Direktkandidaten bei der Bundestagswahl: Günter Scheunemann von den Freien Wählern plaudert aus dem Nähkästchen

Von Kohlrouladen bis hin zur Politik

Günter Scheunemann mit seinem Kater „Lete“ in der Lieblingsecke des Wohnzimmers im Rotenburger Eigenheim. - Foto: Goldstein

Rotenburg - Der Rotenburger Bundestagskandidat der Freien Wähler, Günter Scheunemann (63), lebt mit seiner Ehefrau Sibylle in einem Einfamilienhaus in Rotenburg. Im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer sitzt er gerne nach getaner Arbeit und schöpft Kraft – und das nicht nur für seine politische Arbeit. In der geliebten Ess-Ecke, gleich neben dem Kamin, plaudert Scheunemann mit der Rotenburger Kreiszeitung über sein Leben. Der Familienvater ist seit 1974 verheiratet, hat eine 34-jährige Tochter, und seine Konfession ist evangelisch-lutherisch, erzählt er.

Die Hauskater „Lete“ und „Jespa“ gesellen sich plötzlich dazu und machen mit ihrem dicken Fell, ihrer Größe und den neun Kilo Gewicht ordentlich Eindruck auf den Besucher. „Die Maine-Coon-Kater gehören zur Familie und sind unsere beiden Sonnenscheine“, sagt Scheunemann und streichelt dabei „Lete“ übers Fell. Seine Liebe zu Tieren habe ihm auch dazu bewegt, sich für das Rotenburger Tierheim in Mulmshorn zu engagieren, beginnt er das lockere Gespräch.

Aber zunächst dreht Scheunemann für einen Moment die Zeit zurück und erzählt aus seiner Kindheit. „Meine Mutter ist nach dem Krieg aus Pommern geflüchtet und im damaligen Flüchtlingslager Hohenesch an der Bundesstraße 75 in Rotenburg untergekommen. 1954 bin ich in Rotenburg geboren.“

Den persönlichen Kontakt zu seinem Vater habe er nie gehabt. Das „Warum“ würde zu weit ins Private gehen. „Meine Mutter hat mich und meine sieben Geschwister allein großgezogen“, so Scheunemann. In Hohenesch, genau da, wo heute das Ytong-Werk steht, sei er auch zur Lager-Grundschule gegangen, später habe er die Theodor-Heuss-Schule an der Gerberstraße besucht. Im Jahr 2000 hat er in der Abendschule bei der Volkshochschule in der Kreisstadt seinen Realschulabschluss nachgeholt.

Nach der Hauptschule folgte zunächst eine Zeit der Berufsfindung. Der junge Scheunemann hat bei der damaligen Gärtnerei Keller und bei Ytong gejobbt. Dann hat die Bundeswehr sich gemeldet und ihn für 15 Monate zum Wehrdienst nach Ahlen in Westfalen eingezogen. Nach der dortigen Grundausbildung hat er später bei den „Jägern“ und der Artillerie in Munster gedient.

Während dieser Zeit habe er als Hauptgefreiter seinen Lkw-Führerschein (Klasse 2) gemacht. Danach ist der heutige Bundestagskandidat beim Dienstherrn Bundeswehr geblieben. Allerdings hat er eine Ausbildung als Zivilist begonnen und ist dort Berufsfeuerwehrmann geworden. Aktuell ist Scheune als Zivilkraftfahrer mit vielfältigen Aufgaben im Bereich des Bundeswehrfuhrparks beschäftigt.

Neben dieser und seiner politischen Arbeit bleibe ihm dennoch Zeit für seine Hobbys, sagt er und lenkt den Blick auf eine große Glasvitrine hinter seinem Rücken. Sie ist gefüllt mit großen und kleinen mehr oder weniger seltenen Mineralien und Steinen. „Ich bin seit 45 Jahren leidenschaftlicher Mineraliensammler. Jedes Teil habe ich selbst gesammelt“, sagt der Politiker und fügt hinzu: „Jedes Stück hat seine eigene Geschichte und oft hängen auch Erinnerungen an interessante Menschen daran.“

Oft sei er im Italienurlaub in den Bergen mit Hammer und Meißel unterwegs. Passend zu seiner sportlichen Passion hält er sich im Urlaub beim Mineraliensammeln auch durch Bergsteigen fit.

Das Sammeln sei aber nicht seine einzige Leidenschaft. Er sei handwerklich äußerst geschickt. Daraus resultiere sein Faible fürs Tischlern und Drechseln. Das Geländer seines Balkons hat er selbst hergestellt und auch bei der Renovierung des Hauses habe er fast alle Arbeiten selbst gemacht, so der 63-jährige Rotenburger.

Weil arbeiten ja bekanntlich hungrig macht, kommt er gleich auf seine Lieblingsessen zu sprechen: „Kohl- oder Rinderroulade mit Rotkohl und Kartoffeln – das hat meine Mutter perfekt gekocht. Sibylle und meine Tochter haben diese Gerichte aber ebenso gut drauf“. Einschränkend müsse er aber gestehen: „Ich selbst kann nicht kochen. Meine Fähigkeiten in der Küche beschränken sich auf Bratkartoffeln mit Spiegelei braten.“ Und weil er gerade vom Essen spricht, verrät er, dass zu seinen wenigen Schwächen sicherlich das „Schnökern“ von Schokolade gehöre.

Mutter gab Impuls für sein Politikinteresse

Als eine seiner Stärken sieht der Dauerkandidat und Kreisvorsitzende der Freien Wähler sein politisches Engagement. Der Impuls für sein Interesse an Politik habe er durch seine Mutter erhalten, „Sie war eine große Verehrerin des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU), der ihrer Meinung nach sehr viel für den Aufbau Deutschlands geleistet hat. Ihr imponierte, dass der damalige Kanzler klar die politische Richtung vorgegeben hat. Ohne Wenn und Aber“, erinnert er sich.

Während seiner Arbeit als Feuerwehrmann sei das politische Interesse immer mehr gestiegen. Da habe er sich Gedanken gemacht, welche Partei seinen Idealen wohl am nächsten kommen würde. Es gab damals zwei Fronten: Rot und Schwarz. Ereignisse, die sich 2007 am Kleekamp beim Straßenbau abspielten, hätten ihn damals dazu gebracht, bei der WFB (Wählergemeinschaft Freier Bürger) einzutreten. Er machte schnell Karriere und hat in der Parteiführung mitgearbeitet. „Dabei habe ich immer Rückgrat gezeigt. Ich habe keinen Kleiderbügel im Rücken“, beschreibt er seinen Durchsetzungswillen.

„Im Juli 2007 haben wir den Landesverband ,Freie Wähler Niedersachsen’ gegründet“, erinnert sich Scheunemann. 2008 hat er erstmalig als Vorsitzender an den Kommunalwahlen und im gleichen Jahr noch an den Landtagswahlen teilgenommen. Insgesamt habe er an drei Landtagswahlen teilgenommen. Bei der Bundestagswahl kandidiert er im hiesigen Wahlkreis bereits das zweite Mal. Beim Landesparteitag in Visselhövede sei er als Kandidat auf den sechsten Listenplatz des Landes bei der Bundestagswahl aufgestellt worden.

Von Heinz Goldstein

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