Kommunen wollen mehr Gewissheit nach den erhöhten Krebszahlen in Bothel

Suche nach Antworten bei unklarer Fragestellung

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Vor einer Woche hat Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel die Erdgas-Region besucht, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Doch auch nach der Visite aus Hannover bleibt noch vieles unklar.

Rotenburg - Von Michael Krüger. 41 Männer aus der Samtgemeinde Bothel sind zwischen 2003 und 2013 an Leukämie oder Lymphomen erkrankt. Eine statistische Auffälligkeit in den Zahlen des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN), die einen Zufall weitgehend ausschließt.

Am 11. September schreckten die Zahlen den Landkreis auf. Bislang ist aber noch unklar, welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen. Zumindest die Kreispolitik ist sich allerdings einig: Es soll mehr Untersuchungen geben.

Gibt es einen Zusammenhang mit der Erdgasförderung in der Region? Haben Lagerstättenwasser oder Fackelarbeiten die Umwelt verseucht? Waren die betroffenen Männer einer besonderen Gefahrenquelle ausgesetzt? Es gibt noch keine Antworten, nur Vermutungen, Diskussionen, und auch die Fragestellung ist noch unklar. Oder genauer gesagt: Es ist noch nicht geklärt, wem die Fragen gestellt werden können. Denn wie man an die Daten der Männer kommt, die in den Statistiken weitgehend anonym bleiben, bereitet den Behörden und der Politik derzeit Kopfzerbrechen.

Besuch aus Hannover betonte in der vergangenen Woche, dass das Thema auf der Agenda stehe. Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte: „Die Ursachen liegen nicht auf der Hand, sie müssen genau erforscht werden.“ Und ihr Kabinettskollege, Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne), beteuerte beim Ortstermin an der RWE-Verpressanlage für Lagerstättenwasser in Grapenmühlen bei Wittorf, dass auch sein Haus sensibilisiert sei, es aber mehr Zuständigkeiten zu berücksichtigen gebe. Wenzels Parteikollegin Elke Twesten schlug in die gleiche Kerbe, als sie am Donnerstag in der Kreistagssitzung betonte, dass allein in Niedersachsen vier Ministerien zusammengebracht werden müssten, um Fortschritte zu erzielen: das Gesundheitsministerium für die Datenanalyse der Krebszahlen, das Wirtschaftsministerium als Aufsicht des Landesbergamts, das Umweltministerium sowie Finanzministerium oder Staatskanzlei, um die entsprechenden Mittel freizugeben.

Im Landkreis ist man in Sachen Einigkeit einen Schritt weiter: Parteiübergreifend wurde im Kreistag – wie zuvor von fast allen umliegenden Kommunen angeregt – beschlossen, die kleinräumigen statistischen Auswertungen auszudehnen. Twesten gab jedoch zu bedenken, dass diesbezüglich ein Zeitraum von bis zu zwei Jahren im Gespräch ist, um valide Zahlen zu ermitteln. Angelika Dorsch (SPD) als neue Vorsitzende der Arbeitsgruppe Erdöl und Erdgas mahnte zur Vorsicht vor zu schnellen Urteilen: „Es reicht nicht zu wissen, dass was ist. Man muss auch wissen, was das ist.“ Laufe man jedoch Gefahr, schon jetzt vermeintliche Ursachen erkannt zu haben, verstelle das womöglich den Blick auf die tatsächlichen Gründe – auch wenn „der gesunde Menschenverstand sagt, dass es einen Zusammenhang gibt“. Also doch die Erdgasförderung? In dieser Woche tagt die Arbeitsgruppe zu den EKN-Zahlen und will die weiteren Schritte festlegen.

Am 22. Juni 2011 wurde im Landkreis an der Bohrung „Höhnsmoor Z1“ zum letzten Mal von RWE Dea die umstrittene Frac-Technologie eingesetzt – der insgesamt 69. Frac seit 1982. Der 70. ist beantragt. „ExxonMobil“ will die Förderung an „Bötersen Z11“ in Gang bringen. Neue Gesetzesinitiativen könnten das aktuelle Moratorium außer Kraft setzen. Für den Kreistag eine nicht hinnehmbare Situation. CDU-Fraktions-chef Heinz-Günter Bargfrede: „Solange in SachenBothel nichts geklärt ist, darf nicht gefrackt werden.“

Der Antrag im Wortlaut: „Der Kreistag Rotenburg (Wümme) spricht sich dafür aus, die kleinräumigen statistischen Auswertungen zu möglichen Häufungen von Krebsfällen um die Samtgemeinde Bothel herum auszuweiten. Die Gebietsfestlegung soll in Abstimmung mit dem dazu eingerichteten Arbeitskreis unter Beteiligung der Initiativen vor Ort und dem Fachpersonal des EKN erfolgen. Der Kreistag spricht sich weiterhin dafür aus, die Untersuchungen in der Samtgemeinde Bothel dahingehend zu vertiefen und zu konkretisieren, dass Aussagen zu den Ursachen der festgestellten Häufungen von Krebsfällen möglich werden.“

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