Corona bedingte Einschnitte / Gottesdienst bei „YouTube“

Kirche setzt auf Kreativität

Simon Schumacher muss „The Messiah Projekt II“ – geplant für den 29. März – verschieben. Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so verwundert es nicht, wenn der Superintendent des Kirchenkreises Rotenburg sagt: „In dieser Situation werden wir viel Kreativität brauchen.“ Die Corona bedingten Einschnitte im Kirchenkreis und damit in allen Gemeinden sind massiv. Gottesdienste fallen aus, Beerdigungen gibt es nur noch im kleinen Kreis und ohne die obligatorischen Trauerfeiern in den Kapellen, Konzerte sowie Basare, Konfirmationen und Trauungen werden verschoben, und die persönlichen Besuche zu den Geburtstags- sowie Ehejubiläen fallen flach. „Das trifft uns sehr“, unterstreicht Michael Blömer.

Kirche, sagt Blömer, lebe von dem Miteinander der Menschen. Das sei zurzeit gestört. Daher sei nun nach Wegen zu suchen, genau das neu zu gestalten – über das Telefon oder auch das Internet. Der Superintendent deutet an, dass eine der Rotenburger Pastorinnen womöglich schon am Sonntag einen geistlichen Video-Beitrag auf der Internet-Plattform „YouTube“ veröffentlicht. Es gehe darum, gerade jetzt die Menschen nicht zu vergessen, die alleine leben.

„Grundsätzlich gelten für alle Kirchengemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises die Vorgaben und die Empfehlungen der staatlichen sowie kommunalen Behörden“, erklärt Blömer. „Aber auch das Gebot der Nächstenliebe verpflichtet uns als Kirche, alles uns Mögliche zu tun, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und damit Leben zu schützen.“ Man bewegt sich also auf einem schmalen Grat. Deswegen weist die Kirche darauf hin, dass die Pastoren sowie die Diakone für alle weiterhin telefonisch erreichbar und ansprechbar seien. Auch die Kirchenbüros – weitgehend geschlossen – seien zu erreichen. Über die Homepage des Kirchenkreises oder auch der einzelnen Gemeinden halte man aktuelle Informationen bereit. Zugleich weist Blömer auf die Angebote im Fernsehen und Radio hin. Gottesdienste und Andachten seien darüber zu verfolgen.

Aber was ist darüber hinaus sonst noch möglich? Blömer spricht von einer Ideenbörse, die für Antworten sorgen könnte. Gefragt seien eben kreative Ideen. Da gehe es um Gottesdienste im digitalen Angebot, um den Aufbau von Nachbarschaftshilfen in den Gemeinden und um geistliche Beiträge auf der Homepage.

Pastorin Amely Lißner macht sich bereits an diesem Wochenende auf den digitalen Weg. Weil die Gottesdienste in der Kirche nicht stattfinden können, plant sie, für diesen Sonntag eine Hausandacht beziehungsweise einen kleinen Gottesdienst in der Kirche aufzunehmen und den etwa 15-minütigen Beitrag am Sonntag um 10 Uhr auf der Video-Plattform „YouTube“ zu veröffentlichen. „Dieser Beitrag wird eine Lesung, Gebete und auch Musik von unserem Kantor Simon Schumacher beinhalten“, so Lißner. Außerdem werde sie ihre „Gedanken zum Sonntag“ auch mit Blick auf die aktuelle Corona-Krise zum Ausdruck bringen. Einen Link zum Video-Mitschnitt finden Interessierte pünktlich auf der Homepage des Kirchenkreises Rotenburg. Und weil Amely Lißner weiß, dass nicht alle die Möglichkeit haben, sich den digitalisierten Gottesdienst anzusehen, liegen die Texte ab Sonntagnachmittag in der Stadtkirche Rotenburg aus.

Denn: Wer mag, kann die offene Kirche weiterhin nutzen, um zu beten oder einfach zur Ruhe zu kommen – täglich von 10 bis 16 Uhr. Ganz so, wie es schon seit mehreren Jahren immer von März bis September angeboten wird. Dass die Stadtkirche geöffnet bleibt, hat die Dienstrunde am Mittwoch bestätigt hat – bis auf weiteres, wie es Kreiskantor Simon Schumacher mitteilt. Hinsichtlich der Hygiene-Vorschriften werde es entsprechende Hinweise für die Besucher geben.

Die Dienstrunde hat sich zurzeit natürlich mit den Auswirkungen der Corona´-Krise zu befassen, aber viele der sich daraus ergebenden Fragen klären die Beteiligten auch über Mitteilungsdienste wie WhatsApp. Blömer: „Da geht es momentan hin und her.“ Was geht, was nicht? „Wir ringen da um viele Feinheiten“, fügt der Superintendent hinzu. Man wolle eben weiterhin für die Menschen da sein – ohne sie allerdings zu gefährden. Viel Verständnis und Klarheit sei zu verspüren. Blömer: „Die meisten zeigen sich sehr einsichtig.“ Auch die, die in diesem Jahr eigentlich die Konfirmation feiern wollten und dafür schon einige Vorbereitungen getroffen haben. Betroffen von der Entscheidung, die Konfirmationen auf unbestimmte Zeit zu verschieben, sind in der Kirchenregion Rotenburg 64, in der Region Scheeßel, Lauenbrück und Fintel 114, in der Region Sottrum, Ahausen und Horstedt 74, in der Region Brockel, Kirchwalsede und Visselhövede 105 sowie in der Region Schnerverdingen und Neuenkirchen sogar 131 Jugendliche.

Traurig sind auch alle, die am „The Messiah Projekt II“ beteiligt sind, das am 29. März in der Rotenburger Stadtkirche zur Aufführung kommen sollte. Ein Projekt mit einem Etat von immerhin 25 000 Euro, erklärt Simon Schumacher. Es muss ebenfalls verschoben werden. Der Kantor hat bereits die Plakate dafür mit einem entsprechenden Zusatz versehen, aus dem hervorgeht, dass die bereits gekauften Eintrittskarten ihre Gültigkeit behalten. Zunächst einmal plant er nun, die nächste Probe für den 22. April anzusetzen. Ob das klappt, steht aber noch in den Sternen. Er ist aber hoffnungsvoll.

Anstoß zum Gebet

Aktuell sind die Kirchen geschlossen. Die Gemeinden versuchen dennoch, die Gläubigen zu erreichen. Mehrere Kirchen werden daher in den kommenden Wochen um 18 Uhr die Glocken läuten lassen und einladen, kurz innezuhalten und zu beten – und zwar in Ahausen, Brockel, Fintel und Kirchwalsede, in Lauenbrück, Sottrum, Visselhövede und Wittorf, in Rotenburg und Schneverdingen. Scheeßel ist ab Montag dabei. Das Läuten solle daran erinnern, „für was wir heute besonders dankbar sind, was uns schwer auf dem Herzen liegt, an wen wir voll Freude oder in Sorge denken“, so Pastor Matthias Wilke aus Kirchwalsede. Scheeßel beteiligt sich nicht, da die Glocken aktuell repariert werden.

Die Peter-und-Paul-Kirche in Schneverdingen bietet darüber einen Whatsapp-Dienst an. Jeden Tag soll es kurz vor 18 Uhr einen Impuls geben. Anmelden können sich Interessierte unter der Telefonnummer 0162 / 7420632.

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