Kindergartenleiterin Laura Brandes berichtet, wie die Einrichtung Flüchtlingskinder integriert

„Vertrauen ist der Grundstock“

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Laura Brandes und ihr Team vom Kindergarten Immenkorf in Waffensen kümmern sich derzeit auch um Kinder mit Fluchterfahrung.

Waffensen - Von Inken Quebe. Die vermehrte Ankunft von Flüchtlingen und Asylbewerbern stellt derzeit viele im Landkreis Rotenburg vor bisher ungekannte Herausforderungen – auch die Kindergärten und Schulen müssen sich umstellen. In der Einrichtung Immenkorf in Waffensen klappt das schon ganz gut, wie die Leiterin Laura Brandes berichtet.

Im Frühjahr war es in Waffensen soweit: drei Kinder galt es, zusätzlich im Kindergarten aufzunehmen. Und das dreiköpfige Team hatte nicht lange Zeit, sich auf die neue Situation vorzubereiten: „Wir haben recht kurzfristig davon erfahren.“ Es sei bis etwa zwei Wochen vor der Ankunft nicht klar gewesen, wann die Kinder, die alle aus Montenegro stammen, wie sich später herausstellte, dazustoßen würden.

Doch das war nicht das einzige, was für Unsicherheit sorgte: „Wir wussten auch nicht genau, was uns erwartet. Was hat die Familie erlebt? Woher kommen sie? Benötigen sie ärztliche Hilfe?“, erklärt Laura Brandes weiter. Der 29-Jährigen und ihrem Team sei wichtig gewesen, „dass wir die Kinder und ihre Eltern willkommen heißen und ihnen Unterstützung zusichern“.

Brandes, die seit gut zweieinhalb Jahren in der Einrichtung in Waffensen tätig ist, profitierte in dieser Situation aus ihrer Berufserfahrung: Vorher hatte sie einem Kindergarten in einem sozialen Brennpunkt in Kiel geleitet. Auch dort galt es, Kinder mit Migrationshintergrund in den Alltag zu integrieren und ihnen zu helfen, sich zurechtzufinden.

Als die „neuen“ Kinder schließlich da waren, gab es mit den Eltern zunächst ein Aufnahmegespräch – jedoch ohne Dolmetscher. Mit Händen und Füßen musste Brandes die Eckdaten herausfinden. Gibt es Ausweise? Sind die Kinder gesund? Außerdem habe Brandes signalisieren wollen, die Kleinen erst ankommen lassen zu wollen.

Im Alltag sah das zu Beginn häufig so aus, dass die Erzieherinnen die Neuankömmlinge einfach haben zugucken lassen. Denn: „Oft ziehen sie sich erst zurück“, berichtet Brandes. Das sei durchaus normal, schließlich sei es für die Kinder eine völlig neue Situation fernab von Eltern und Heimat. Brandes und ihre Kolleginnen reagierten verständnisvoll: „Wir haben ihnen dann gezeigt, dass das in Ordnung ist.“ Die Erzieherinnen nahmen behutsam Kontakt zu ihnen auf, berichtet sie. Sie haben den Dreien einfach durch Gesten gezeigt, dass sie mitmachen können, wenn ihnen danach ist.

Ihre Erfahrung zeigt Brandes: „Vertrauen ist der Grundstock.“ Nicht nur in Bezug auf die Kinder, sondern auch auf ihre Eltern. Da bringt die sprachliche Barriere erst einmal Schwierigkeiten mit sich. „Deshalb waren wir froh, dass wir bei einem weiteren Familiengespräch einen Dolmetscher dabei hatten. Da konnten wir ihnen noch einmal sagen: ‚Wir wollen, dass ihr euch wohlfühlt, egal wie lange ihr bleiben könnt‘“, berichtet Brandes. Die Rückmeldung der Eltern sei positiv gewesen. Auch dass sich viele der anderen Mütter und Väter einsetzen, um die Familie in den Kindergartenalltag einzubeziehen, freue sie: „Sie wissen die Unterstützung zu schätzen.“

Die Bereitschaft der anderen Eltern zu helfen, sei groß. Sie haben viele Dinge für die Familie gespendet, damit die Kleinen einen „normalen“ Kindergartenalltag haben, zum Beispiel Gummistiefel.

Inzwischen machen die Drei große Fortschritte, auch die sprachliche Barriere nehme immer weiter ab, berichtet die Leiterin der Einrichtung. Eines von ihnen ist im Sommer schon auf die Außenstelle Waffensen der Kantor-Helmke-Schule gewechselt. Auch von dort vermeldet Rektorin Catrin Cramme viele positive Fortschritte: „Der Junge ist gut angekommen und in der Klasse integriert.“

Laura Brandes kann sich zudem vorstellen, dass ihre Einrichtung noch mehr Flüchtlingskinder aufnimmt – sofern Plätze frei sind. Doch mit einem kann sie sich nicht anfreunden: Der Begriff „Flüchtling“ hat für sie einen negativen Beigeschmack: „Ich sage lieber: Mensch mit Fluchterfahrung.“

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