Komponist Jacob de Haan über die Arbeit als weltweit gefragter Arrangeur

„Irgendwann fließen Ideen“

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Komponist Jacob de Haan während des Workshops in Bremervörde.

Bremervörde - Von Ulla Heyne. Zum 25-jährigen Bestehen hatte sich die Bremervörder Stadtkapelle am Wochenende selbst beschenkt und den renommierten Komponisten Jacob de Haan zum Workshop eingeladen. 140 Teilnehmer folgten. Am Rande der Veranstaltung gab er Einblicke in sein Schaffen als weltweit gefragter Auftragskomponist und Arrangeur.

Herr de Haan, hier haben Sie ein Orchester aus Hobbymusikern dirigiert. Arbeiten Sie lieber mit Laien- oder mit Profiorchestern zusammen?

Jacob de Haan: Ich arbeite überwiegend mit Amateuren, das ist der Schwerpunkt meines Schaffens – und eine schöne Arbeit. Nehmen Sie nur mal heute: Da sind Menschen zusammenkommen, die zum ersten Mal gemeinsam musizieren, viele kannten nicht alle Stücke. Wir haben quasi von Null angefangen und in kurzer Zeit viel erreicht. So macht das Spaß!

Also sehen Sie die Arbeit mit Laien eher als Chance denn als Herausforderung?

de Haan: Absolut als Chance! Ich arbeite ja viel mit Laienorchestern in der ganzen Welt zusammen, arrangiere Stücke für einen Lehrverlag oder schreibe Auftragswerke für Schulorchester wie „Ross Roy“ für eine Schule im australischen Brisbane, das ich dort zum Schuljubiläum eingeübt und uraufgeführt habe. Das ist mir auch am liebsten: Wenn ich auf ein Orchester mittlerer Größe treffe, gern so um die 50, das gut vorbereitet ist und mit dem ich meine Stücke ausfeilen kann, und am Ende gibt es ein Abschlusskonzert. Aber heute mit 140 war es auch toll.

Ist das Komponieren und Arrangieren für ein bestimmtes Niveau nicht mit Einschränkungen verbunden?

de Haan: Das ist die Herausforderung, genau wie beim Arrangieren von Werken für Blasorchester bestimmter Schwierigkeitsstufen: Das Umsetzen von Musikliteratur in eine andere Sprache, mit schönen Einzelstimmen, die interessant zu spielen sind, mit Ausdruck, Emotionen, Klangfarben.

Sie deuteten ja schon an, dass Sie in der ganzen Welt angefragt werden: Gibt es da in den verschiedenen Ländern Unterschiede?

de Haan: Sicherlich gibt es unterschiedliche Traditionen. In Deutschland sind die Musiker oft gut ausgebildet. Man sagt ja immer, in Süddeutschland ist die Blasmusik mehr verwurzelt als hier im Norden. Das kann ich nur teilweise bestätigen. Aber auch in anderen Ländern gibt es Ecken, wo das stark gepflegt wird, beispielsweise in Teilen von Spanien, in der Umgebung von Valencia. Ich arbeite auch viel in Italien. Und in Singapur wird es an den Schulen großgeschrieben. Dort gibt es mehr als 230 Schul-Blasochester.

Viele Ihrer Stücke wie „Arkansas“, „Virginia“ oder „Oregon“ setzen sich mit Amerika auseinander. Ist das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ für Sie eine Inspiration?

de Haan: Das stimmt in mehrfacher Hinsicht. In „Virginia“ greife ich unter anderem auf Geschichtliches zurück wie die Abenteuer der ersten Siedler, die Suche nach dem Glück, aber auch die Ankunft der ersten Sklaven und ihre Arbeit auf den Baumwollplantagen oder den Bürgerkrieg. Das bietet eine Menge Stoff, auch musikalisch kann man viele Referenzen ziehen: Zu den Worksongs, Gospels oder auch zum Blues, der dort ja seine Wurzeln hat.

Sie sind nicht nur unter Ihrem eigenen Namen, sondern auch unter Pseudonymen wie Dizzy Stratford oder Ron Sebregts äußerst produktiv. Woher schöpfen Sie Ihre Inspiration?

de Haan: Ich setze mich an den Schreibtisch und fange von Null an. Das ist wie eine ganz normale Arbeit. Irgendwann fließen dann die Ideen. Meine produktivste Zeit ist zwischen 10 und 11 Uhr morgens.

Sie haben verraten, dass Sie am liebsten in Moll komponieren – dabei wirken Sie eher wie ein fröhlicher Mensch, der gern lacht...

de Haan: Es ist ein Irrglaube, dass Moll immer traurig sein muss. Nehmen Sie nur die Badenerie von Bach. Aber es stimmt schon: Ich schreibe in Moll und lebe in Dur.

Als Ihre Vorbilder nennen Sie Wagner und Mahler, aber auch Mozart und Bach. Hätten Sie lieber in dieser Zeit komponiert, als es noch kein Internet gab, als man sich mit Urheberrecht und Downloads noch nicht auseinandersetzen musste?

de Haan: Nein, das Internet heute hilft schon sehr. Mein „Concierto d‘Amore“ ist auf Youtube millionenfach angeklickt worden – das hilft schon bei der Verbreitung.

Zur Person: Der 1959 in den Niederlanden als Sohn eines Instrumentenbauers geborene Komponist Jacob de Haan bekam schon als Kind Unterricht in Klavier und Flügelhorn. Bereits mit 14 Jahren komponierte er seine ersten Quartette für Blechbläser, mit 16 trat er seine erste Anstellung als Organist an, sein späteres Hauptfach am Konservatorium. Der in Rotterdem lebende Arrangeur gewann diverse Kompositionswettbewerbe. Heute schreibt er vor allem Auftragsarbeiten, lehrt und dirigiert auf der ganzen Welt. Zu seinen bekanntesten Werken für Bläserliteratur gehören „Oregon“, „Concierto D´Amore“ und „Virginia“ sowie die für die Eröffnungszeremonie der Nordische Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf entstandene „Nordic Fanfare and Hymn“.

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