Nabu-Landesvertreterversammlung beklagt „dramatische Zustände“

Klarer Auftrag für die Politik

Einen Tag lang diskutierten die Teilnehmer die Strategie des Verbandes in Sachen Naturschutz. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Niedersachsen muss unverzüglich einen konsequenten Weg zu einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft einschlagen. Mit dem Auftrag an die Politik, diese Agrarwende durch gezielte Maßnahmen und schärfere Gesetze anzustoßen, schloss die Landesvertreterversammlung des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen am Samstag im Haus Niedersachsen der Rotenburger Werke.

Mehr als 270 Mitglieder aus den landesweit 190 Nabu-Gruppen mit 88.000 Mitgliedern hatten den Weg in die Kreisstadt gefunden. Neben internen Verbandsangelegenheiten wie Wahlen, Ehrungen und Kassenberichten oblag es vor allem dem Landesvorsitzenden Holger Buschmann, den Nabu als politischen Akteur ins Spiel zu bringen. Und da sei Rotenburg als Treffpunkt ideal – denn hier offenbarten einige der zentralen Probleme des Umweltschutzes in Niedersachsen. „Der Begriff Vermaisung kommt aus dem Landkreis“, sagte Buschmann, die starke Intensivierung der Landwirtschaft nehme jeder sofort wahr, wenn er durch die Region fahre. Selbst Grünland gebe es nur noch in bereinigter Form: „Blühende Wiesen sind die Ausnahme.“ Der dadurch hervorgerufene Artenverlust sei „dramatisch“, insbesondere im Bereich der Wiesenvögel. Hinzu komme ein um sich greifendes Insektensterben. Buschmann: „Das macht mir Angst.“

Auch wenn die Landesregierung erste Erfolge bei der Größenbegrenzung von Massentierställen und Förderung des Ökolandbaus vorweisen könne, blieben die großen Probleme weiterhin bestehen. Die Vermaisung der Landschaft gehe nicht zurück, in 20 Prozent der Messstellen und 40 Prozent der Wasserleiter würden zu viele Nährstoffe und Pestizide festgestellt, das Grünland nehme ab oder werde zum Grasacker ohne Blumen. Die Folgen seien eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit und ein dramatischer Rückgang der Arten. Buschmann: „Vielleicht besteht ein Grund, warum kaum aktuelle Rote Listen unserer Arten in Niedersachsen vorhanden sind darin, dass das Ausmaß der Gefährdung dadurch offensichtlicher würde.“ Laut Buschmann muss dringend in der Landwirtschaftspolitik umgesteuert werden, damit nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern ganz besonders die Menschen überleben können und sie nicht ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstören. Das Land Niedersachsen müsse seinen Einfluss auf Bundes- und EU-Ebene stärker geltend machen, um in der Subventionspolitik umzusteuern, aber auch eigene Akzente setzen. Unabdingbar, um dem „dramatischen Zustand“ entgegen zu wirken, seien ein neues Naturschutzgesetz und politische Strategien für mehr Umweltschutz. Zudem dürften Agrarsubventionen nur noch leistungsgebunden für eine umweltschonende Landbewirtschaftung gewährt werden. Buschmann: „Nach wie vor verursachen die Agrarsubventionen so gravierende Umweltschäden, dass sie nicht mehr zeitgemäß sind.“

Einen klaren Auftrag an die Politik formulierte in seinem kurzen Grußwort auch Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Zum einen, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, hoffe er, dass die Nisthilfen der Stadt schon bald auch von Störchen besetzt werden. Zum anderen, das allerdings umso ernster gemeint, sei das Verbot von Fracking bei der Erdgasförderung auch in den hier vorhandenen Gesteinsschichten dringend notwendig angesichts der offenen Fragen der Gesundheitsgefährdung der Bürger. „Für diese Anliegen ist der Nabu uns ein wichtiger Partner“, betonte Weber. Roland Meyer, Vorsitzender des Nabu Rotenburg mit aktuell rund 2 700 Mitgliedern, formulierte es ähnlich, als er an die von seinem Verband angestoßenen Quecksilber-Messungen an Bohrstationen erinnerte: „Ein möglicher Zusammenhang der Erdgasförderung mit den erhöhten Krebszahlen macht den Menschen Angst. Solange der Zusammenhang nicht ausgeschlossen ist, muss es ein Moratorium für Förderprojekte geben.“

Wie weit diese Themen bei der Landespolitik in Hannover Gehör finden, wollte CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler berichten. Er steckte allerdings im Stau – nach dem Nominierungstermin für Bernd Althusmann zum CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Das, was Thümler zu sagen hatte, tat er dann mit einigen Stunden Verspätung – im nicht-öffentlichen Teil der Versammlung. Roland Meyers Fazit im Anschluss: „Er ist kein Umweltpolitiker vom Fach.“

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