Friedliche Lage beim Partyvolk am Weichelsee

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft

Adriana und Andrea feiern auf der Summer Sensation am Weichelsee.
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Adriana und Andrea sind eigens aus Bremen angereist, um am Weichelsee zu feiern

Rotenburg – Eine Bühne statt drei Dancefloors und Zelt, statt Feuerwerk Impfnachweis und eine verstärkte Präsenz von Security: Die zweitägige „Summer Sensation“ kam am Wochenende in der elften Auflage in kleinerem „Corona-Format“ daher. Immerhin: Nach einem Jahr Zwangspause ist es eine der ersten Sausen in der Region – und das Partyvolk, bis aus Verden und Bremen angereist, ist spürbar dankbar.

Veranstalter Benjamin Pekrul und Oliver Völkel können zufrieden sein: „Wir hatten keine Ahnung, wie der Bedarf für so eine Veranstaltung ist, ob die Leute wieder Gas geben wollen oder eher vorsichtig sind“, meint Völkel. Über die diesjährige Fortsetzung der Party am See habe man mehrere Tage diskutiert.

Am Ende sind die Besucher beides: „Ausgelassen, aber vernünftig“, so Pekruls erstes Fazit am Freitagabend. „Elf von zehn Punkten“ geben Adriana und Andrea ihrer ersten Party seit Pandemiebeginn. Die 27-Jährigen sind voll geimpft. „Corona wird uns ein Leben lang begleiten“, meinen sie. „Vor dem nächsten Lockdown nehmen wir mit, was wir kriegen können!“ Mit Einbruch der Dunkelheit füllt sich die Fläche vor der Bühne. Ein Besucher nimmt einen tiefen Atemzug Staub und seufzt: „Wie beim Hurricane!“ Mehrere hundert Gäste skandieren unter der Ägide von DJ BeNice aus voller Kehle und Seele: „Scheiß auf den Job, aufs Geld – ich will Glück“. Textsicher sind sie, auch nach einem Jahr Pause.

„Malle ist nur einmal im Jahr“ – angesichts der dort explodierenden Inzidenzen trotz allem ein Sinnbild für unbeschwertes Feiern ungeachtet aller Konsequenzen? Der Eindruck, den Feiernden sei alles egal, täuscht. Viele Gäste sind sich der Lage wohl bewusst – Corona prangt eben nicht nur als Emblem über der Bar im Strandgold, sondern ist auch in den Hinterköpfen. Die wenigsten haben am Eingang einen aktuellen Test vorgezeigt, sondern die Gäste sind im Gegenteil bereits durchgeimpft. „Sonst wären wir heute nicht gekommen“, meint Dennis Ramm, der sicherheitshalber beides dabei hat, Test und Impfung. Ihn stört das kleinere Setting nicht: „Eine Bühne reicht für so eine Strandparty aus, die Leute wechseln nicht und das Geschehen konzentriert sich“, findet der Jeersdorfer. Wo sich normalerweise bis zu 1 600 Partygänger tummeln, sind es am Freitag 600, Samstag ist mit 900 ausverkauft.

Auf das Feuerwerk mussten die Besucher zwar verzichten, doch die Lasershow konnte sich im Dunkeln sehen lassen.

Schwarze Zahlen lassen sich, auch angesichts des mit Gesundheits- und Ordnungsamt erarbeiteten Sicherheitskonzepts, laut Völkel so nicht schreiben, „aber irgendwie muss es ja wieder losgehen. Wir wollen den Leuten ein Stück Normalität zurückgeben!“ Dabei haben sie bewusst darauf verzichtet, die von offizieller Stelle genehmigten Besucherzahlen voll auszureizen: „Wir gehen lieber auf Nummer sicher“, ist Pekruls Credo. So gibt es an diesem Wochenende wegen der Nachverfolgbarkeit keine Abendkasse, die Masken dürfen erst nach Betreten des Geländes fallen. Für Yvonne Simon, die hier ihren letzten Tag im Wümmeland vor dem Umzug nach Frankfurt zum Studium feiert, fühlt sich der Anblick von Feiernden ohne Masken ungewohnt an. Auch die Abiturientin der Eichenschule will ausnutzen, was geht: „Man hat momentan immer das Gefühl, man darf nichts verpassen, bevor bald alles wieder vorbei sein könnte.“

Die fünf Polizisten, die anfangs Präsenz gezeigt haben („Ganz normal für diese Art von Veranstaltung“, wie eine der Ordnungshüterinnen versichert), haben sich längst zu den drei Hundeführern hinter den Streifen-Bulli zurückgezogen – die Lage ist friedlich. Auf einen eher ruhigen Einsatz stellen sich auch die drei Helfer vom Deutschen Roten Kreuz ein. Es habe am Freitag keine nennenswerten Vorfälle gegeben – die Chancen stehen gut, dass das so bleibt: Wegen des Wegfalls des Zeltes, das sonst zu späterer Stunde Schutz gegen die Kälte bot, haben Völkel und Pekrul die Sause auf zwei Uhr begrenzt. Für Ausfälle bleibt also weniger Zeit, „allerdings ist die Zeit, wo die Stimmung richtig gut ist, dann auch recht kurz“, befindet Adriana aus Bremen.

Party mit Vernunft: Jan Wahl (r.), Dennis Ramm und ihre Begleitungen ließen sich zusätzlich zur Impfung testen.

Nach vier Stunden Eskalation mit gebremstem Schaum stolpern dann die ersten Jugendlichen herum – das muss wohl am sandigen Untergrund des „Dance Floors“ liegen. Im Hintergrund haben ältere Semester auf den Palettenmöbeln des Beachclubs „Strandgold“ Beobachtungsposten bezogen und genießen die über das Gelände zuckenden Laserstrahlen bei einem Frozen Mojito und freuen sich am lauen Abend – Samstag um die gleiche Zeit goss es wie aus Kübeln.

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