Jubiläums-Feier für Karl-Ludwig Herzig

„Kirche muss politischer werden“

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Der 76-jährige Karl-Ludwig Herzig hat gestern in der Rotenburger Corpus-Christi-Kirche ein Jubiläum gefeiert. Vor genau 50 Jahren war er zum Priester geweiht worden. Als solcher war er zwar nie in Rotenburg tätig, aber mittlerweile lebt er in der Gemeinde.

Rotenburg  - Von Guido Menker. Zu Ehren von Karl-Ludwig Herzig hat die Rotenburger Corpus-Christi-Gemeinde am Freitagvormittag einen Eucharistie-Gottesdienst für und mit Karl-Ludwig Herzig gefeiert. Herzig ist 76 Jahre alt, lebt seit einigen Jahren in Wilstedt und wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Zwar war er nie als Pfarrer in Rotenburg tätig, aber nachdem er 2007 in den Ruhestand gegangen war, hat er bis vor einem Jahr in seiner Heimatgemeinde als Helfer gewirkt.

„Es hat viel Bewegung und Veränderungen in der katholischen Kirche gegeben“, sagt der Jubilar bei einem Blick zurück auf die vergangenen 50 Jahre, während die Teilnehmer der Heiligen Messe sowie der Corpus-Christi-Pfarrer Stefan Reinecke auf ihn im Gemeindehaus warten, um diesen Tag zu feiern. Die gesamte Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten habe ihn sehr bewegt, und die Kirche gefalle ihm heute besser als damals. Herzig: „Eigentlich habe ich mich vor 50 Jahren mit der katholischen Kirche verheiratet und habe heute goldene Hochzeit.“

Herzig spricht von einer Öffnung und von einem Dialog mit der Welt. Der Jubilar sehe eine neue Darstellung des Glaubens und eine Befreiung aus alten Strukturen. Es sei ihm aber zu einfach, auf die Frage nach den sinkenden Zahlen der Kirchenmitglieder mit der Forderung nach einer weiteren Öffnung zu antworten. „Es geht um eine fundamentale Frage: Glauben oder Nichtglauben.“ Dabei wolle die Kirche nicht stromlinienförmig daher kommen, sondern eher „Stein des Anstoßes“ sein, erklärt der 76-Jährige. Und er fügt hinzu: „Kirche muss politischer werden.“ Dabei gehe es aber keineswegs um Parteipolitik, sondern um Werte für alle Menschen. „Wir müssen Partei ergreifen für Arme, für Frieden, Gerechtigkeit und die Umwelt – und dabei müssen wir raus aus den eigenen Mauern.“

Das alles sagt Karl-Ludwig Herzig als Pfarrer im Ruhestand. Aber dennoch sei er nach wie vor sehr nah dran am Geschehen. „Dabei bedauere ich es ein wenig, nicht mehr direkt mitgestalten zu können.“ In diesem Zusammenhang denkt der Jubilar an seine Stationen in den vergangenen 50 Jahren. Er denke gerne an die Stationen seines Weges – als Kaplan und Religionslehrer in Duderstadt, als Bezirksvikar und Jugendseelsorger in Springe und Bad Münder, als Pastor in Mandelsloh, in Hemmoor und Lilienthal sowie an die Jahre im „Vor“-Ruhestand in Wilstedt. Jetzt blieben Glaube, Hoffnung und Liebe.

Im Vertrauen auf Gottes Hilfe habe er damals gesagt: „Hier bin ich.“ Und zwar ohne zu wissen, wohin ihn der Wege führt. „Nun blicke ich dankbar zurück und denke an die vielen Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, an alle, die mir geholfen haben, an viele wundervolle Begegnungen, an gemeinsame und einsame Wege.“ Aber er denkt auch an schmerzliche Erfahrungen und Umwege, sagt Karl-Ludwig Herzig.

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