Bei den Tischlern sieht es in Sachen Nachwuchs zurzeit noch verhältnismäßig gut aus

Kreativ, gefragt und mit Zukunft

Auch für Azubis ein Muss: Christopher Behrens an einer Computer-gesteuerten Maschine in seiner Kirchwalseder Lehrwerkstatt.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Ganz so dramatisch wie bei Malern, Friseuren oder auch Maurern, Dachdeckern und Fleischern sieht es beim Nachwuchs für Tischler noch nicht aus. In den drei Ausbildungsjahrgängen sind es im Altkreis Rotenburg insgesamt 27 Auszubildende.

„Das geht gerade noch“, bemerkt Tischlermeister Hans-Dieter Henke aus Kirchwalsede, gleichzeitig auch Kreislehrlingswart. Aber es ist nicht nur so, dass die Nachfrage sinkt, „viele bilden auch gar nicht mehr aus,“ weiß er. Seiner Meinung nach liegt das auch daran, dass etliche Schulabsolventen „nicht mehr ausbildungsgeeignet“ sind. Genau das hatten auch seine Kollegen aus der Friseur- und der Malerinnung beklagt. 

Die Ansprüche an die Auszubildenden sind gestiegen, „die Maschinen werden immer größer und komplizierter, da werden schließlich mitunter Millionenwerte bedient.“ Hauptschüler sind nach wie vor durchaus willkommen, sollten aber schon eine Durchschnittsnote im Bereich „befriedigend“ haben, um erfolgreich durch die Ausbildung, vor allem auch durch die Berufsschule zu kommen. 

Die dortigen Lehrpläne und der Berufsalltag stimmen nach Henkes Aussage nicht immer überein. Er habe kürzlich eine schriftliche Arbeit einer seiner Lehrlinge in die Hände bekommen und sie – „nur mal so“ – seiner gesamten Belegschaft vorgelegt. „Nicht einer ist damit fertig geworden“, empört sich Henke und ruft sogleich den Lehrer an mit der Frage „Was soll das?“. 

Er wisse, dass man an Lehrpläne gebunden sei, aber eine größere Praxisnähe sei ebenso wichtig wie die Auszubildenden nicht zu überfordern. Gerade im Tischlereihandwerk werbe man zunehmend auf den verschiedenen Gymnasien, habe dabei allerdings dann oft das Problem, dass „sehr gute wieder weg gehen, um ein Studium zu beginnen.“

Dabei biete „das Handwerk an sich tolle Möglichkeiten“. Wer immer in einen Handwerksberuf einsteigen wolle, so Henkes Rat, sollte vorher ein Praktikum machen. Da könne man selbst sehen, ob das der richtige Beruf sei, und auch der Ausbildungsbetrieb bekommt einen Eindruck vom möglichen Nachwuchs. Frauen werden es nach Meinung des Kirchwalseders Tischlermeisters in seiner Branche der Bautischler eher schwerer haben, da hier mitunter Arbeiten zu erledigen seien, die große körperliche Kraft erforderten. Im Bereich „Möbeltischler“ sieht das anders aus. Juniorchef Johannes Henke stellt fest: „Die arbeiten akkurater!“

Christopher Behrens (16) aus Jeersdorf ist seit einem Jahr in der Tischlerausbildung in Kirchwalsede. Er ist zufrieden. „Es ist genau so wie ich es mir vorgestellt habe“. Die rein handwerkliche Arbeit liegt ihm ebenso wie der Umgang mit Computer-gesteuerten Maschinen. Das gilt nicht für alle in seiner Branche. 

In seiner Klasse an der Berufsschule haben sie mit 30 Azubis angefangen; nach einem Jahr sind es noch 20. Er, als Realschulabsolvent, kommt gut zurecht dort, aber: „Arbeiten ist besser!“ Seine Firma bekommt im August einen weiteren Auszubildenden. 

Auch der war nicht einfach zu finden. Warum? Henke: „Die meisten wollen den Konfirmationsanzug nicht ausziehen.“ Bürojobs sind gefragter. Christopher könnte eines Tages auch noch mal wieder in den Anzug wechseln: Nach der Ausbildung möchte er wohl noch sein „Abi nachmachen und studieren.“ Aber auf jeden Fall in der Branche bleiben.

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