Koordinierungsstelle „Frauen & Wirtschaft“ will Migrantinnen zurück in den Beruf helfen

„Ich kann helfen – das ist ein schönes Gefühl“

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Nasrin Sayar

Rotenburg - Die Koordinierungsstelle „Frauen & Wirtschaft im Landkreis Rotenburg“ will Frauen mit Migrationshintergrund fördern. Das Projekt „Do it – Rotenburger Willkommenskultur“ soll Frauen beim Weg zurück in den alten Job helfen – und Unternehmen dienen, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Am 29. September ist ein „Job-Dating“ im Rotenburger Heimathaus geplant. Wir stellen einige der Frauen, die dabei sein könnten, vor. Heute: Nasrin Sayar. Die Syrerin ist Elektro-Ingenieurin, Diplom-Kauffrau und Übersetzerin.

Wie lange sind Sie schon in Deutschland und was war Ihr erster Eindruck?

Nasrin Sayar: Ich bin bereits seit 17 Jahren in Deutschland und besitze seit einiger Zeit die deutsche Staatsbürgerschaft. Mein erster Eindruck stammt aus einer Zeit vor dem Krieg und der Vertreibung in meiner Heimat. Damals war der Umzug nach Deutschland kein brisantes Thema. Heute reagieren alle sehr sensibel. Für mich hat es etwas Gutes gebracht. Ich kann meine Fähigkeiten als Übersetzerin für die Menschen einsetzen, die jetzt neu aus Syrien zu uns kommen. Ich kann helfen, und das ist ein schönes Gefühl.

Wie empfinden Sie die Nachbarschaft mit Deutschen?

Sayar: Viele Deutsche sind sehr hilfsbereit. Seit kurzem wohnt auch meine Mutter in Deutschland, in Ahausen. Sie trägt ein Kopftuch und ist dadurch schnell als Frau aus einem anderen Kulturkreis erkennbar. Sie wurde von ihren neuen Nachbarn angesprochen, ob sie Hilfe brauche. Daraus hat sich einiges positiv entwickelt, von der Fahrgemeinschaft bis zum privaten Deutschunterricht. Ich wohne in Rotenburg und finde es hier sehr schön. Allein die Kinder- und Familienfreundlichkeit war in meiner alten Heimat stärker ausgeprägt.

Haben Sie bisher eher Gastfreundschaft oder Ablehnung erfahren?

Sayar: Ich freue mich über gute Kontakte, zum Beispiel über die Aktion „Do it“. Hier werde ich von Deutschen gefragt, ob sie etwas für uns tun könnten. Und wenn ich an meine syrischen Freundinnen denke, die noch nicht lange hier sind, dann weiß ich, wie sehr sie dieses Angebot schätzen und brauchen.

Wo fehlt es Ihnen an Hilfe?

Sayar: Mir fehlt nur noch ein fester Job in Rotenburg. Ich bin zufrieden und helfe den anderen.

Wie können Sie Ihre Situation verbessern?

Sayar: Alle Betroffenen können etwas tun. Der erste Schritt ist, die Sprache zu lernen. Dazu gibt es gute Möglichkeiten. Deutsch ist schwer. Aber alle, die ich kenne, geben sich viel Mühe und kommen gut voran.

Welche Pläne haben Sie?

Sayar: Einen guten Job bekommen, möglichst in der Nähe, und meinen drei Kindern einen guten Einstieg ins Schul- und Berufsleben ermöglichen – das sind meine Hauptziele in der näheren Zukunft.

Welche Unterschiede gibt es und wie gehen Sie damit um?

Sayar: Oh, es gibt große Unterschiede in der Kochkultur. Wir kochen viel mit Reis und Auberginen und mit unseren Gewürzen. Das Kochen steht bei uns im Mittelpunkt, und dafür verwenden wir in Syrien viel Zeit. Weil es bei uns im Sommer durchgängig sonnig ist, leben wir viel mehr draußen. Und wenn wir „tanzen“ sagen, meinen wir in der Regel „Bauchtanz“. Musik ist in erster Linie arabische Musik – ganz anders als hier.

Was ist Ihr nächstes persönliches Ziel?

Sayar: Ich werde meinen syrischen Freundinnen helfen, Deutsch zu lernen und zu verstehen. Ich begleite sie bei Behördengängen und erkläre ihnen „deutsches Leben“.

www.frauenundwirtschaft-lkrow.de

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