CORONA UND DIE FOLGEN Hilfe von der dritten Hand

Kreative Lösungen in der Tanzschule

Tanzkurs in der Tanzschule Seel.
+
Klassische Tänze sind noch nicht aus der Mode gekommen, wie die Jugendlichen beim Cha-Cha-Cha in der Tanzschule Seel unter Beweis stellen.

Tanzen bedeutet körperliche Nähe – und genau das war in den vergangenen Monaten nicht möglich, in den Tanzschulen blieb es dunkel. Auch Gisela Schoenfeld war lange ausgebremst. Seit es wieder losgehen darf, sind allerdings auch kreative Lösungen wie eine dritte Hand gefragt.

Rotenburg – Rechts-links-Cha-Cha-Cha: Generationen von Tanzschülern haben so oder ähnlich den lateinamerikanischen Tanz eingeübt. Die Tanzschule gehörte zum Leben wie die Konfirmation, Kommunion oder der Führerschein. „Muss man nicht haben – aber hilft!“ Immerhin mehr als 800 eingetragene klassische Tanzschulen gibt es in Deutschland. Corona traf dann auch die seit langem etablierten Parkettkünstler heftig.

Gisela Schoenfeld, Tanzlehrerin in der Rotenburger Tanzschule Seel, hat harte Monate hinter sich. Der erste Lockdown im März 2020 dauert knapp drei Monate, bevor es – mit vielen Auflagen – wieder losging. Dann kam der zweite Einschnitt. Sieben Monate lang nichts. Erst im vergangenen Juni durfte man langsam wieder starten. Auf die Frage, was sie in dieser Zeit gemacht habe, antwortet Schoenfeld: „Ich habe versucht, nicht durchzudrehen.“ Zunächst habe sie telefonisch und per E-Mail den Kontakt zu ihren Kunden gehalten. Dann habe man kleine „Filmchen“ selbst gedreht und den Tanzwilligen so die nächsten Schritte vermittelt. Aber das alles wurde immer weniger. Der persönliche Kontakt ist beim Tanzen nun mal nicht zu ersetzen.

Viele Hürden vor dem Start

Als es wieder losgehen kann, sind jede Menge Hürden zu überwinden. „Viel Verwaltung, viel Papierkram.“ Da Schoenfeld selbst ihre Tanzschüler nach Möglichkeit nicht berühren sollte, um zum Beispiel deren Haltung zu verbessern, bastelt sie sich eine Hand auf einem Holzstab. So kann sie mit dem nötigen Abstand Korrekturen vornehmen. Zwei Luftreiniger werden angeschafft, die die Luft in dem großzügigen Tanzsaal an der Moorstraße filtern, und auch finanzielle Hilfe vom Bund kommt an. „Die erste Hilfe kam schnell, die zweite für November/Dezember kam erst im Mai, das haben nicht alle überlebt“, so Schoenfeld. Sie fügt hinzu. „Es war für uns alle eine schwere Zeit – und es ist noch eine schwere Zeit.“

Denn jetzt heißt es, wieder in Gang zu kommen. Denn der Tanzkurs ist für viele Jugendliche noch immer selbstverständlich. Nach der Konfirmation tauchen sie zum Einsteigerkurs an der Moorstraße auf. Und ihre Tanzlehrerin, die seit mehr als 30 Jahren im Geschäft ist, kann sie begeistern. Sie hat die Sprache der Jugendlichen drauf, und „steif wie früher“ ist hier gar nichts mehr.

Eine „dritte Hand“ hat sich Tanzlehrerin Gisela Schoenfeld gebastelt, um damit Haltungen zu korrigieren.

Deshalb bleiben auch etliche und hängen noch den zweiten oder dritten Kurs dran. Trotz Ferienzeit versammelte sich dort eine ganze Reihe von etwas älteren Schülern, um die klassischen Tänze zu üben – auch, wenn diese außerhalb der Tanzschule kaum noch vorkommen. Die großen Bälle sind selten geworden und in der Disco ist der langsame Walzer nicht eben der Bringer. Grundsätzlich schwerer als den Jugendlichen aber fällt es den Erwachsenen, das Tanzbein zu schwingen. Hier ist die Corona-Lücke nach wie vor deutlich zu spüren. Da aber hierzulande noch oft auf Hochzeiten getanzt wird, komme, so die Rotenburger Tanzlehrerin, manchmal „fünf Wochen vor der Hochzeit plötzlich Panik auf“ und das Brautpaar findet sich zum Schnellkurs ein.

Alles machbar. Aber grundsätzlich sei noch reichlich Platz für Erwachsene „zwischen 20 und 80“, die dann ihrer Erfahrung nach oftmals das Tanzen als ideale Sportart für sich entdeckten. Immerhin habe sie auch welche dabei, die seit mehr als 30 Jahren regelmäßig kämen.

Die Jugendlichen an diesem Spätnachmittag üben derweil eifrig am Cha-Cha-Cha. Für sie ein großer Spaß, der noch immer regelmäßig mit einem großen „Abschlussball“ endet. „So richtig mit Ballkleid, Blumenstrauß und großer Aufregung.“ Glücklicherweise habe es in ihrer Tanzschule auch bisher keine Infektion mit dem leidigen Virus gegeben, stellt Schoenfeld fest. Sie sei mit „Leib und Seele“ Tanzlehrerin und hoffe, das noch „bis zur Rente“ bleiben zu können.

Von Michael Schwekendiek

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Friseure: 2G+ ein Hemmschuh

Friseure: 2G+ ein Hemmschuh

Friseure: 2G+ ein Hemmschuh
Lautstarker „Spaziergang“ durch Rotenburg

Lautstarker „Spaziergang“ durch Rotenburg

Lautstarker „Spaziergang“ durch Rotenburg
Urlaub auf vier Rädern ab Höperhöfen

Urlaub auf vier Rädern ab Höperhöfen

Urlaub auf vier Rädern ab Höperhöfen
Wohlsdorfer Landwirt im Jubiläumsbuch

Wohlsdorfer Landwirt im Jubiläumsbuch

Wohlsdorfer Landwirt im Jubiläumsbuch

Kommentare