Knorkator-Keyboarder Alf Ator über Satansjünger und den Auftritt in Rotenburg

„Es werde Lied!“

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Auftritte von Knorkator und Alf Ator, wie hier beim Wacken Open Air, entbehren nicht einer gewissen Skurrilität.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Alexander Thomas ist Alf Ator und Kopf der Berliner Chaos-Metaller Knorkator. Außerdem ist er Buchautor, Schauspieler, Maler und freischaffender Philosoph, wie es in einer seiner vielen Biografien aus eigener Hand heißt. Samstagabend steht er aber erst einmal beim Race Days Open Air auf dem Rotenburger Flughafen auf der Bühne, spielt Keyboard und singt. Grund genug, nachzufragen, was das alles eigentlich soll und ob es einen tieferen Sinn gibt.

Knorkator bezeichnet sich als „Deutschlands meiste Band der Welt“. Könnten Sie uns das kurz erklären?

Alf Ator: Es bedeutet absolut nichts! Wir amüsieren uns nur darüber, wie jeder Hansel, der etwas verkaufen will, sich mit irgendwelchen Superlativen schmückt, ohne dabei etwas versprechen zu müssen, was er nicht halten kann. Wir haben das lediglich ein wenig übertrieben und die Sinnleere dabei noch mit dem Holzhammer deutlich gemacht.

Und wo wir gerade dabei sind: Erzählen Sie doch der ahnungslosen Landbevölkerung, was Knorkator eigentlich machen.

Ator: Wir verbinden harte Gitarren-Riffs mit deutschen Texten, die zum Teil ausfällig-derb sind, oft aber auch naiv bis schrullig irgendwelchen Nerd-Gedanken folgen. Zum Teil aufgrund der sehr wandlungsfähigen Stimme des Sängers, aber auch aus purem Interesse wird bei uns oft auch nach klassischem Kontrapunkt komponiert, und es macht uns einen Heidenspaß, hin und wieder völlig übertriebenen Pathos einzusetzen, wenn es im Text um eher belangloses Zeug geht. In den ersten Jahren waren unsere Shows ausgelassene Zerstörungs-Orgien, heute versuchen wir ein wenig einfallsreicher zu sein. Grundsätzlich meiden wir aber Gigantismus, erfreuen uns eher an kleinen – um nicht zu sagen „erbärmlichen“ – Showelementen. Alleine, um dabei nicht arm zu werden.

Beim Wacken Open Air 2014 stürmten die Fans zu Ihrer Bühne, weil zeitgleich die bösen Black-Metal-Legenden Mayhem spielten. Verscherzt man es sich da nicht mit der harten Szene?

Ator: Aus meiner Sicht sind die meisten Hardliner der Szene im Herzen weitaus toleranter und humorvoller, als es oft dargestellt wird. Ich meine, es geht da zumeist um Vampire, Zombies, Satansjünger und Aliens. Hallo? Wer sich angesichts dieses Absurditätenkabinetts wirklich allzu ernst nimmt, muss ja irgendwann in der Klapper landen.

Bringen Sie nach Rotenburg eine Kartoffelkanone mit? Oder häckseln Sie Gemüse auf die Zuschauer? Auf welche Special Effects dürfen wir uns freuen?

Ator: Wir werden mit dem Rücken zum Publikum spielen, damit alle das Gefühl haben, sie hätten Backstage-Pässe.

Als Sie gehört haben, dass Sie jetzt 21 Jahre nach der Bandgründung in Rotenburg spielen, was haben Sie da gedacht?

Ator: Die Frage verstehe ich nicht.

Vielleicht anders: Was soll nach diesem Auftritt noch kommen?

Ator: Danach? Wir machen den Sommer über noch ein paar andere Festivals, spielen erstmalig auf einem Metal-Kreuzfahrtschiff mit, schauen kurz in Russland vorbei und widmen uns ab Herbst der neuen CD, die 2016 rauskommen soll.

Werden Sie am Nachmittag nebenan auf der Rennstrecke auch Ihr Talent als Rennfahrer demonstrieren?

Ator: Isch abe gar kein Auto!

Sie schreiben Bücher, Sie schauspielern, Sie zeichnen und malen. Welche Position nimmt Musik und der Live-Auftritt in Ihrer Kunst ein?

Ator: Bei all‘ dem Krempel, den ich sonst noch verzapfe, ist Musik – insbesondere mit Knorkator – deutlich an erster Stelle.

Sie selbst bezeichnen sich als „Gott von Knorkator“. Wie arbeitet man als Gott?

Ator: Man geht zufrieden durch seinen Garten Eden und sagt hin und wieder:

Warum sind Sie Musiker geworden?

Ator: Weil AC/DC 1979 „Highway to Hell“ rausbrachten. Und weil ich an der Hochschule für Bildende Kunst durch die Eignungsprüfung gefallen bin.

Ist eigentlich auch irgendwann Schluss mit lustig? Nervt es, nur als Spaßband wahrgenommen zu werden?

Ator: Ja, Fun-Metal ist schon ein furchtbares Wort. Und natürlich wäre es mir lieber, deutlich weniger in diese Richtung wahrgenommen zu werden. Aber ich gehöre nicht zu denjenigen, die darüber klagen, missverstanden zu werden. Wir sind ja selbst Schuld. Wir hätten ja auch ganz „true“ über Vampire, Zombies, Satansjünger und Aliens singen können. Dann hätte uns die Welt logischerweise sofort mit dem nötigen Ernst betrachtet. Aber dazu waren wir zu eigensinnig, und nun haben wir den Salat...

Wie sollten wir uns auf Ihr Konzert vorbereiten?

Ator: Drei Teller mit Spaghetti gefüllte Makkaroni essen, das Buch „Chemie 10. Klasse“ lesen, sich die Haare erst schwarz dann weiß färben, Pi auswendig lernen und nackt 3000 Meter laufen.

Race Days Open Air unterm Hallendach

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