„Schalker Freunde Rotenburg Wümme“

Königsblaues Paradies

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Andreas Kieselbach ist erster Vorsitzender des Fanclubs „Schalker Freunde Rotenburg Wümme“.

Von außen ist kaum etwas zu sehen. Passanten werden in der Nähe des Rotenburger Rathauses wohl kaum aufmerksam auf das, was da unter der Erde zu sehen ist: ein königsblaues Paradies. Lediglich ein kleiner Aufkleber mit dem Aufdruck „Schalker Freunde Rotenburg Wümme“ an der Tür lässt erahnen, dass sich hier das Heim eines Fanclubs des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 befindet.

Rotenburg – Dabei kann die Gemeinschaft auch gerne auf Aufmerksamkeit verzichten. „Das hat schon seinen Sinn, weil wir so nicht von unfreundlichen Gästen besucht werden. Wir wollen ja keinen Stress und kommen zum Fachsimpeln und aus Interesse an dem Verein zusammen“, sagt Andreas Kieselbach. Er ist der erste Vorsitzende des Zusammenschlusses – und zwar seit dem ersten Tag. Am 4. Juli 2010 ging die Gründungsveranstaltung über die Bühne, vor acht Jahren bezogen die Schalker Freunde dann ihr Reich in der Rotenburger Innenstadt. „Einem Mitglied von uns gehört die Immobilie, und damals, als sie frei wurde, brauchten wir nicht lange zu überlegen“, so Kieselbach.

Mittlerweile könnten die fünf Räume mit einer Größe von insgesamt rund 100 Quadratmetern auch als Museum taugen. Neben den zwei Räumen zum Fußballgucken gibt es auch ein Bad, eine Küche und eine Getränkekammer. „Wir haben hier auch schon 60 Leute zu Gast gehabt“, betont der Rotenburger. Normalerweise sind sie zwischen zehn und 20 Fans, die sich treffen. „Viele von uns fahren ja auch gerne noch ins Stadion nach Gelsenkirchen“, so Kieselbach. Dabei entsteht im Knappenkeller ohne Probleme ein Arenagefühl. Alles erstrahlt in Blau und Weiß – auch das Licht. Neben Schals, Trikots, Uhren, Bildern und Bannern verzieren auch Zeitungsartikel die Räumlichkeiten. Kieselbachs absolute Lieblingsstücke sind aber die Sitze für seine Mitglieder. Originale Plätze aus der Vip-Loge der „Veltins-Arena“, die vor einigen Jahren ausrangiert wurden. „Die wurden auf der Vereinshomepage angeboten, und ich war zufällig gerade da unterwegs. Da mussten wir zuschlagen“, erklärt der Vertriebsmitarbeiter der Kreiszeitung. „Hier sitzt man besser als im Kino.“

Das Wappen des Clubs ist allgegenwärtig.

Dabei ist es kein geschlossener Kreis, der die Königsblauen anfeuert. 72 Mitglieder umfasst der Fanclub. Die meisten von ihnen sind Männer. „Es ist wohl ein Verhältnis von 75:25“, erklärt der langjährige Amateurtrainer. Die Fußballfanatiker kommen aus Rotenburg, Jeersdorf, Visselhövede, Scheeßel und Neuenkirchen. Sie engagieren sich in der Kreisstadt immer wieder sozial. Spenden an das Krankenhaus oder die Lebenshilfe gaben die Blau-Weißen in den vergangenen Jahren ab. Interessierte können sich immer bei dem ersten Vorsitzenden melden. Voraussetzung ist, dass durch ihren Körper auch königsblaues Blut fließt. Der Jahresbeitrag beträgt 60 Euro, für Familien sind es 100 Euro. Die Gemeinschaft ist ein eingetragener Verein und hat deshalb auch einen Vorstand. Werner ter Schmitten ist zweiter Vorsitzender, Pascal von Eulenburg ist der Kassenwart, und Peter Neumann ist als Schriftführer mit dabei.

Die richtigen Gläser sind natürlich Pflicht.

Am letzten Mittwoch des Monats trifft sich das Quintett zur Sitzung. Dabei geht es häufig um Arbeitseinsätze oder Unternehmungen. Bei den vergangenen Zusammenkommen ging es zuletzt aber bereits um ein anstehendes Großereignis: das zehnjährige Bestehen. „Da wollen wir ein paar befreundete Fanclubs einladen und richtig feiern“, erzählt Kieselbach.

Nach dem großen Fest soll es aber noch lange nicht vorbei sein mit der Gemeinschaft. „Hier werden wir irgendwann im Rollstuhl reinfahren. Dann müssen wir nur eine Rampe bauen“, scherzt der 55-Jährige. Eines ist für die Anhänger des Bundesligisten nämlich völlig klar. „Du bist Schalker – oder eben nicht. Aber wenn du es bist, dann auch ein Leben lang“, verdeutlicht Kieselbach. Wer in dem Knappenkeller zu Gast war, hat an dieser Einstellung gar keinen Zweifel. Auch als Anhänger eines anderen Teams aus dem Fußballoberhaus bleibt ein Besuch im Knappenkeller in lebhafter Erinnerung. Fast so wie bei einem Bummel durch ein Museum eben.

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