Konfessionslos in der Diakonie

Diako: Unterstützung der christlich-diakonischen Ausrichtung wird erwartet

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Das Diakonieklinikum Rotenburg fordert von allen Mitarbeitern, dass sie die christlich-diakonische Ausrichtung des Hauses unterstützen. Zwingend in der Kirche müssen sie aber nicht sein.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg stellt seit langer Zeit auf den allermeisten Positionen auch Mitarbeiter ein, die keiner christlichen Kirche angehören. Das sagt der theologische Direktor des Diako, Matthias Richter, auf Anfrage der Kreiszeitung.

Hintergrund: Die konfessionsgebundene Stellenausschreibung der evangelischen Diakonie ist diskriminierend, denn kirchliche Arbeitgeber dürfen nicht bei jeder Stelle von Bewerbern eine Religionszugehörigkeit fordern. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden.

„Wir sind ein christliches Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kranke zu heilen, Leiden zu lindern und sich um die seelische und körperliche Lebensqualität der Menschen zu kümmern. Wir fordern daher von allen unseren Mitarbeitenden, dass sie unsere christlich-diakonische Ausrichtung unterstützen“, erklärt Richter. 

Dafür müssten aber nicht alle Mitarbeitenden unbedingt konfessionell gebunden sein. Es sei dem Diako wichtig, dass seine Identität in der täglichen Arbeit sichtbar wird. Dazu gehöre mehr als nur die Kirchenzugehörigkeit. Richter: „Es setzt voraus, dass alle Mitarbeitenden unsere Werte mitgestalten, gleich ob sie religiös sind oder nicht.“

Gespräch mit allen neuen Mitarbeitern

Konkret sieht das so aus: „Mitarbeiter, die keiner christlichen Kirche angehören, unterschreiben vor der Einstellung eine ,Diakonische Loyalitätserklärung’, dass sie unabhängig von ihrem persönlichen Glauben unsere diakonischen Werte teilen und im Arbeitsalltag leben wollen.“ 

Richter selbst spreche mit allen neuen Mitarbeitern. In diesen Gesprächen gehe es darum, was es für sie bedeutet, in einem christlichen Unternehmen zu arbeiten. Ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen der persönlichen Identität und der Identität und der Kultur des Unternehmen stehe dabei im Mittelpunkt. 

Richter: „Nach meinem Eindruck und nach vielen Rückmeldungen kann ich sagen, dass die Gespräche von beiden Seiten als Zeichen der Wertschätzung empfunden werden.“ Für ihn ist es ein Privileg, dass er so viele Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen persönlich kennenlernen darf. Noch nie hätten die Gespräche dazu geführt, „dass ein Mitarbeiter nicht bei uns bleiben konnte.“

Es bleibe im Diakonieklinikum allerdings nicht nur bei diesen Gesprächen. „Außerdem nehmen neue nicht-christliche Mitarbeiter gemeinsam mit allen anderen neuen Mitarbeitern an einem Einführungsworkshop Diakonie teil“, berichtet Richter. Dabei werde ganz konkret im Dialog erarbeitet, wie sich Diakonie im Alltag leben lässt – im OP, auf Station oder auch in der Ambulanz. 

Der Nachmittag ende mit einer Andacht in der Krankenhauskappelle, mit einem Gebet und einem Segen für alle neuen Mitarbeiter und ihre Arbeit. „Gerade habe ich wieder von einem neuen Kollegen, der keiner Kirche angehört, das Feedback bekommen, dass es gerade dieser Moment war, weshalb er hier bei uns gut ankommen konnte.“

Nach Ansicht des theologischen Direktors werde sich durch das EuGH-Urteil und die nun folgende Rechtssprechung des Bundesarbeitsgerichts, die abgewartet werden müsse, nicht sehr viel ändern.

„Grundloyalität zu unseren Werten“

Soll heißen: „Eine Grundloyalität zu unseren Werten werden wir weiter verlangen dürfen.“ Man werde aber deutlicher machen müssen als bisher, bei welchen Positionen das Diako auf eine Konfessionsbindung nicht verzichten kann. Das werde sich danach richten, wie hoch der Anteil dieser Tätigkeit an Identitätsbildung für unser Unternehmen ist. Richter: „Ich sehe darin durchaus auch eine Chance für unser Klinikum.“

Interessant sind diese Fragen auch, weil es gerade im Bereich der Pflege immer schwieriger wird, geeignetes fachpersonal zu finden. Eine Problem, dass auch an den diakonischen Einrichtungen nicht vorbei geht. Das Diako zahlt seinen Mitarbeitern inzwischen Prämien, wenn sie neue Kollegen für den Pflegedienst vermitteln. Eine Vorgehensweise, die interessante Blüten treibt: Mitarbeiter machen sich im Internet auf Kleinanzeigen-Plattformen selbst aktiv auf die Suche nach neuen Kollegen. „Bei erfolgreicher Einstellung gibt es von mir eine Bonuszahlung“, schreibt zum Beispiel ein Mitarbeiter in seinem Angebot.

Matthias Richter sieht diesen Weg recht gelassen: „Tatsächlich zahlen wir eine Prämie an unsere Mitarbeiter, wenn sie neue Kollegen für den Pflegedienst vermitteln. Wir sehen es positiv, wenn unsere Mitarbeiter für unser Haus werben und sich für weitere Mitstreiter engagieren.“ Dieses Vorgehen habe man nicht im Blick gehabt, als das Diako vor einigen Jahren die Prämie eingeführt hat. Der theologische Direktor gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung: „Wenn dadurch aber zusätzliche gute Pflegekräfte an unser Haus kommen, haben wir nichts dagegen, wenn unsere Mitarbeiter kreativ sind.“

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