Mehr als 250 Besucher beim ökumenischen Werkstatt-Tag in Waffensen

„Kirchen im Umbau“

Zwei Auszubildende des Unternehmens Cordes-Holzbau gestalteten am ökumenischen Werkstatt-Tag aus Holzplatten mit der Handsäge ein Kreuz. - Fotos: Bonath

Waffensen - Von Wieland Bonath. Alle Christen unter einem gemeinsamen Dach – eine Vision, die offenbar immer öfter funktioniert. Denn mehr als 250 Besucher aus vielen Teilen Norddeutschlands kamen am Samstag in das kleine Waffensen, um gemeinsam den ökumenischen Werkstatt-Tag zu feiern.

Heinrich Cordes (75), Seniorchef der Firma Cordes-Holzbau in Waffensen, sagte sofort zu, als Dechant Johannes Pawellek aus Buxtehude bei ihm anrief und fragte, ob auf dem Werkstattgelände unter dem Motto „Kirche im Umbau“ der ökumenische Tag veranstaltet werden könne –organisiert vom Sprengel Stade der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und den Dekanaten Unterelbe, Bremerhaven, Bremen-Nord und Verden.

„Pfarreien, lokale Initiativen und Gemeinden stellen ihre Arbeit, Ideen und Projekte vor, damit wir aufmerksam werden auf all die vielen Orte, an denen schon Aufbrüche stattfinden“, erklärte Pawellek den Grundgedanken der Veranstaltung. In der Haupthalle des Unternehmens begrüßten er und Landessuperintendent Hans Christian Brandy zum „Schichtbeginn“ die Besucher.

Gastgeber Cordes stellte den Betrieb, seine Geschichte und die Arbeit unter den heutigen anspruchsvollen Anforderungen vor. Zwei seiner Auszubildenden griffen auch gleich zu einigen Holzplatten und zeigten ihr Können mit der Handsäge: Bereits nach wenigen Minuten hatten sie aus dem harten Werkstoff ein passgenaues Holzkreuz „gezaubert“.

Unter dem Stichwort „Rohbau“ ging es in zwei Foren in die inhaltliche Vertiefung. Zu dem Thema „Wenn der Herr das Haus baut“ sprach Professorin Klara Butting, Pastorin der Hannoverschen Landes- kirche. Als außerplanmäßige Professorin an der Universität Bochum für Altes Testament leitet sie auch das Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung an der Woltersburger Mühle bei Uelzen. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift „Junge Kirche“ und Autorin zahlreicher Bücher.

Seniorchef Heinrich Cordes stellte das Geländes seiner Holzbaufirma den Kirchen zur Verfügung.

Butting spannte einen weiten zeitlichen Bogen von Kain und Abel, über Babylon und Jerusalem bis in die Gegenwart. „All diejenigen unter uns, die sagen, der Islam gehört nicht zu Deutschland, werden sich noch wundern, denn zu Gott gehören auch Musliminnen und Muslime. Ebenso das Leben von Menschen islamischen Glaubens, ihre Erfindungen, Taten und ihre Tränen bewahrt Gott in sich auf, damit sie als Baustein einer Welt auf Erden präsent sind“, erklärte sie.

Und fügte hinzu: „Weil Gott schon heute unter Menschen Raum gewinnt, entstehen unterwegs Räume aus Steinen und Brettern. Sie sind ein Zeichen der Hilfe, die wir erfahren haben, von geteiltem Brot und geteiltem Leid. Aus besonderen Erfahrungen erwachsen besondere Orte. Es sind Erfahrungsräume, die Gottes Nachhausekommen in die Welt vorwegnehmen.“

Zum Thema „Wegen Umbau geöffnet“ sprach im Forum 2 in der Cordes-Montagehalle der Priester Christian Hennecke. In den Erfahrungsberichten ging es unter anderem um regionale Zusammenarbeit an den Beispielen Fintel und Lauenburg. Vera Schmidt und Peter Himmelsbach aus Buxtehude beschäftigten sich mit dem Thema „Ehrenamt ist kein Ersatz – Wortgottesdienst und Beerdigungsfeiern“. Ungewöhnliches berichtete der Theologe Björn Völkers aus Visselhövede: Er hatte im vergangenen Jahr einen Gottesdienst in einem Oldenburger Tattoo-Studio organisiert.

Mittags hatten die Gäste Gelegenheit, an zahlreichen Ständen interessante Informationen einzuholen. Außerdem gab es eine Reihe von Aktionen und Erzählzelte luden Gäste zum Zuhören ein: lokale Geschichten von den Menschen vor Ort, die ihre Erfahrungen teilen wollten, über Pfarreien und Gemeinden, Kirchenkreise, Dekanate und über konfessionelle Grenzen hinaus.

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