Wie verbringen Rotenburger, die arbeiten müssen, die Feiertage?

Kollegen, die Familie sind

Schnee liegt schon im litauischen Rukla, in dem Angehörige des Jägerbataillons 91 die Feiertage im Einsatz verbringen.
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Schnee liegt schon im litauischen Rukla, in dem Angehörige des Jägerbataillons 91 die Feiertage im Einsatz verbringen.

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und die Feiertage sind da. Ruhig und besinnlich sollen sie sein, viel Zeit mit der Familie bieten – insoweit es die Corona-Lage beim zweiten Weihnachtsfest unter anderen Bedingungen zulässt. Doch nicht alle können die Festtage bei ihrer Familie verbringen. Nicht nur pandemiebedingt, sondern viele müssen arbeiten, halten die Infrastruktur aufrecht.

Rotenburg - Zusammen etwas Besonderes essen, in die Kirche gehen, unter dem Baum sitzen, Geschenke auspacken: Darauf verzichten sie, um anderen zu helfen oder zu warten, ob andere Hilfe brauchen. Sie sorgen dafür, dass der Laden läuft. Ein paar von ihnen haben wir gefragt, wie sie die Zeit erleben.

Ein bisschen Weihnachtsstimmung gibt es auf der Station von Krankenpfleger Ferdaus Nabi.

Einer von ihnen ist Ferdaus Nabi. Der Gesundheits- und Krankenpfleger wird die Feiertage auf Station 11, der Gefäß- und Unfallchirurgie, im Diakonieklinikum verbringen. „Ich bin ganz normal im Dienst“, erzählt er – auch im vergangenen Jahr hat er an Heiligabend gearbeitet. Doch so ganz normal ist das Arbeiten dann doch nicht. Wohl ist es für niemanden schön, an Weihnachten im Krankenhaus sein zu müssen, doch alle versuchen, das Beste daraus zu machen. Zum einen ist die Station inklusive der Patientenzimmer geschmückt, zum anderen bereitet die Stationsleitung etwas Besonderes vor. Es gibt weihnachtliche Naschereien, selbstgebackene Kekse. „Oder einen Kuchen“, so Nabi. Dass alle in einer „besonderen Stimmung“ sind, mache ihm das Arbeiten an diesem Tag einfacher. „Wir verbringen so viel Zeit miteinander und meine Kollegen sind wie eine zweite Familie.“

Peter Stöver von der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Rotenburg stehen indes auf Abruf bereit. Die Hilfe der Einsatzkräfte kann jederzeit benötigt werden, dann muss es schnell gehen – wie an allen anderen Tagen des Jahres. Dann müssen die Kräfte der Rufbereitschaft auch mal ihre Familien verlassen, um zu helfen, weiß Peter Stöver. Er verbringt den Heiligabend mit drei Generationen seiner Familie, für ihn die wichtigste Zeit an Weihnachten. „Eine gesellige Runde, in der das Leuchten der Kinderaugen bezaubernd ist und unvergessliche Momente bringt.“ Doch eben diese Runde muss er verlassen, wenn der Empfänger piept. „Die Familie nimmt es gelassen, die Notfallhilfe ist bei uns allgegenwärtig, ob als Ehrenamt oder Beruf. Meine Frau arbeitet in der Notaufnahme, während ich seit meiner Jugend ehrenamtlich in der Feuerwehr engagiert bin“, erklärt Stöver. Seine Kinder kennen es nicht anders, doch eben das Verständnis der Familie macht es den Helfern einfacher. Und seine Kinder, so Stöver, warten neugierig auf Geschichten vom Einsatz. „Es gibt auch Zeiten, wo es einem nicht möglich ist, zum Einsatz zu fahren. Zum Glück gibt es viele zuverlässige Kameraden, die dann ehrenamtliche Hilfe leisten.“ Es sei ihre „Überzeugung und das Helferherz“, die einen Einsatz erleichtern.

Gänzlich ohne Familie und Freunde müssen die Mitglieder des Jägerbataillons 91 der Rotenburger Von-Düring-Kaserne auskommen: Sie sind über die Feiertage in Litauen stationiert. In der Kaserne in Rukla soll aber der Abend auch als etwas Besonderes gewürdigt werden, wenn nichts Dienstliches dagegen spricht, schreiben die Soldaten aus dem Einsatz. „Am 24. Dezember wird ein kleiner, multinationaler Weihnachtsmarkt aufgebaut und es soll einen Gottesdienst und ein gemeinsames Weihnachtsessen mit Kartoffelsalat und Würstchen geben“, so die Soldaten. Auch an den Weihnachtstagen gibt es ein besonderes Essen. „An diesen Tagen wird noch einmal Kraft getankt, um in die letzten Züge der Rotation und in die Planung der Rückverlegung und Übergabe einzusteigen.“ Der Großteil soll am 14. Februar zurückkehren. Kontakt nach Hause halten die Soldaten vor allem via Videotelefonaten. „Besonders zu dieser Zeit nicht zu Hause sein können, fällt vielen nicht leicht, aber auch diese Herausforderung werden die Rotenburger Jäger meistern und weiterhin ihrem Auftrag in Litauen nachkommen“, heißt es – trotzdem können sie es kaum erwarten, nach Hause zu kommen.

Alena Röhrs, Polizeikommissarin

Auch die Rotenburger Polizei ist selbstverständlich im Einsatz. Unterschiede im Dienstplan zwischen Wochentagen, Wochenenden oder Feiertagen gibt es schon gar nicht mehr. Also schiebt Polizeikommissarin Alena Röhrs Nachtdienst. „Aber ich wusste vorher, auf was ich mich bei diesem Beruf einlasse“, erklärt sie. Dafür seien die Kollegen so etwas wie eine „eigene kleine Familie“ und mit der stellt sie ein weihnachtliches Büfett auf die Beine. Für sie selbst muss auf jeden Fall Schokolade dabei sein, um gut über die Schicht zu kommen. Nachts, das weiß sie aus Erfahrung, bekommen es die Beamten vor allem mit Familienstreitigkeiten, oft alkoholbedingt, oder auch Einbrüchen zu tun.

Christian Relius, Pastor der Michaelsgemeinde

Frei an Heiligabend? Das kennt Pastor Christian Relius aus der Michaelsgemeinde nicht – ist es doch ein wichtiger Tag im christlichen Kalender. Dabei kann er sich am Vormittag entspannen: „In der Regel sind alle Planungen abgeschlossen, alle Besprechungen getan und Predigten geschrieben. Vormittag ist meistens Familienzeit“, erzählt er. Anschließend beginnen die Vorbereitungen für die Gottesdienste, die sich bis in den Abend ziehen. „Erleichtert wird das Arbeiten vor allem durch die gut planbare Vorbereitung, die vielen, hoch engagierten Ehrenamtlichen, die mit Rat, Tat und guten Ideen mit am Werke sind, und die kollegiale Zusammenarbeit in der Kirchenregion“, sagt Relius. Wenn er nach Hause kommt, sind seine Kinder längst im Bett. „Die beiden sind noch so klein, dass sie nicht wissen, dass es ,auch anders‘ sein kann. Wenn sie größer sind, werden sie und wir als Familie wahrscheinlich andere Vorstellungen und Wünsche an diesen Tag haben. Weihnachten als ,großes Familienfest‘ findet bei uns deshalb an den Weihnachtsfeiertagen statt.“

Weihnachten ohne zu arbeiten kann sich auch Doris Ullrich kaum vorstellen. Sie arbeitet jetzt das zweite Weihnachten bei der Tankstelle an der Mühlenstraße und war auch vorher immer im Dienst an Feiertagen – seit 22 Jahren. „Aber das stört mich nicht“, sagt sie. Auch ihr Mann muss arbeiten. Der Vorteil: Sie hat die Frühschicht. Ullrich muss zwar an den Weihnachtsfeiertagen zwischen 3.45 und 4.45 Uhr anfangen, ist dafür aber am Nachmittag Zuhause. „Es gibt aber auch die, die dann gerne arbeiten“, gibt sie zu bedenken. „Es gibt genug Leute, die alleine sind. Dann gehen die Tage rum. Wenn ich Familie habe, ist das was anderes.“ Was sie bedauert, ist die Hetze, die sie an den Tagen von Kunden mitbekommt. Wenn die Supermärkte schließen, gibt es an den Tankstellen die Möglichkeit, Lebensmittel oder kleine Geschenke zu holen. Davon machen viele Gebrauch. Auch die Probleme mit Betrunkenen am ersten Feiertag morgens kennt sie, vor allem aus ihrem früheren Job. „Da freut man sich, wenn man Feierabend hat.“ Und dabei vor allem auf ein gemeinsames Essen mit ihrem Mann.

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