Internationale Kultur-Küche in Rotenburg bringt 14 Frauen näher zusammen

Kochen ohne Grenzen

Katharina Fenske (l.) lässt eine Teilnehmerin riechen.

Rotenburg – Bevor es so richtig losgeht, stehen schon die ersten Appetithäppchen auf dem Tisch. Die Polin Katharina Fenske hat selbst gebackenes Kürbisbrot mitgebracht. Anschließend platziert sie die Zutaten für das polnische Abendessen auf den drei Koch-Inseln in der Lehrküche der Elise-Averdieck-Schulen. In wenigen Minuten werden die anderen Frauen eintrudeln, um die dritte Kultur-Küche in Rotenburg zu starten – Frauen aus zehn verschiedenen Ländern. Einmal im Monat treffen sie sich – und jedes Mal gibt es ein Gericht aus einem anderen Land. Die Rotenburger Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Blome hat sich zusammen mit Ehrenamtskoordinatorin Martina Hoffstedt vom Diakonissen-Mutterhaus dieses Projekt einfallen lassen.

Nach und nach kommen die Teilnehmerinnen am für das spätere Essen gedeckten Tisch zusammen. Küsschen, Umarmungen, große Freude. Schon jetzt wissen die Frauen dieses Angebot zu schätzen. „Es ist eine geschlossene Gruppe – so lässt es sich besser kennenlernen, so entsteht ein intensiver Austausch, und so gibt es eine gute Vertrauensbasis“, sagt Hoffstedt. Kochen als Fundament, Kochen als Türöffner. Die Frauen sprechen viel miteinander, während sie die Zutaten für das  Essen zubereiten. Kochen ohne Grenzen – da spielt es keine Rolle, woher die Teilnehmerinnen kommen. Polen, Kanada, Deutschland, Italien, Iran, Irak, Afghanistan, Syrien, Libanon und Eritrea sind vertreten. Und so lässt sich viel über die sehr unterschiedlichen Kulturen erfahren. An diesem Abend gibt es Gurkensuppe, Tomatensuppe sowie mit Sauerkraut und Steinpilzen gefüllte Maultaschen. Als Nachtisch bereiten mehrere der Damen einen Obstsalat vor.

Das Angebot hat sich schnell herumgesprochen, weiß Kerstin Blome. Kein Wunder: Viele, wenn auch nicht alle dieser Damen, haben Fluchterfahrungen und freuen sich über eine gute Betreuung durch Ehrenamtliche. Auch von ihnen sind einige dabei. Martina Hoffstedt wirbt daher ganz bewusst für weitere Angebote, zum Beispiel für das nächste Café Campus, bei dem es um Fragen des Jugendschutzes gehen soll.

„Vorurteile spielen hier keine Rolle“, freut sich Hoffstedt, dass die Teilnehmerinnen ganz natürlich und vor allem offen miteinander umgehen. Es gibt auch kein starres Konzept. Außer: Man spricht Deutsch. „Das ist gut“, sagt Fatheme Amiri aus Afghanistan. Sie lebt seit 2016 in Deutschland, hat mit ihrer Familie inzwischen eine Wohnung gefunden. „Es ist schön, dass wir uns hier treffen können.“ Gisela Wöbse-Vogel kennt die meisten der Frauen. Sie engagiert sich in der Flüchtlingshilfe, kümmert sich um viele der auftretenden Probleme. „Es geht ums Jobcenter, um Wohnungen, um Möbel, aber auch um Bewerbungen.“ Ihr macht das Spaß, und in der Kultur-Küche mischt sie mit, „weil ich sehr gerne koche und auch gerne esse. Ich empfinde es auch ein wenig als Belohnung.“ Samar Kahour aus dem Libanon schneidet Gemüse, das mit in der Suppe landet. „Wir lernen hier voneinander. Das gefällt mir“, sagt sie. Hier und da sorgen die von Katharina Fenske ausgedruckten Rezepte für Verständnisprobleme – aber irgendjemand kann immer helfen. Man lacht, wenn mal was schief geht, zum Beispiel die Tomaten etwas zu früh im großen Topf landen. Kann passieren. Jede der Frauen ist stolz auf ihre Kultur, die sie mitbringt, und jede von ihnen unterstreicht auf ihre Art, dass diese Kulturen alle Schönes haben.

Angefangen hatte die Kultur-Küche mit einem deutschen Essen. Es gab Frikadellen und Kartoffelpüree, dazu Gurkensalat. Doch nun kommt erst einmal die Frage auf den Tisch, was es beim nächsten Mal gibt. Man ist sich schnell einig: Ein afghanisch-iranisches Gericht soll es sein. Masuma Musavi und Fatheme Amiri werden sich drum kümmern. Jetzt aber erst das polnische Essen dran. Die Kultur-Küche schmeckt den Damen. Mahlzeit!

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