In Wilstedt testet die Landwirtschaftskammer Zuckerrüben

Die Klimawandel-Alternative

Holger Oest ist Pflanzenberater der Landwirtschaftskammer. Fotos: buschmann

Wilstedt - Von Ulf Buschmann. Holger Oest zieht die Blätter auseinander. Der Pflanzenberater der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen am Standort Bremervörde ist auf einem Versuchsfeld unterwegs. Sein prüfender Blick gilt den Zuckerrüben, die noch nicht gerodet worden sind. Ein Teil der Früchte ist noch im Boden, ein Teil liegt noch auf einem großen Haufen am Rand des Feldes. Fachleute wie Oest und die Landwirte nennen sie Mieten.

Sie sind überall zu sehen – zumindest dort, wo Zuckerrüben angebaut werden. Seit Mitte September werden sie aus dem Boden geholt. Kampagne heißt das Ganze, und dauert bei gewöhnlicher Witterung bis in den Januar. In einigen Gebieten ist die Arbeit wegen der Trockenheit in diesem und im vergangenen Jahr schon vor Weihnachten erledigt.

Zuckerrüben, weiß Oest, kommen mit dem Klimawandel besser klar als der Mais. Auf ihn setzen die Landwirte im Nordkreis. Mais kommt als Biomasse in den Biogasanlagen, aber auch in der Milchviehwirtschaft zum Einsatz. Doch wenn es so trocken ist wie 2018, hört der Mais einfach auf zu wachsen. Die Folge für die Landwirte: große Ertragseinbußen.

Aufgrund ihrer Eigenschaften sieht Oest die Zuckerrübe denn auch als Alternative zum Mais. „Die Zuckerrübe ist witterungsstabiler“, sagt Oest. In regenarmen Zeiten sammelt die Zuckerrübe sämtliche Nährstoffe in der Frucht. Blätter und Stengel werden abgeworfen. Zwar sehen die Äcker verdorrt aus, doch die Frucht im Boden kann trotzdem gerodet und weiterverarbeitet werden. Setzt wie vor einigen Wochen am Ende des Sommers eine Regenperiode ein, nimmt die Zuckerrübe das Wasser wieder auf, treibt aus und wächst weiter.

Oest zeigt den Unterschied – er legt eine vor einigen Wochen und eine erst vor einigen Tagen gerodete Zuckerrübe nebeneinander. Die jüngere Frucht, die vom einsetzenden Regen profitiert hat, ist bedeutend größer. Der Gewichtsunterschied dürfte nach Einschätzung des Pflanzenberaters mindestens 300 Gramm betragen.

Die Zuckerrübe als Kulturpflanze an sich und die Anbaumethoden zu optimieren, ist Sinn und Zweck des Versuchsfeldes in Wilstedt. Oest und seine Kollegen gehen der Frage auf den Grund, ob der organische Dünger auf die Frucht oder in den Boden eingearbeitet werden soll. „Bei der Ausbringung wird die Gülle (…) direkt in den Boden eingearbeitet oder auf die Bodenoberfläche ausgebracht und anschließend mit einer Scheibenegge eingearbeitet“, informiert Oest.

Frage Nummer zwei: Welche Frucht ist die ertragreichste und gesündeste. Um die Antworten zu finden, standen im vergangenen Jahr 20 Sorten auf dem LWK-Versuchsfeld. In diesem Jahr, so Oest, würden lediglich Düngeversuche mit wenigen Sorten gemacht. Über die Ergebnisse informieren sich Experten an diesem Donnerstag im Rahmen eines sogenannten Feldtages: Sie gehen durch die Reihen und schauen sich die Früchte ebenso kritisch an wie Oest.

Schilder verraten die unterschiedlichen Anbaumethoden. „GR breit 130“ steht da, oder „GR breit 170“. Die Zahl in darin verrät dem Spezialisten die Höhe des eingebrachten Stickstoffs: 130 Kilogramm oder 170 Kilogramm. Oest weist auf eine besondere Methode hin, die „Königsdisziplin“, wie er findet: „GR UF“. Die beiden Buchstaben U und F stehen für „unter Fuß“ – soll heißen: Der Nährstoff wird vor der Frucht in den Boden gebracht. Die Kunst besteht darin, die Frucht so rechtzeitig auszulegen, dass sie den Dünger rechtzeitig aufnimmt, um ihn zu verarbeiten.

Dass die Rübenzucht sogar einen Hauch von Poesi hat, zeigt übrigens der Züchter KWS aus Eibeck. Er nennt seine Sorten „Annalena“ oder „Celesta“. Schmunzelnd berichtet Oest: „Die Sorte ,Charleena‘“ wird in Wilstedt vermehrt angebaut.“ Sie ist in der Tat die dickste Frucht auf dem Versuchsfeld.

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