Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Heinz-Günter Bargfrede (CDU) sitzt seit 40 Jahren im Kreistag

„Es kostet eine Menge Zeit“

+
Heinz-Günter Bargfrede (CDU) spricht bei einem Besuch in der Redaktion der Kreiszeitung über seine Leidenschaft, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. 

Rotenburg - Von Guido Menker. „Mehr Erfahrung für Rotenburg“ – damit wirbt Heinz-Günter Bargfrede für sich als Kandidat der Rotenburger CDU. Der 74-Jährige will es noch einmal wissen: Er strebt bei der Kommunalwahl einen Platz nicht nur im Rotenburger Stadtrat, sondern auch im Kreistag an. Dem Kreistag gehört der Christdemokrat seit inzwischen 40 Jahren an. Und das, obwohl er von 1990 bis 1998 auch noch im Bundestag saß. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Herr Bargfrede, Sie sind seit 40 Jahren im Kreistag dabei. Jetzt kandidieren Sie noch einmal. Warum tun Sie sich das eigentlich an?

Heinz-Günter Bargfrede: Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich bin ja auch schon 25 Jahre im Stadtrat, war unter anderem zwei Jahre Bürgermeister und neun Jahre stellvertretender Landrat. Ich kandidiere noch einmal, weil mir die Entwicklung Rotenburgs und unseres Landkreises am Herzen liegt und ich meine, dass ich auch künftig mit meiner Erfahrung noch sehr hilfreich sein kann.

Haben Sie denn sonst keine Hobbys?

Bargfrede: Meine Hobbys sind meine Ehrenämter. Ich bin seit 1987 Ortsvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes und organisiere jährlich eine Reihe von Ausflügen und Reisen. Ich bin Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und Kreisvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Außerdem auch noch Mitglied des Landesvorstandes und mehrerer Fachausschüsse auf Landes- und Bundesebene der Kommunalpolitischen Vereinigung (KBV) von CDU und CSU und nehme als Delegierter an den Landes- und Bundesparteitages der CDU teil. Ach ja, und außerdem gehöre ich auch noch dem Rotenburger Seniorenbeirat an.

Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, sich politisch zu engagieren?

Bargfrede: Mein Weg führte mich von der ehrenamtlichen Arbeit in Vereinen und Verbänden ziemlich logisch über die Kommunalpolitik in den Bundestag. Ich hatte mich schon als Pressewart beim TuS Heeslingen und später bei der Spielvereinigung Rotenburg und dem Postverband engagiert, als ich 1976 von der CDU um eine Kandidatur für den Stadtrat und den Kreistag gebeten wurde.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in der Politik in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert?

Bargfrede: Nicht viel. Es kommt immer auf die Persönlichkeit der handelnden Leute an. Der Mensch ist immer wichtiger als die Partei.

Macht es heute mehr Spaß, sich im Stadtrat und im Kreistag zu engagieren?

Bargfrede: Von Spaß kann natürlich keine Rede sein. Aber es freut mich immer, wenn sich Bürger für meinen Einsatz auch dann bedanken, wenn ich in der Sache nichts für sie erreichen konnte. Dann sagen sie: „Du hast Dich für uns eingesetzt, mehr konntest Du nicht tun.“

Was war denn Ihr schönstes Erlebnis als Kreistagsmitglied beziehungsweise als Mitglied im Stadtrat?

Bargfrede: Ich erinnere mich gerne an die Zeit als Bürgermeister. Ich habe 1985 den Empfang der Stadt für die ehrenamtlich Tätigen eingeführt, der auch heute noch regelmäßig veranstaltet wird. Und ich habe mit Stadtdirektor Ernst-Ulrich Pfeifer die Nordumgehung eingeweiht sowie die Aufnahme der Stadt in das Städtebauförderungsprogramm erreicht – beides Voraussetzungen für den gelungenen Umbau der Rotenburger Innenstadt. Im Kreistag konnte ich nach der Kreisreform im Jahr 1977 als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender dazu beitragen, dass bei den personellen Entscheidungen beide Altkreise angemessen berücksichtigt wurden. Das Zusammenwachsen der beiden früheren Landkreise Rotenburg und Bremervörde ist gut gelungen. Das kann man nicht von allen Kreisen in Niedersachsen behaupten.

Sie waren ja auch zwei Legislaturperioden im Bundestag. Inwieweit profitieren Sie auch heute noch davon?

Bargfrede: Dort wird auch nur mit Wasser gekocht. Entscheidungsprozesse dauern deutlich länger, und die persönlichen Einflussmöglichkeiten sind deutlich geringer als im Stadtrat und im Kreistag. Und in der Kommunalpolitik merkt man schon nach kurzer Zeit, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war.

Ihre Zeit im Bundestag, so kurz nach dem Fall der Mauer, muss sehr spannend gewesen sein...

Bargfrede: In der ersten Sitzung saß ich neben Helmut Rohde aus Nienburg. Er sagte zu mir: „Kneif’ mir mal ins Bein. Es kann doch nicht wirklich wahr sein, dass wir hier jetzt mit Kollegen aus Erfurt, Rostock und Weimar zusammen sitzen.“ Wir haben uns gut zusammengefunden, es war eine tolle Zusammenarbeit. Allerdings gab es viel zu tun – wir hatten 27 Sitzungswochen. Heute sind es 22. Eine große Aufgabe war beispielsweise der gesamtdeutsche Verkehrswegeplan.

Nach der Zeit im Bundestag haben Sie Ihre kommunalpolitische Arbeit weiter betrieben beziehungsweise fortgesetzt. Was bedeutet Ihnen Ihre Heimat, die Stadt und der Landkreis Rotenburg?

Bargfrede: Ich persönlich mag vor allem die Menschen. Die plattdeutsche Sprache und die Pflege des Brauchtums gehören für mich dazu. Es gibt sehr viel ehrenamtlichen Einsatz in den Vereinen und Verbänden. Wir haben eine wunderbare Landschaft und eine mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur, die uns bei weltwirtschaftlichen Krisen zugute kommt.

Sie gelten als jemand, der bei den Finanzen sehr genau hinschaut. Was macht den Reiz an der Finanzpolitik für Sie aus?

Bargfrede: Bei den jährlichen Haushaltsberatungen kommen alle Politikbereiche und alle Ausgaben sowie Einnahmen auf den Tisch. Die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass wir sparsam mit ihren Steuergeldern umgehen. Es darf in Rotenburg keine weitere Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern geben. Einrichtungen, die von Vereinen, Verbänden und Kirchengemeinden genauso gut, aber kostengünstiger betrieben werden können, sollten nicht von der Stadt übernommen werden. Ich denke dabei an die Kindertagesstätten, bei denen wir in Rotenburg eine gesunde Mischung haben.

Können Sie nachvollziehen, dass die Menschen sich bei allem Ehrgeiz schwer damit tun nachzuvollziehen, was im Stadtrat oder auch im Kreistag passiert?

Bargfrede: Ja, und das gilt noch mehr für die Landes- und die Bundespolitik. Die Politik ist insgesamt sehr vielfältig und kompliziert geworden.

Sport ist ein weiteres Feld, auf dem Sie unterwegs sind. Sie waren selbst auch mal Fußballer. Eher der Offensivmann oder doch mehr der Verteidiger?

Bargfrede: Beim TuS Heeslingen war ich rechter Läufer oder Rechtsaußen, bei der Spielvereinigung Rotenburg, dem Rotenburger SV und dem FC Bundestag war ich linker Verteidiger. Die Sportförderung durch den Landkreis Rotenburg gilt seit Jahrzehnten übrigens landesweit als beispielhaft. Und mit der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine haben wir in der Kreisstadt eine intakte Gemeinschaft, um die uns viele Städte beneiden. Nach dem Bau der Bodo-Räke-Halle sind wir mit hervorragenden Sporthallen ausgestattet. Jetzt brauchen wir nur noch im Ahe-Stadion eine Flutlichtanlage und einen Kunstrasenplatz.

Inwieweit hat Sie die Politik eigentlich in all den Jahren persönlich und privat eingeschränkt?

Bargfrede: Kommunalpolitik kann durchaus Freude machen, aber sie kostet eine Menge Zeit, die man auch anderweitig sinnvoll verbringen könnte. Das betrifft vor allem das Familienleben. Ich bin meiner Frau Alice deshalb sehr dankbar für das immer gezeigte Verständnis.

Würden Sie denn heute noch einmal eine derartige politische Karriere anstreben, wenn Sie die Wahl hätten?

Bargfrede: Also von vornherein geplant und angestrebt habe ich diesen Weg natürlich nicht, er hat sich vielmehr Schritt für Schritt so ergeben. Vor allem durch die bemerkenswerten Wahlergebnisse. Sie haben mir schließlich immer wieder Mut gemacht und zum Weitermachen motiviert. So gesehen würde ich den Weg noch einmal gehen.

Mehr zum Thema:

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Anspruchsvolles Weihnachtskonzerts des Ratsgymnasiums Rotenburg

Anspruchsvolles Weihnachtskonzerts des Ratsgymnasiums Rotenburg

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Kommentare