsleute Döhrings ihrer Einschätzung nach teilen. 

Kein Wunder, schließlich wollten Le Pen und ihre Partei „Front National“, das Land von Europa abgrenzen. „Viele Franzosen schämen sich, dass sie es überhaupt in die Stichwahl geschafft hat“, so Döhring, die übrigens in Bremen in einer Art Zweigstelle des Französischen Generalkonsulats in Hamburg zur Urne geht.

Nicht vollständig für Macron

Dennoch: Hundert Prozent hinter Macron steht auch Döhring nicht. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen war sie geneigt, jemand Anderen ihre Stimme zu geben. Ihr gefällt Macrons Nähe zu den Banken nicht. Bevor der 39-Jährige in die Politik ging, hatte er für eine gearbeitet. Doch Macron hat ihrer Ansicht nach die besten Chancen, gegen Le Pen zu gewinnen, als die übrigen Kandidaten damals. Die „Vernunftwahl“ eben für eine Europäerin.

Die Wahl in Frankreich ist längst keine rein französische Angelegenheit mehr. Auch sie hat bemerkt, dass selbst in Deutschland das Interesse sehr groß ist.

Döhring engagiert sich im Deutsch-Französischen Partnerschaftsverein in Rotenburg, fährt im Sommer anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen dem Landkreis Rotenburg und der Region Sainte-Foy-la-Grande in den Südwesten ihrer alten Heimat. Dort – wie auch im Verein – sei man ganz ihrer Meinung sagt sie. Zu sehr sei der Zusammenhalt mittlerweile gewachsen, um ihn von Le Pen gefährden zu lassen. „Nach allem, was davor passiert ist, darf man das nicht in Frage stellen.“

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