Eine Überraschung

Klimaschutz vor Ort: Simbav setzt auf Nachhaltigkeit

+
Für Nicole Michael (l.) und Antje Jäger steht die Simbav-Arbeit auch im Zeichen von Umwelt- und Klimaschutz.

Rotenburg - Mit allem hatte Antje Jäger gerechnet. Aber damit ganz bestimmt nicht: Die Vorsitzende des vor fast 15 Jahren in Rotenburg gegründeten Vereins Simbav hat vor wenigen Wochen stellvertretend den Umweltschutzpreis der Stadt Rotenburg und dazu 500 Euro an Preisgeld in Empfang genommen. „Das konnte ich zunächst gar nicht glauben“, sagt sie. Aber sie berichtet auch, dass die Jury ebenso überrascht war von der Bewerbung dieses Vereins. „Doch als sie uns dann besucht hat, war sie ganz schnell begeistert.“

Der Verein ist Träger von drei Familienforen. Hauptstandort ist das Rotenburger Familienforum, dem der offene Treffpunkt für Familien – das Düt & Dat an der Kirchstraße – angeschlossen ist. Eltern können dort günstig gespendete Kinderkleidung und andere Dinge rund ums Kind zu Flohmarktpreisen erwerben, sich einfach treffen und an den kulinarischen Simbav-Angeboten teilnehmen. Simbav steht für „Schwangere, Information, Mütter, Babys, Austausch und Väter“. Neben dem Familienforum in Rotenburg gibt es noch zwei in Visselhövede und in Lauenbrück. Weitere Orte, in denen sich Simbav-Angebote finden, sind Scheeßel, Reeßum, Hellwege und Bothel. Hinter all diesen Anlaufstellen steckt die Idee, Eltern ein Familiennetzwerk mit qualitätshaltigen Angeboten vor Ort und damit ohne lange Anfahrtswege zu bieten. Die Angebote sind fast alle niederschwellig – was bedeutet, dass wirklich allen Familien ein Kommen ermöglicht werden soll.

Dass Simbav in sozialen Fragen nicht mehr nur in Rotenburg, sondern im gesamten Südkreis wichtige Aufgaben und Funktionen übernommen hat, ist inzwischen bekannt. Dass der Verein viele Aspekte seiner Arbeit aber eben auch mit nachhaltigen Fragen in Sachen Umwelt- und Klimaschutz verbindet, war vielen Menschen bisher so nicht bewusst. Es liegt jedoch nicht nur an den kurzen Anfahrtswegen für Eltern und Kinder aufgrund der inzwischen sieben Standorte, weshalb die Jury ausgerechnet Simbav mit dem Umweltschutzpreis ausgezeichnet hat. Dahinter steckt mehr. Etwas, das Antje Jäger als „Beitrag zur Systemumstellung“ auf vielen verschiedenen Ebenen bezeichnet.

Nachhaltig: Gebrauchte Schuhe landen bei Simbav im Regal und sind dort günstig zu haben.

Das System, um das es geht, ist groß, aber es lässt sich über viele vermeintlich kleine Dinge verändern – im Sinne eines Beitrags zum Klimaschutz. So vermittelt Simbav jungen Eltern die Vorteile vom Wickeln mit Stoffwindeln, den Verzicht auf Plastikspielzeug, den Einkauf von Mehrweg-Glasflaschen bei gleichzeitigem Ignorieren von Einwegplastikflaschen oder auch Tetra-Packs. Die Mehrfachnutzung von Spielzeug und Kleidung sei ebenfalls eine ganz zentrale Herangehensweise bei der Frage, wo Nachhaltigkeit beginnt. Auch Bücher und Schuhe müssen nicht alle Eltern immer neu kaufen. Außerdem plädiert Antje Jäger als äußerst erfahrene Hebamme immer wieder für möglichst langes Stillen und parallel dazu für das Vermeiden von in Alu und Kunststoff verpackten Lebensmitteln. „Das alles wird einfach weggeschmissen und stellt eine Belastung dar“, sagt sie. Das Einsparen von Energie sei ein weiterer Aspekt, den Simbav in seiner Arbeit regelmäßig aufgreift. Zum Beispiel dann, wenn es um das richtige Heizen und Lüften in den Wohnungen geht. „Es ist nicht nötig, die Heizung so hochzudrehen, dass man sich nur noch ein T-Shirt anziehen muss“, sagt sie. Manchmal reiche es einfach, einen Pullover aus dem Schrank zu holen.

Wie aber kommt das  an in den Familienforen, in den Veranstaltungen, beim Frühstückstreff oder auch im Düt & Dat? „Sehr gut“, sagt Antje Jäger, „viele Teilnehmer und Besucher sind sehr offen dafür.“ Und auch die Spendenbereitschaft sei nach wie vor groß – bei der Kleidung, beim Spielzeug, bei Büchern und Schuhen. Jäger: „Viele machen das ganz bewusst, weil sie uns und unsere Arbeit unterstützen wollen. Viele der Sachen kommen immer wieder zu uns zurück – und finden dann einen neuen Abnehmer.“ In den Regalen des Düt & Dat sind sie schließlich auch besser aufgehoben, als auf dem Müll. Antje Jäger fasst es so zusammen: „Die gelben Säcke animieren die Menschen nicht dazu, Müll zu vermeiden. Aber genau das ist so wichtig.“

Auch Geldsparen ist Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bedeutet auch, Geld einzusparen, und zwar an ganz vielen Stellen des täglichen Lebens. Das ist vor allem für Familien oder auch Alleinerziehende von großer Bedeutung, die kaum über die Runden kommen. Ernährung sei dafür ein gutes Beispiel. Und wer die Frage danach mit dem Einkauf von regionalen Produkten bevorzugt, leiste einen weiteren wichtigen Beitrag, so Jäger. Nicole Michael ist von außerhalb Rotenburgs und schon seit elf Jahren bei Simbav aktiv. Sie kommt stets mit dem Fahrrad, erledigt den Familieneinkauf ebenfalls mit dem Rad und weiß: „Es ist an manchen Stellen anstrengend, aber es geht.“

Simbav liefert zahlreiche Beispiele und Vorschläge für junge Eltern. An welcher Stelle aber fängt man damit an? „In der Schwangerschaft“, sagt Antje Jäger. Das sei ein sehr guter Zeitpunkt für Veränderungen in Sachen Erziehung, Bewegung, gesundes Essen. Unterstützung gebe es auch von den Hebammen.

Umwelt wird ganz anders erlebt

Und der Spaß sowie die Freude an diesen Umstellungen im eigenen Leben kämen nicht zu kurz. Jäger: „Man erlebt die eigene Umwelt ganz anders – das ist total nachhaltig.“ Auch, weil Klimaschutz und Gesundheit eng miteinander verzahnt seien. Unter sechs Kilometern lasse sich fast alles mit dem Rad erledigen. „Die Kinder bekommen das von ihren Eltern mit auf den Weg und passen ihr Verhalten an. So, wie bei Nicole Michael. Da ziehen alle mit in der Familie. Sie sagt auch, dass es eine große Freude sei zu sehen, was sich mit Resten vom Essen alles noch „zaubern“ lasse. Auch das werde den Teilnehmern der kulinarischen Treffen im Düt & Dat immer wieder vor Auge geführt. Es gehe darum, gute Strukturen zu schaffen. Genau damit setzt sich Simbav auseinander. Passend dazu fließt das Preisgeld in weitere Umweltprojekte, sagt Antje Jäger voller Begeisterung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Streetfood-Feeling für zu Hause

Streetfood-Feeling für zu Hause

Der Jeep Gladiator lohnt nur für Image und Gelände

Der Jeep Gladiator lohnt nur für Image und Gelände

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

Linsen vor dem Kochen keimen lassen

Linsen vor dem Kochen keimen lassen

Meistgelesene Artikel

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Ärger nach Trecker-Demo: Landwirte beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Landwirte beseitigen Spuren des Protests

Große Party im Zweijahrestakt

Große Party im Zweijahrestakt

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Kommentare