Rotenburger Kultur-Veranstalter stimmen sich jetzt besser ab

Koordination am Runden Tisch

Benjamin Roolfs ist Leiter der Tourist-Information im Rotenburger Rathaus. Foto: Menker

Rotenburg – Der 14. Juni 2019. Ein Freitag, der vielen Rotenburgern in Erinnerung geblieben sein dürfte. Vor allem jenen, die sich für Kultur interessieren und gerne Veranstaltungen in der Kreisstadt besuchen. Dieser 14. Juni 2019 hatte in diesem Sinne viel zu bieten – zu viel allerdings. Und somit hatten potenzielle Besucher die Qual der Wahl. Jeweils um 19 Uhr betreten Komiker und Parodist Jörg Knör im Hotel Wachtelhof sowie ganz in der Nähe die Formation Holmes & Watson in der Michaelskirche die Bühne. Doch damit nicht genug: Eine Stunde später beginnt in der Aula des Ratsgymnasiums das Maybebop-Konzert zum 70. Geburtstag der Schule, und der Club „Just Jazz“ hat zur selben Zeit Anna Maria Jopek im Lucia-Schäfer-Saal zu Gast. Bereits für 18 Uhr lädt die Kreismusikschule zum Konzert junger Talente ein – und im Landpark Lauenbrück geht von 19.30 Uhr an Poetry im Park über die Bühne.

Benjamin Roolfs muss ein wenig lachen, wenn er an diesen Freitag vom Sommer des vergangenen Jahres zurückdenkt. So gut das Programm damals auch war, es bringt zum Ausdruck, dass es an der ein oder anderen Stelle an der nötigen Koordination fehlt, wenn Veranstaltungen ihren Platz im Terminkalender finden. „Dieses Problem hat mich schon sehr schnell erreicht, nachdem ich hier angefangen habe“, sagt Roolfs, der im April vergangenen Jahres die Nachfolge von Heinz Gehnke in der Rotenburger Tourist-Information im Rathaus angetreten hatte. Fünf Konzerte an einem Abend – „manchmal ist das Angebot einfach zu groß“, findet Roolfs, der zuvor zehn Jahre für die Lüneburger Heide GmbH gearbeitet hat.

Das Problem mit den Terminüberschneidungen ist nicht neu in Rotenburg, auch wenn es nicht oft zu einer Situation wie am 14. Juni des vergangenen Jahres kommt. Jeder macht sein Ding – ohne Rücksicht auf andere Veranstalter. Kommt man sich gegenseitig ins Gehege, wird geschimpft. Geändert hat sich allerdings nur wenig. Bis jetzt. Denn Roolfs hat einen Runden Tisch Musik und Kultur initiiert, und inzwischen nehmen eine ganze Reihe von Vertretern aus dem kulturellen Bereich daran Platz. Just Jazz, die Kulturinitiative Rotenburg (Kir), die Rotenburger Konzerte sowie die Kirchenmusik, der Kulturbahnhof, das Heimathaus und auch die Rotenburger Werke sind dabei. „Es ist ein offenes Format, wir treffen uns zwei oder drei Mal im Jahr“, berichtet Roolfs. Die Gesprächsatmosphäre sei „sehr gut“, und es geht eben nicht nur um Termine, sondern es kämen auch andere Fragen auf den Tisch. „Der Zeitgeist ist ein anderer geworden. Heute ist es wichtig, sich kennenzulernen, sich zu verknüpfen und sich zusammenzutun“, sagt der Mann aus der Touristinformation. Er spricht von „Binnenmarketing“ und unterstreicht, dass es eben auch seine Aufgabe sei, diese zu fördern.

Die ersten Gespräche am Runden Tisch tragen bereits Früchte. Roolfs hat einen internen Kalender angelegt, auf den die Veranstalter Zugriff haben. Sie können ihre Termine darin langfristig vormerken, sodass Kollegen anderer Veranstaltungen bei ihrer Planung erkennen, welche Tage frei sind, um sich eben nicht mehr gegenseitig Konkurrenz zu machen. „Es haben auch Veranstalter einen Einblick, die nicht am Runden Tisch sitzen“, sagt der 42-Jährige. Der Wachtelhof zum Beispiel vermerkt darin seine Lesungen, die inzwischen regelmäßig in dem Hotel an der Gerberstraße stattfinden.

Die Treffen haben also schon etwas bewirkt, und Roolfs verspricht sich noch mehr davon: „Die Leute können sich austauschen – mal geht es um die Suche nach einem günstigen Grafiker für das Plakat, mal um organisatorische Fragen. Für uns ist das eine wunderbare Sache.“

Denn für ihn als neuen Leiter der Tourist-Information sei es sehr wichtig, möglichst schnell alle kennenzulernen, die mit den vielen Veranstaltungen in der Kreisstadt zu tun haben. „Und das Angebot in Rotenburg ist inzwischen wirklich sehr groß – auch für junge Menschen“, unterstreicht Roolfs. Dabei weiß auch er, dass es immer wieder Äußerungen gibt, in Rotenburg finde doch eh nichts statt. Der Touristiker: „Das stimmt einfach nicht.“

Die Tourist-Information sei aus seiner Sicht eine wichtige Schnittstelle – und die Aufgaben in dieser Hinsicht würden weiter steigen. Als Koordinatoren könnten die Mitarbeiter Ideen aufgreifen und weitergeben. „Selbst müssen wir gar nicht so viel auf die Beine stellen – das Angebot ist wirklich sehr umfassend.“ Gerade im musikalisch-kulturellen Bereich gebe es viele Angebote.

Eingebunden ist Roolfs allerdings auch in anderen Fragen. Zum Beispiel wenn es – so wie in diesen Tagen – darum geht zu klären, ob und in welcher Form Rotenburg künftig einen Weihnachtsmarkt wünscht. Diese Frage ist zuletzt aufgekommen, nachdem der Versuch der Verdener Firma Event-24 zwei Mal fehlgeschlagen war, die Rotenburger mit einem dreiwöchigen Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt zu begeistern. Da war allein am 14. Juni 2019 deutlich mehr los in der Kreisstadt.

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