Kinderpsychiater scheitert erneut 

Fall Bernhard Prankel: Landesarbeitsgericht gibt Diakonieklinikum nach Kündigung Recht

Die Akte Prankel wird geschlossen – zumindest, was die Kündigung durch das Diakonieklinikum betrifft. Foto: Krüger
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Die Akte Prankel wird geschlossen – zumindest, was die Kündigung durch das Diakonieklinikum betrifft.

Rotenburg/Hannover – Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg hat endgültig Recht bekommen. Der öffentlich viel beachtete Arbeitsgerichtsprozess gegen den im Sommer 2018 entlassenen Kinderpsychiatrie-Leiter Dr. Bernhard Prankel ist am Dienstag vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover zu Ende gegangen. „Die außerordentliche Kündigung war wirksam“, bestätigte Gerichtssprecher Timm Ole Trapp auf Nachfrage.

Das hatte auch schon das Arbeitsgericht Verden im vergangenen Jahr entschieden. Doch Prankel hatte mit seinen Anwälten Revision eingelegt – und ist gescheitert. Auch eine Abfindung wird es damit, wie einst in Verden angeregt, nicht geben. Der Streitwert der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung war dort auf 417 727,13 Euro beziffert worden.

Prankel, der 18 Jahre lang Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJP) in Unterstedt war, hatte sich gegen die Kündigung gewehrt, die im Juli 2018 ausgesprochen worden war. Bei den Vorwürfen gegen den damals 59-Jährigen ging es um den fragwürdigen Umgang mit Mitarbeitern, falsche Medikamentengabe, mögliche fachliche Versäumnisse, fehlende Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und die Missachtung gerichtlicher Anordnungen. Prankel hat vor Gericht stets sämtliche Punkte bestritten.

Das Arbeitsgericht in Verden hatte sich allein auf den „Fall Tobias“ gestützt, der für die Kündigung ausreichend gewesen sei. Prankel hatte dabei gegen die Weisungen des zuständigen Jugendamts einen gewalttätigen 14-Jährigen aus Celle über die Feiertage zu seiner Familie entlassen, hieß es. Das reichte dem Landesarbeitsgericht aber nicht aus. Am Dienstag wurden in einem zweiten Verhandlungstag weitere Zeugen gehört. Laut Trapp ging es unter anderem um die unrechtmäßige Unterbringung eines Patienten für vier Tage in einem Isolationszimmer und die fehlende Aufklärung bei der Gabe von Medikamenten. Daraus habe sich ein Bild ergeben, das die Vorwürfe bestätigte und für die fristlose Kündigung ausreichend sei. Eine Revision sei nicht mehr zulässig. Diako-Unternehmenssprecher Matthias Richter zeigte sich nach dem Urteil sehr erleichtert. Für Mitarbeiter und vor allem die jungen Patienten seien nun die letzten Unsicherheiten beseitigt. Nun könne nach vorne geschaut werden: „Wir haben die Klinik personell und strukturell neu aufgestellt, wofür wir viel Lob bekommen.

Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Prankel dauern indes an. „Es wird wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit der Off-Label-Vergabe von Medikamenten ermittelt. Untersucht wird zudem der Suizid einer Patientin“, heißt es von Marcus Röske, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Ob es zur Anklage kommen wird, ist offen: „Wann und mit welchem Ergebnis die Ermittlungen abgeschlossen werden, kann nicht gesagt werden.“

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