Glasrestauratorin kümmert sich um die Kirchenfenster

Kniffelige Angelegenheit

Kathrin Rahfoth hält eines der Fensterelemente an den sanierten Metallrahmen. Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Mit Musik geht alles besser. Und so kann sich Kathrin Rahfoth freuen, dass Kantor Simon Schumacher immer wieder mal zum Proben an der Klais-Orgel in der Rotenburger Stadtkirche Platz nimmt, während die Glasrestauratorin aus Erfurt zusammen mit ihrem Kollegen Michael Görlach damit beschäftigt ist, zwei der großen Fenster – eines an der Nord-, ein weiteres an der Südseite – wieder einzubauen. Diese hatte sie im Frühjahr herausgenommen, um sie in Erfurt zu restaurieren.

Die Fenster in der Rotenburger Stadtkirche sind nämlich ein Sanierungsfall. Rahfoth hat nun einen Anfang gemacht. Dieser erste Schritt dient als Muster, auf dessen Grundlage es dann im nächsten Schritt zu entscheiden gilt, wie es weitergeht, wer den Zuschlag für die gesamte Arbeit erhält und nach welchem Zeitplan vorzugehen ist. Denn: Die Sanierung der Fenster wird teuer und dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken. Aber die Expertin aus Thüringen macht deutlich, dass daran kein Weg vorbeiführt. Sie spricht von einem „fortschreitenden Schadensprozess“.

In Erfurt hat sie den Fenstern außen herum eine neue Bleieinfassung gegeben. Innerhalb des Fensters müsse sie sie nicht erneuern. Das würde auch die Kosten unnötig in die Höhe treiben. Fakt sei: „Die Fenster haben keinen guten Anschlag und keine gute Verstrebung. Die hängen zum Teil auf halb Acht und drohen, aus dem Bleiverbund zu rutschen.“

Die neu eingefassten Fensterteile stehen bereit für den Wiedereinbau. Über ein von innen eingeschaltes Gerüst gelangen Rahfoth und ihr Kollege an die Öffnungen im Mauerwerk. Sie lackieren die Metallrahmen, fügen zusätzliche Bohrungen hinzu und setzen Schweißpunkte für die Querstreben, damit auch diese dem Fenster künftig mehr Halt geben. „Das ist hier wirklich eine kniffelige Angelegenheit“, sagt die 45-jährige Expertin während einer Pause. Sie meint damit vor allem die Einbausituation. Die Fenster sitzen in Metallrahmen aus Gusseisen von 1842 – „eine Besonderheit“, sagt Rahfoth. Meistens bilde Sandstein den Rahmen.

Im Vorfeld der Maßnahme hat Rahfoth versucht, mehr über die Fenster in der Stadtkirche und ihre Geschichte zu erfahren. Das war nicht leicht, aber vor drei Wochen dann kam sie einen Schritt weiter. Im Landesamt für Denkmalpflege sei man auf eine Akte gestoßen, die für etwas mehr Klarheit gesorgt habe. „Die Fenster sind demnach definitiv nicht von 1842.“ Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut – die ursprünglichen Fenster waren im Krieg zerstört worden. Gleich nach dem Krieg habe ein ortsansässiger Glaser die Fenster im Kirchenschiff erneuert, 1958 habe der Bremer Experte Heinz Lilienthal den Zuschlag für die Fenster im Chorraum erhalten. Alt und ursprünglich seien lediglich noch die Rahmen sowie Teile der Verstrebungen. Diese müssen allerdings neu angepasst und zugeschnitten werden, um für mehr Stabilität zu sorgen.

„Die Geschichte der Fenster ist nicht entscheidend für die Restaurierung, aber sie hilft mir, ein Gefühl für sie zu entwickeln“, schildert Kathrin Rahfoth. Zwei Wochen benötigt sie für den Wiedereinbau. Auch, weil es manchmal kniffelig wird bei der Arbeit. Gut also, dass es zwischendurch immer mal wieder etwas Musik gibt.

 Die Fenster-Expertin

. Kathrin Rahfoth ist seit 2005 als freiberufliche Restauratorin für Glasmalerei und Glasfenster im Einsatz. Nach einer Ausbildung zur Malerin und Lackiererin war sie vier Jahre in einem Restaurierungsatelier beschäftigt. Danach studierte sie an der Fachhochschule in Erfurt. Dieser Studiengang ist inzwischen eingestellt. Zurzeit lässt sich das Spezialgebiet nur noch in York (England) und Antwerpen (Belgien) studieren. Weil es nicht so viele Spezialisten auf diesem Gebiet gibt, hat die Erfurterin keinen Mangel an Aufträgen.

. Zurzeit ist die Expertin mit dem Wiedereinbau von zwei der insgesamt 15 großen Fenster in der Rotenburger Stadtkirche beschäftigt, die sie in den vergangenen Monaten restauriert hat. Im November wird sie erneut nach Rotenburg kommen, um die neue Verkittung zu streichen. Dann sind die zwei Muster fertig. Danach entscheidet sich, wie es weitergeht.

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