Im Altkreis Rotenburg sind noch Sirenen für die Feuerwehr in Betrieb

Kommunen setzen auf Alarmierung per Digitalfunk

Wenn es brennt, werden die Feuerwehren meistens über Funkmeldeempfänger alamiert. DIe Sirenen heulen inzwischen nur noch selten.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Sirenen gehörten einst dazu. Jedes Dorf hatte mindestens eine, in den Städten gab es Dutzende. Diese Zeiten sind jedoch längst vorbei. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Sirenen in den vergangenen 20 bis 25 Jahren abgebaut worden. Doch die Anlagen, die noch da sind, werden gebraucht.

Jürgen Lemmermann geht die Einsatzabschnitte durch. Am Ende hat der oberste Brandschützer des Landkreises Rotenburg alle Sirenenstandorte zusammen. Im Nordabschnitt beziehungsweise Nordkreis heult es in den Gemeinden und Samtgemeinden Bremervörde, Selsingen, Geestequelle, Gnarrenburg, Zeven und Tarmstedt. Für den Altkreis Rotenburg, feuerwehrtechnisch der Südabschnitt, gilt dies für die Stadt Visselhövede, die Gemeinde Scheeßel sowie die Samtgemeinden Fintel, Bothel und Sottrum. In Rotenburg als Kreisstadt gibt es nur noch in den äußeren Ortsteilen Sirenen – in Borchel, Waffensen und Unterstedt.

Während die Anlagen früher in erster Linie dem Zivil- und Katastrophenschutz dienten, werden Sirenen heute im Landkreis nur noch zur Alarmierung der Feuerwehren eingesetzt. Dies kommt nach Auskunft von Kreisbrandmeister Lemmermann bei „dicken Dingern“ vor. Soll heißen: Bei Einsatzlagen, die viel Personal erfordern. Denn: Nicht jeder Helfer hat einen Funkmeldeempfänger, FME. Über ihn erfolgt die Alarmierung in der Regel.

Dies geschieht vor allem bei den großen Einheiten, den Schwerpunktwehren in Rotenburg, Bremervörde und der Samtgemeinde Zeven. Nur bei den Orts- und Stützpunktfeuerwehren drückt der zuständige Disponent in der Leitstelle Zeven auf den Knopf für die Sirene. „Für die Alarmierung der Einsatzkräfte der Feuerwehren wird bundesweit in der Regel das Feuerwehrsignal ,zweimal unterbrochener Dauerton von einer Minute’ verwendet. Dieses Sirenensignal richtet sich nicht an die Bevölkerung“, heißt es dazu auf der Internetseite www.bevoelkerungsschutz-portal.de des Bundesinnenministeriums.

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Sirenen im Altkreis immer weiter abgebaut worden. So gibt es nach Angaben der Stadt nur noch drei Stück, unter anderem in Waffensen. - Fotos: Goldstein

Bis Anfang der 1990er-Jahre war es anders. Schon im Zweiten Weltkrieg hatten die Sirenen zum Zivil- und Katastrophenschutz gehört. Sie warnten die Bevölkerung vor den Bombenangriffen der Briten und Amerikaner. Diese Strategie wurde ab 1957/1958 mit dem Aufbau der Bundeswehr und dazu parallel den Einheiten des Zivil- und Katastrophenschutzes des Bundes übernommen. Ausgelöst wurden die Sirenen nicht von den Rettungsleitstellen, sondern von den zehn Warnämtern. Für die des Landkreises Rotenburg drückten die Mitarbeiter in Bassum auf den Knopf. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Für die Sirenen ist nicht mehr der Bund, sondern jede Kommune zuständig. Sie haben die Anzahl ihrer Anlagen seit Mitte der 1990er–Jahre Stück für Stück verringert oder tun es immer noch. „Wir sind dabei, zu reduzieren“, sagt Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel. Ordnungsamtsleiter Mathias Haase ergänzt, dass die Zahl der Sirenen ab dem 1. Januar 2017 von 22 auf 17 verringert werde. Die bestehenden Anlagen würden bis dahin auf digitale Technik umgerüstet sein.

In der Samtgemeinde Sottrum gibt es noch 19 und in Fintel elf Sirenen. Aus Bothel und Scheeßel waren keine Informationen zu bekommen.

Die wenigsten Sirenen betreibt die Stadt Rotenburg. Es sind drei in Borchel, Waffensen und Unterstedt. Sie gehören laut der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann der Stadt, befinden sich teilweise jedoch auf Privatgebäuden. Rotenburg plane vor dem Hintergrund des Einsatzes digitaler Technik für die Feuerwehr nicht, neue Anlagen zu bauen. In den vergangenen fünf Jahren seien keine Anlagen demontiert worden, so Nadermann.

Eine Minute Heulton

Sirenen werden heute noch in Gebieten mit hohem Gefahrenpotenzial genutzt. Dazu gehören Hochwassergebiete sowie der Betrieb von Kernkraftwerken und Chemiewerke. Bei Gefahr wird die Bevölkerung auf diese Weise alarmiert. Dies sei Sache der Länder, heißt es unter www.bevoelkerungsschutz-portal.de. Bundeseinheitliche Signale gibt es seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Was indes ausgelöst wird, ist der einminütige Heulton. Er hat von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Bedeutungen, zum Beispiel „Rundfunkgerät einschalten und auf Durchsagen achten“. Es kann aber auch „Sofort Türen und Fenster schließen, Aufenthalt im Freien vermeiden, Radio einschalten und auf Durchsagen achten!“ heißen. 


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