Zwischenfrüchte für ein saubereres Grundwasser

Dürre erfordert zusätzliche Maßnahmen in Wasserschutzgebieten

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Beim Ortstermin in Wohlsdorf zeigt sich, wie prächtig die Zwischensaat gewachsen ist.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Dürre und die damit einhergehende frühzeitige Ernte sorgen optisch derzeit für ein bunteres und blühenderes Bild als üblich: Auf den Feldern der Region wachsen deutlich mehr sogenannte Zwischenfrüchte. Mit diesen können Landwirte Nährstoffe konservieren und die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Doch was aktuell so grün aussieht, hat auch seinen Preis. Für die Maßnahmen, die auch dem Trinkwasserschutz dienen, wurde deutlich mehr Geld ausgegeben.

Zu trocken ist es eigentlich immer noch. Nicht einmal die Hälfte der Niederschläge des vergangenen Jahres hat Landwirt Cord Dittmer aus Wohlsdorf bislang gemessen, und auch jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, sind keine ergiebigen Schauer in Aussicht. Umso erstaunter blickt er auf die Rübse, die Bianca Hinck in der Hand hält. Beim Ortstermin von Landwirten, Wasserversorgern und der Landberatung auf einem abgeernteten Maisacker hält die Agraringenieurin die prächtig gewachsene Pflanze in der Hand, die hier wie Raps, Ölrettich, Senf, Markstammkohl oder Getreide als Zwischenfrucht ausgesät worden war.

Volker Meyer staunt auch. Vor allem aber freut er sich, denn als Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land sieht er insbesondere den Nutzen, die diese Pflanzen nach der Ernte in den Wintermonaten bringen – zumal in den drei Wasserschutzgebieten rund um die Kreisstadt. „Hier wird Stickstoff gebunden“, sagt Meyer. Die schnellwüchsigen Kulturen seien in der Lage, im Herbst noch viel Masse aufzubauen, dadurch würden Nährstoffe gebunden und vor Auswaschungen über den Winter geschützt. Oder im Klartext: Je grüner es oben auch im Winter ist, desto weniger Gülle wandert ins Erdreich und damit in Richtung der Förderbrunnen fürs heimische Trinkwasser.

Landberaterin Bianca Hinck zeigt Kooperationslandwirt Claus Behrens die Zwischenfrucht, eine Rübse.

Es ist zwar ein langer Weg, den der mit Nitrat belastete Wassertropfen zurücklegen muss, bis er in rund 150 Metern Tiefe ankommt, von wo der Wasserversorgungsverband und die Stadtwerke Trinkwasser fördern. Bis zu 150 Jahre kann das dauern, heißt es. Aber: Er kommt an. Und deswegen sagt Verbandsleiter Meyer: „Die Generationen nach uns sollen es nicht ausbaden.“ Das oberflächennahe Wasser in der Region ist schon an vielen Orten deutlich zu hoher Belastung ausgesetzt, in der Tiefe jedoch ist alles in bester Ordnung, betont Meyer. Und damit das auch so bleibt und die Werte oben sich wieder bessern, gibt es seit einigen Jahren entsprechende Kooperationen mit Landwirten, die auf den Feldern der Schutzgebiete wirtschaften.

4700 Hektar landwirtschaftlich genutzt

In den drei Rotenburger Wasserschutzgebieten mit einer Fläche von 7000 Hektar werden rund 4700 Hektar landwirtschaftlich genutzt. Mehr als die Hälfte davon ist als Acker ausgewiesen, dort ist der Mais mit rund 50 Prozent vertreten. Aus dem „Wassergroschen“ finanzieren die Versorger Maßnahmen, die zu einer schonenderen Bewirtschaftung führen: Untersaaten, Grünlandpflege, Zwischenfrüchte. 110.000 Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung. In diesem Jahr reichten die Fördermittel allerdings nicht aus.

Durch die schwache Ernte blieben viele Nährstoffe im Boden. „Wir haben Feuerwehrmaßnahmen getroffen“, sagt Landberaterin Hinck. Kurzfristig seien Sondergenehmigungen erteilt worden, damit auf die besondere Situation reagiert werden konnte. Normalerweise werden Zwischenfrüchte nur nach der Getreideernte angebaut, beim Mais sei das in der Regel zwecklos – die Ernte zieht sich mitunter bis in den November, dann ist es zu spät. In diesem Jahr aber ist der Mais nach Hitze- und Wasserstress vier Wochen früher geerntet worden, zudem waren die Temperaturen bis weit in den Oktober hinein sehr hoch. Auf zusätzlich fast 300 Hektar Ackerflächen, wo der Mais geerntet war, wurden Zwischenfrüchte angebaut. Die Kosten dafür wurden den Landwirten zum Teil erstattet, die jährlichen Zuschüsse sind aber um 28.000 Euro überschritten worden. Die Wasserversorger gehen dafür zunächst in Vorleistung, die Refinanzierung erfolgt im kommenden Jahr. Von den 174 Landwirten in den Schutzgebieten nehmen rund 70 am Programm teil.

Nicht nur die Rübsen in Wohlsdorf wachsen in diesem Herbst gut. Nach einer um rund 30 Prozent schwächeren Ernte im trockenen Jahr 2018 sei es „erstaunlich, wie prächtig sich die Zwischenfrüchte entwickelt haben“, sagt Kai Siegel, auch für die Landberatung tätig. „Für den Trinkwasserschutz hat sich der zusätzliche Aufwand gelohnt.“ Die Landwirte in der Kooperation sehen das ähnlich. „Der Anreiz ist da“, sagt Claus Behrens. Doch die Zahlungen würden den Mehraufwand nicht aufwiegen. Es sei ein freiwilliges Engagement – auch um zu zeigen, dass die Landwirte sehrwohl an einer intakteren Natur interessiert sind.

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