Kleine Gruppe, großer Abend

„Kleines Ensemble“ feiert Premiere in Rotenburg

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Hinter dem Drahtzaun als „Wand“ zur Hölle (v.l.): Bettina Renken, Jürgen Cassier, Petra Vermehren und Christina Wedemeyer-Neumann. 

Rotenburg - Von Wieland Bonath. „Also – machen wir weiter!“ Das sind Garcins letzte Worte, die er in der Notgemeinschaft „Hölle“ äußert. Dort verbringt er nach seinem zeitlichen Tod die Ewigkeit mit den beiden Frauen Inés und Estelle.

„Geschlossene Gesellschaft“, das 1944 uraufgeführte Drama von Jean-Paul Sartre, war am Mittwochabend in der voll besetzten Aula der Rotenburger Theodor-Heuss-Schule für das „Kleine Ensemble“ mit seiner Regisseurin Rena Seifert und den Schauspielern Jürgen Cassier (Garcin), Christina Wedemeyer-Neumann (Inés), Petra Vermehren (Estelle) und Bettina Renken (Kellner) die erste Vorstellung.

Am Ende gab es tosenden Beifall für anderthalb Stunden schwieriges Theater. Die strahlende Regisseurin Rena Seifert sagte in ihrem kurzen Dank zum Schluss der Aufführung: „Das ,Kleine Ensemble’ hat seine Feuerprobe bestanden.“ Die Gruppe, hervorgegangen aus dem Theaterensemble Rollentausch und vor einem Jahr auf Anregung von Heribert Eiden und Cassier als „kleine Schwester“ ins Leben gerufen, will weitermachen. Zunächst am Freitag und Samstag, 29. und 30. September, mit weiteren Aufführungen von „Geschlossene Gesellschaft“ und dann in regelmäßiger Folge mit Stücken aus dem Bereich des Kammerspiels – keine Konkurrenz zu der vor zwölf Jahren ins Leben gerufenen Gruppe Rollentausch, sondern eine Ergänzung.

Rena Seifert und Heribert Eiden sind glücklich über den Debüt-Erfolg des Stücks.

Heribert Eiden (68) aus Scheeßel, einer der Motoren des Amateurschauspiels sagte am Mittwochabend: „Seit vielen Jahren haben wir unser Publikum mit heiteren Stücken und mit inhaltlichem Tiefgang erfreut. Unser Ensemble ist auf gut 20 Akteure angewachsen. Jürgen Cassier und ich hatten den Wunsch, den Kammerspielbereich in das Bühnenprogramm aufzunehmen. Das war die Eizelle für die Geburt des ,Kleinen Ensembles‘.“ Eiden blieb im Bild: „Ich komme mir heute vor wie ein Geburtshelfer.“

Mit Rena Seifert aus Stapel, pensionierte Lehrerin am Gymnasium Am Wall in Verden und mit Rollentausch seit Jahren verbunden, sei Kontakt aufgenommen worden. Sie habe, so Seifert, die Tätigkeit als Regisseurin gern übernommen. Sie betonte: „Für mich besteht die Möglichkeit, als Regisseurin in dieser kleinen Gruppe mitzugestalten. Wir wollen unsere Arbeit fortsetzen und dazu Stücke zeitgenössischen Theaters einbeziehen.“

Rollentausch hat neben seinem neuesten künstlerischen Ableger weitere Angebote für Theaterbegeisterte: das Jugendtheater unter Leitung von Johannes Arnold aus Taaken und das Kindertheater, betreut von Lara von Spreckelsen, ehemalige Eichenschülerin und jetzt wohnhaft in Wachendorf.

Das Debüt des Einakters „Geschlossene Gesellschaft“ am Mittwochabend: die Gespräche, die Gefühle, die Reaktionen der drei Akteure in der „Hölle“, mit sparsamem Bühnenbild und einer Strophe aus dem „Hallelujah“ von Leonard Cohen vor einem nachdenklichen Publikum. Wie sagte der französische Philosoph und Dramatiker Jean-Paul Sartre noch selbst? „Sie sehen also, Beziehungen zu den anderen, Verkrustung und Freiheit, Freiheit als die nur angedeutete andere Seite, das sind die drei Themen des Stücks. Ich möchte, dass man sich daran erinnert, wenn man den Satz hört: Die Hölle, das sind die andern.“

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