Kreistag weist Schwingetal als Naturschutzgebiet aus

Zu klein für große Debatten

Die Ausweisung von Naturschutzgebieten hat im Landkreis in der Vergangenheit zu Diskussionen geführt. Beim Schwingetal blieb es ruhig. Das Areal ist nur rund 40 Hektar groß. - Foto: dpa

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Das Schwingetal bei Elm wird unter Naturschutz gestellt. Im Kreistag gab es dafür jetzt eine große Mehrheit, die wohl auch deshalb zustande kam, weil es sich um ein recht kleines Gebiet handelt. Inwieweit die Verordnung als Maßstab für weitere Schutzgebiete dient, bewerten die Abgeordneten unterschiedlich.

Dr. Heinz-Hermann Holsten (CDU) verhehlte nicht, dass bei der Debatte über das rund 40 Hektar große Schwingetal einmal mehr gegensätzliche Interessen von Ökonomie und Ökologie zutage traten. Auf der einen Seite stehen Umweltschützer, die sich strengere Auflagen für die Bewirtschaftung wünschen und die Landwirte gerne deutlich weiter vom Gewässer fern halten würden als es die Verordnung vorsieht. Auf der anderen Seite ist vor allem eine Familie betroffen, der viel Land im neuen Schutzgebiet gehört. Sie sieht sich bei stärkeren Einschränkungen in ihrer Existenz bedroht.

Auch in seiner Partei sei kontrovers diskutiert worden, so Holsten. Zum größten Teil stehe sie aber hinter dem Naturschutzgebiet, zumal Landwirte dort anders als in einem Landschaftsschutzgebiet einen Erschwernisausgleich beantragen können. Des Weiteren gelte es nun aufzuzeigen, wie das neue Naturschutzgebiet gepflegt und im Sinne der Natur entwickelt werden soll.

Elisabeth Dembowski (Grüne) kritisierte, dass maßgebliche Einwände der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz in der Verordnung für das Schwingetal nicht berücksichtigt worden sind. Auch hält sie mit Blick auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie Vorgaben für die Entwicklung der Schwinge für erforderlich. An die „fachlich gut begründete“ Kritik des Kreisnaturschutzbeauftragten Dirk Israel an der Verordnung erinnerte Volker Kullik (SPD). Für Landwirte gebe es im Grunde keine Einschränkungen. Indes handele es sich beim Schwingetal lediglich um einen kleinen Zipfel, der an das 1500 Hektar große Landschaftsschutzgebiet im Kreis Stade anschließt, und der in einem Zustand sei, für den es sich eigentlich nicht zu kämpfen lohne. Ein Maßstab für größere Schutzgebiete etwa an Wümme und Oste sei die Verordnung nicht, betonte Kullik.

Erich Gajdzik (CDU) gehen die Regelungen für das Schwingetal dagegen zu weit. Er forderte, der betroffenen Familie schriftlich zuzusichern, dass es in den nächsten Jahren keine Nutzungseinschränkungen gibt. Außerdem sollte der Landkreis ihr Flächen zum Tausch anbieten. Ein Drittel ihres Betriebs liege künftig im Naturschutzgebiet. Man solle nicht hohe Maßstäbe beim Umweltschutz anlegen und dabei vergessen, dass Menschen dort ihr Einkommen erwirtschaften, mahnte Gajdzik.

Ihm wäre es ohnehin lieber gewesen, das Schwingetal wäre wie im Nachbarkreis ein Landschaftsschutzgebiet geworden. Auch wenn es dann keinen Erschwernisausgleich gibt. Denn der sei nicht dauerhaft gesichert. Dass bei Landwirten auch Psychologie eine Rolle spiele, wenn es um Naturschutz geht, räumte der Christdemokrat ein. Aber letztlich müsse es auch um den Menschen gehen. Dass es Menschen waren, die die Natur in einen Zustand versetzt haben, der nun deren Schutz erfordert, erwiderte Dembowski.

Auflagen gibt es im Schwingetal schon lange, weil es im Rahmen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien aufgeführt ist, erinnerte Landrat Hermann Luttmann (CDU). Es gehe nun darum, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Bis 2018 müssen alle FFH-Gebiete im Landkreis entsprechend behandelt werden. Und da steht noch einiges aus. Die Zeit drängt also. Der Landkreis werde diesbezüglich das gesetzlich erforderliche tun, unterstrich der Landrat.

Mit Blick auf Gajdzik teilte er mit, dass es derzeit keine Tauschflächen gebe und dass man wahrscheinlich keine auf Jahre verbindliche Zusicherung treffen könne, weil dies den Kreistag beschneide. Mithin aber gebe es für das Schwingetal ohnehin keine großartigen Beschränkungen für die Landwirte.

Der Gajdzik-Antrag fand im Kreistag die Zustimmung von nur drei Christdemokraten. Für die von der Kreisverwaltung erarbeiteten Verordnung für das Naturschutzgebiet Schwingetal gab es dagegen bei zwei Nein-Stimmen und einigen Enthaltungen eine große Mehrheit.

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