„Klang und Leben“ zu Gast in Rotenburg/Projekt für Menschen mit Demenz

Mit Musik zurück in die gute alte Zeit

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Einfühlsam, aber dennoch mit einer ordentlichen Portion Humor animierten Oliver Perau (Mitte) und Graziano Zampolin die Senioren zum Mitsingen.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Jeder Mensch verbindet mit einem bestimmten Lied, einem speziellen Musikstil ganz persönliche Erinnerungen. „Klang und Leben“ greift diesen Effekt auf. Seit zwei Jahren touren vier zu diesem Verein gehörende Musiker durch Senioreneinrichtungen in Deutschland. Ihr Ziel: Menschen mit Demenz zu erreichen, indem sie sie mithilfe der Musik an die Vergangenheit erinnern. Am Mittwoch waren sie im Diakonieklinikum Rotenburg zu Gast.

Heinz Erhardt, natürlich, den kennen sie alle. Erhardt, den Komiker, Schauspieler und Musiker, der in den 1950er-Jahren auf dem Zenit seines künstlerischen Schaffens war. Und so verwunderte es nicht, dass die rund 20 an Demenz erkrankten Bewohner des Diakonieklinikums langsam begannen, zu Erhardts Gassenhauer „Immer wenn ich traurig bin“ mitzuwippen und zu singen. Tatkräftig animiert wurden sie dazu von Oliver Perau.

Der Gründer der hannoverschen Rockband Terry Hoax war dieses Mal in seiner Funktion als Sänger für „Klang und Leben“ nach Rotenburg gekommen. Gemeinsam mit seinen drei Musikerkollegen gab er für die an Demenz Erkrankten ein einstündigen Konzert. „Wir spielen nur Lieder aus den 30er- bis 50er-Jahren“, erzählte er. „Das sind Lieder, die die Menschen kennen. Denn Mitsingen spielt bei uns eine große Rolle.“

Die Musiker hatten sich in der Mitte des Raumes platziert, um sie herum im Kreis die Bewohner. Doch Perau und seinen Kollegen, Demenzcoach und Gitarrist Graziano Zampolin, hielt es meist nicht länger als zwei Minuten auf ihren Stühlen. Immer wieder suchten sie den Kontakt zu den Bewohnern, luden zum Mitsingen ein und legten sogar eine kleine Tanzeinlage aufs Parkett.

Zuerst noch verhalten, dann etwas mehr: Manch einer der Senioren wiegte sich im Takt der Musik und sang mit. Ob bei „Ohne Krimi geht die Mimmi nie ins Bett“ von Billy Ramsey, Freddy Quinns „Schön war die Zeit“ oder „Caprifischer“ von Rudi Schuricke – Peraus sonore Stimme kam bei den betagten Damen und Herren gut an. Perau und Zampolin spickten das Konzert zudem mit Anekdoten von früher, erzählten von der Mutter, die immer ein Lied auf den Lippen hatte, vom alten Plattenspieler in der Ecke, den verkratzten Schallplatten des Bruders und der Oma, die in ihrer Schürze stets die Fusseln vom Boden sammelte.

Die Menschen an die damalige Zeit zu erinnern, das sei das Ziel gewesen, erzählte Alexandra Grothe, Personalreferentin des Diakonieklinikums. Sie hatte von „Klang und Leben“ vor einem Jahr im Radio gehört und spontan eine Bewerbung abgeschickt. Grothe zeigte sich von dem Konzert begeistert: „Die Musiker sind alle mit großer Leidenschaft dabei.“ Sie hofft, dass die Musik manch einen Bewohner innerlich bewegt habe.

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