Essen für die Visselhöveder Flüchtlingsunterkunft

Täglich 1350 zusätzliche Portionen

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42 Mitarbeiter kümmern sich in der Küche der Rotenburger Werke um das Essen für die Flüchtlinge.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Es ist kurz nach 11 Uhr in der Großküche der Rotenburger Werke, die Köchinnen und Köche machen sich langsam ans Einpacken. Die Zeit drängt, denn bald werden die Portionen in den Lkw verladen und in die Flüchtlingsunterkunft in der Visselhöveder Kaserne Lehnsheide gebracht.

Dort hat die Küche der Rotenburger Werke im Auftrag des Landkreises Rotenburg das Catering übernommen. Frühstück, Mittagessen, Abendbrot. Alles servierfertig, die Ehrenamtlichen des Kreises an der Essensausgabe brauchen nur noch die Verpackung aufreißen. Zwei Mal am Tag – morgens und mittags – steuert der Lkw die Kaserne an.

Der Auftrag kam sozusagen über Nacht, erinnert sich Jörg Magnus, der Leiter der Küche. „In 24 Stunden haben wir alles auf die Beine gestellt.“ Vieles musste getan werden seit dem ersten Anruf der Abteilungsleitung, der am Abend des ersten Amtshilfeersuchens des Landes Niedersachsen an den Landkreis am Mittwoch, 14. Oktober, einging: Die Lieferanten mussten informiert, die Küche instand gesetzt und Geräte aufgebaut werden. Doch am darauf folgenden Freitagabend konnten Magnus und sein Team bereits die ersten Helfer versorgen, die auf die ersten der damals 300 angekündigten Flüchtlinge warteten.

Bis zu 450 Mittagessen gilt es nun zusätzlich pro Tag zuzubereiten. Für die 400 Flüchtlinge, die die Kaserne aufnehmen kann, und 50 Helfer. 1200 Mittagessen sind es normalerweise, mit denen die Küche die Einrichtungen der Rotenburger Werke und einige Kindergärten im Stadtgebiet versorgt. Rechnet man Frühstück und Abendbrot hinzu, sind es also 1350 zusätzliche Portionen. Die Zahlen schwanken aber stark, denn viele reisen wieder ab, oder es kommen viele auf einmal hinzu.

Um zwei Personen musste Magnus sein ansonsten 40-köpfiges Team aufstocken – in Zeitarbeit. „Die Zeit ist ja begrenzt“, sagt er. Doch wenn seine Küche längerfristig das Catering für die Kaserne Lehnsheide übernimmt, muss er mehr einstellen. Ob es soweit kommt, ist fraglich. Der Landkreis wird die Verwaltung der Flüchtlingsunterkunft in den nächsten Wochen abgeben. Sein Nachfolger müsste die Rotenburger Werke neu beauftragen. Nur: „Die suchen Caterer, die alles machen“, sagt er. Von der Zubereitung bis zum Abwasch. „Das wäre zu viel Arbeit für uns. Und das ist auch nicht unser Kerngeschäft.“ Ohnehin können manche Zweige nicht mehr wie früher bedient werden, so musste beispielsweise das Veranstaltungscatering zurück gefahren werden.

Große Veränderungen in der Arbeit der Köche gebe es nicht, die Flüchtlinge bekommen das, was eh gerade für die anderen Kunden zubereitet wird. Das Fleisch müsse ab und zu ausgetauscht werden. „In allen drei Mahlzeiten gibt es grundsätzlich kein Schweinefleisch“, erklärt Magnus.

Magnus hat sich mit Hilfe von Dolmetschern bei den Flüchtlingen umgehört und so mehr über die Essgewohnheiten der Flüchtlinge erfahren. Diese würden beispielsweise kein Kartoffel- oder Nudelsalat essen, „weil sie so etwas nicht kennen“. Kartoffeln sind generell schwierig. „Die Flüchtlinge kennen eher Reis als Hauptsättigungsbeilage“, so der Koch. Aber auch darauf reagiert die Küche, „auch wenn Kartoffeln manchmal besser passen würden“.

In Vorbereitung hat sich Magnus auch mit Kollegen ausgetauscht, um Schwierigkeiten schon im Vorfeld verhindern zu können. Amerikanische Zeichen auf der Verpackung, wie die Flagge, kommen bei den Flüchtlingen nicht gut an. „Warum auch immer.“ Das Wasser sollte keine Kohlensäure enthalten.

Magnus ist entspannt trotz der vielen Arbeit. „Es ist zwar anstrengend, aber es macht auch Spaß“, sagt er. Das gehöre zum Job. „Auch in Restaurants kann auf einmal die Tür aufgehen und 50 Leute auf einmal reinkommen.“

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