Mehr Alarme wegen Kohlenmonoxid

Rotenburg: Kreisweit mehr Gefahrguteinsätze im häuslichen Bereich

Zwei Männer mit gelber Schutzkleidung und Atemschutzmasken.
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Einsätze des Gefahrgutzuges können dramatisch aussehen. Symbolfoto: imago images/onw-images

Die Zahl der Einsätze des Gefahrgutzuges der Rotenburger Kreisfeuerwer bleibt auch 2021 im unteren zweistelligen Bereich. Dennoch gibt es Veränderungen im Einsatzgeschehen. Immer häufiger muss der Zug unterstützen, wenn es zu Kohlenmonoxid-Vorfällen kommt.

Zeven/Rotenburg – Cäsium auf der Rastanlage Grundbergsee im November 2018, eine Radiumtinktur in Stapel im September vergangenen Jahres oder ein schwerer Unfall etwa auf der Autobahn, bei dem ein Lkw gefährliche Stoffe geladen hat. Sogenannte Gefahrguteinsätze kommen in der Wahrnehmung oft spektakulär daher, genießen eine große Aufmerksamkeit. Der Begriff „Gefahr“ hat dann doch seine eigene Anziehungskraft.

Doch immer mehr finden solche Einsätze im häuslichen, privaten Bereich statt. Zwar verbleiben die Einsatzzahlen des Gefahrgutzuges der Rotenburger Kreisfeuerwehr im niedrigen zweistelligen Bereich, doch gerade die Kohlenstoffmonoxid-Einsätze nehmen bei den Freiwilligen Feuerwehren zu. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Zunächst: Was ist ein Gefahrguteinsatz?

Das hört sich erst einmal ganz simpel an. „Ein Gefahrguteinsatz ist ein Einsatz, bei dem ein Stoff involviert ist, der dem menschlichen Organismus schaden zufügt, aber auch der Umwelt“, erläutert Kreisbrandmeister Peter Dettmer. Ausgenommen sei aber zum Beispiel eine Ölspur. Es gehe eher um Gaswolken oder Säuren, die in der Fläche erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt bedeuten können. Man müsse aber differenzieren: Zwar könne dies auch ein radioaktiver Stoff sein, der irgendwo auftaucht, oder der „klassische“ umgestürzte Lkw mit gefährlicher Ladung. Häufiger handele es sich dabei aber um auftretendes Kohlenstoffmonoxid. Das könne tödlich sein, die Ursache sei in der Regel eine defekte Lüftungsanlage im Haus.

Einsätze gibt es immer mehr im häuslichen Bereich. Aber warum ist das so?

Wer ein älteres Haus mit einem Ofen besitzt, der lüftet ab und zu durch. Moderne Häuser sind mittlerweile aber anders gebaut, für Wärme- und Frischluftregulierung kommt es dabei auf ein Zusammenspiel von Ofen, Heizung und Lüftung an. Funktioniert etwas nicht und die Luftzirkulation ist nicht mehr gegeben, kann Kohlenstoffmonoxid auftreten. „Das ist eine Gefahr für den Menschen“, so Dettmer, zumal es geruchslos und geschmackslos sei. Übrigens: Auch bei unvollständigen Verbrennungen bei Öl- und Gasöfen entsteht Kohlenmonoxid.

Der Gefahrgutzug

Der Gefahrgutzug der Rotenburger Kreisfeuerwehr ist ausgestattet mit Spezialfahrzeugen und -geräten für die Abarbeitung der Gefahrguteinsätze. Klassisch ist das laut Kreisbrandmeister Peter Dettmer der Unfall mit gefährlichen Stoffen auf der Autobahn. Ein anderer klassischer Einsatzbereich wäre ein Betrieb mit einem erhöhten Bedarf an Chemikalien – beispielsweise Molkereien, die Ammoniak zur Reinigung benutzen, oder ein Mineralölunternehmen wie Hoyer in Visselhövede. Die rund 60 Mitglieder des Gefahrgutzuges kommen aus dem ganzen Landkreis und sind auch Teil ihrer eigenen Ortswehr. Sollte er alarmiert werden, sammelt sich der Zug an seinem Standort in Zeven und fährt dann zur Einsatzstelle. Das kann ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, wegen der langen Wege ist der Gefahrgutzug sozusagen etwas träger unterwegs. Das heißt laut Dettmer nicht, dass der Zug langsam ist. Er braucht nur etwas, um ins Rollen zu kommen. 

Wieso kommt ein solcher Einsatz häufiger vor als sonst?

Es ist ein Phänomen des modernen Hausbaus, bestätigt Dettmer. Je mehr es davon gibt, desto mehr könne auch schiefgehen, desto mehr Einsätze gibt es. Sechs Alarmierungen dieser Art hat es 2021 im Landkreis gegeben, drei im Jahr 2020.

Nun habe ich Kohlenmonoxid im Haus. Was passiert dann?

Bei solchen Einsätzen hat man es in der Regel nicht mit dem Gefahrgutzug der Kreisfeuerwehr zu tun, sondern mit der nächstgrößeren Ortsfeuerwehr. Allerdings rückt die Führungsgruppe des Gefahrgutzuges trotzdem mit aus, um ihre Kameraden vor Ort fachlich zu beraten. Der Einsatz besteht im Wesentlichen aus dem Lüften der Wohnung, nachdem gegebenenfalls noch Personen gerettet wurden. In der Regel wird der Schornsteinfeger oder ein Monteur gleich mit hinzugerufen, damit der Defekt schnell behoben werden kann. Die Wohnung wird bis dahin gesperrt.

Wie oft kommt ein Gefahrguteinsatz generell vor?

Die Zahl der Einsätze „auf der Straße“ steigt laut Dettmer übrigens nicht. Aber dort gebe es auch wesentlich stärkere Sicherheitsvorkehrungen. Es würden zwar mehr gefährliche Stoffe transportiert werden, aber im Einsatzgeschehen spiegele sich das nicht wider. Der Gefahrgutzug rückt bei Einsätzen in Abstufungen aus. Nicht jeder Einsatz erfordert „das volle Besteck“, sondern vielleicht nur eines der Spezialfahrzeuge. 16 Mal wurde der Zug im Jahr 2021 alarmiert, einmal mehr als 2020. In beiden Jahren ist er aber nur einmal in kompletter Ausstattung ausgerückt. Nicht jedes Ausrücken erfordert einen Einsatz, manchmal beschränkt er sich auch auf den Austausch von Atemluftflaschen vor Ort für die jeweilige Ortsfeuerwehr.

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