Krankenhauskonzept für den Landkreis: Zeven bleibt für Basisversorgung

Elbe Kliniken legen Fokus auf Bremervörde

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Kreiskämmerer Sven Höhl (v.l.), Elbe-Kliniken-Geschäftsführer Siegfried Ristau, Landrat Hermann Luttmann und Gesundheits-Staatssekretär Jörg Röhmann verkündeten gestern das Planungskonzept für die Kliniken in Zeven und Bremervörde.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Zukunft der Krankenhauslandschaft im Landkreis ab Januar 2016 wird immer klarer: Die Elbe Kliniken Stade-Buxtehude werden als Partner des Landkreises die Häuser in Bremervörde und Zeven sowie die angeschlossenen Altenpflegeeinrichtungen weiterbetreiben, aber einen klaren Fokus auf den Standort Bremervörde legen. Das Angebot in Zeven wird reduziert, es bleibt eine Basisversorgung. Das wurde am Freitag nach dem zweiten Regionalgespräch zwischen Gesundheitsministerium, Politik, Kliniken und Kommunen im Kreishaus deutlich.

„Es ist eine Anpassung an die Realität“, sagte Kreiskämmerer Sven Höhl. Im Frühjahr 2014 hatte der Landkreis die Anteile der Münchener Sana AG an den Ostemed-Kliniken in Zeven und Bremervörde übernommen, um die defizitären Kliniken in Eigenregie weiter zu führen. Bis zum Kreistagsbeschluss im März 2015, den Betrieb in dieser Form aufrecht zu erhalten, waren laut Höhl 8,4 Millionen Euro für die Sicherung aufgewendet worden, im laufenden Haushaltsjahr seien 6,3 Millionen veranschlagt. Mit den Elbe Kliniken als Partner sind in den kommenden fünf Jahren weitere Leistungen „im zweistelligen Millionenbereich“ notwendig, heißt es von Landrat Hermann Luttmann (CDU). Aber: „Wer Wünsche hat, muss dafür auch einstehen.“ Auch Staatssekretär Jörg Röhmann vom Niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerium machte gestern deutlich, dass es um mehr als Geld gehe: „Wenn nur die Betriebswirtschaft zählen würde, wären beide Standorte geschlossen worden.“ Man dürfe die Menschen nicht übergehen.

Das Risiko für den Weiterbetrieb im Interesse seiner Bürger übernehme der Landkreis zwar, aber auch nicht in grenzenloser Höhe, sagte Landrat Luttmann. Das neue Konzept sei auf die Zukunft ausgerichtet und tragfähig – irgendwann auch in finanzieller Hinsicht. Konkret wird die bislang nicht ausgelastete Chirurgie in Zeven auf ambulanten Betrieb reduziert, ist am Wochenende und nachts nicht mehr verfügbar. Die Krankenpflegeschule wird nach Bremervörde verlegt. Dafür soll es eine stärkere Kooperation mit den Pflegeeinrichtungen geben. Elbe-Kliniken-Geschäftsführer Siegfried Ristau verspricht, dass sich „weiter jeder Patient in Zeven melden“ kann. Nur werde er dann in manchen Fällen verlegt, zum Beispiel nach Bremervörde oder nach Rotenburg. Das Agaplesion Diakonieklinikum in der Kreisstadt hatte im Prozess der Partnersuche übrigens frühzeitig abgewunken. Nun steht die Kooperation des Landkreises mit Stade, und die ist laut Staatssekretär Röhmann ein großer Vorteil: „Die Konkurrenz zweier großer Häuser in einer Region tut dem nördlichen Landkreis gut.“ Durch den Wettbewerb der Häuser in Stade, nunmehr mit Bremervörde und Zeven, und Rotenburg könne eine bessere medizinische Versorgung erreicht werden. Die Qualität steige.

Ristau verspricht, dass die Umwandlung der Ostemed-Häuser in die gemeinnützige Gesellschaft von Landkreis und Elbe Kliniken nicht zu Entlassungen führen werde. 458 Stellen gibt es derzeit in den Häusern. Ristau: „Im weißen Bereich bleiben nahezu alle erhalten.“ Perspektivisch werde nun in der Verwaltung gespart, betriebsbedingte Kündigungen seien aber ausgeschlossen.

Landesgesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) zu den Plänen im Kreis Rotenburg: „Wenn die inhaltliche Neukonzeption der Kliniken von allen Beteiligten mitgetragen wird, ist ein großer Schritt hin zur Sicherstellung einer zukunftsfesten, wohnortnahen und hochwertigen medizinischen Versorgung im Kreis Rotenburg getan.“ Zweifel gibt es derzeit keine, dass das Konzept so umgesetzt wird. Am 8. Juli werden die Pläne im Krankenhaus-Planungsausschuss des Landes diskutiert, im Oktober könnte der Kreistag zustimmen. Die Mehrheitsgruppe signalisierte schon gestern Begeisterung. „Wir haben Sicherheit für Bremervörde und eine Chance für Zeven. Das ist eine gute Ausgangslage, um in die Zukunft zu gehen“, sagte Ute Gudella-de Graaf (SPD). „Es gibt keinen Haken.“

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