Landkreis gibt Jägern mehr Befugnisse

Afrikanische Schweinepest: Keine Schonzeit mehr für Wildschweine

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Auch weibliche Wildschweine – Bachen – dürfen jetzt weiter gejagt werden. Die Schonzeit wurde aufgehoben, um den Bestand der Tiere in Zeiten der drohenenden Seuche zu reduzieren.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Zahl der Wildschweine soll auch im Landkreis Rotenburg vor dem Hintergrund eines drohenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) drastisch verringert werden. Die Kreisverwaltung hat dazu die Schonfrist für Schwarzwild in diesem Jahr aufgehoben. Auch Keiler und mehrjährige Bachen dürfen damit ab Februar weiter geschossen werden. Ob das ausreicht, um die Seuche auf dem Weg Richtung Westen aufzuhalten, bleibt abzuwarten.

Kreisveterinär Joachim Wiedner hatte am Wochenende im Interview mit der Kreiszeitung erneut betont, dass die Frage nicht ist, ob die ASP kommt, sondern nur noch wann. Gegen die Infektionskrankheit, die bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet, für Menschen aber unbedenklich ist, gibt es keine wirksamen Medikamente. In den vergangenen Wochen traten vermehrt Fälle in Osteuropa auf. 

In Polen gab es zwischen Ende November und Anfang Januar nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts 279 neue Fälle bei Wildschweinen. Auch wenn der Mensch durch achtlos weggeworfene Lebensmittel viel mehr zur Verbreitung beitrage, geraten nun die Wildschweine als Überträger in den Fokus. „Ziel der Aufhebung der Schonzeit ist, den Schwarzwildbestand nach Möglichkeit drastisch zu senken. Hierdurch erhofft man sich, dass die Wildschweine weniger Kontaktmöglichkeiten untereinander haben und somit die Weitergabe deutlich verringert wird“, so Kreissprecherin Christine Huchzermeier.

Aufhebung der Schonfrist ermöglicht Drückjagden

„Die Ausdünnung ist sinnvoll“, bestätigt Kuno Kumpins, Sprecher der Jägerschaft Rotenburg. Allerdings sei das, was der Bauernverband erst kürzlich gefordert hat, „falsch“ und „Blödsinn“. Denn der Ruf der Landwirte, die sich um ihr Vieh sorgen, nach einem Abschuss von 70 Prozent der Bestände, basiere auf dem Szenario eines Ausbruchs der Schweinepest vor Ort – und nicht auf Prävention. 

Sowieso wäre das durch die Jäger kaum zu leisten. Die Jagd auf die nachtaktiven Tiere sei schwierig, gerade die weiblichen Tiere seien sehr schlau – diese würden sich schnell merken, zu welchen Zeiten Jäger unterwegs sind und dann die Gebiete meiden. Kumpins: „Wir haben sowieso nur die Möglichkeit, bei entsprechend hellen Mondphasen oder in der Morgendämmerung zu jagen.“ Mit der Aufhebung der Schonfrist könnten allerdings auch nun noch Drückjagden durchgeführt werden, um den Bestand zu dezimieren – was wiederum einen großen Organisationsaufwand bedeute. Nicht jeder berufstätige Jäger schaffe das.

Länder loben Prämien aus

„Die Jäger werden aufgerufen, die Schwarzwildbejagung nochmals zu intensivieren und über den Januar hinaus alle nichtführenden Stücke zu erlegen um das gesteckte Ziel der Ausdünnung möglichst zu erreichen. Weiterhin sollte der Jäger sein Jagdrevier regelmäßig kontrollieren, um verendete Wildschweine zu finden und sofort den zuständigen Behörden melden“, so Sprecherin Huchzermeier. 

Ausdrücklich wird im Schreiben an die Revierinhaber, das vom Landkreis im Namen von Kreisjägermeister Hermann Gerken verschickt wurde, darauf hingewiesen, dass „Elternschutz und die Waidgerechtigkeit auch bei schärfster Bejagung gewahrt bleiben“ müssten. Muttertiere dürfen nicht getötet werden. Um die Bereitschaft der Jäger zu steigern, mehr Zeit zu investieren, haben Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bayern bereits Prämien ausgelobt. In Niedersachsen sollen im Nachtragshaushalt 3,5 Millionen Euro zur Bekämpfung der ASP verankert werden, unter anderem ist eine Prämie für Hundeführer bei Drückjagden im Gespräch. 

Population an Wildschweinen deutlich gestiegen

Kumpins erwartet nicht nur durch die Aufhebung der Schonzeit für die Region deutlich steigende Zahlen in diesem Jagdjahr. Denn auch die Population an Wildschweinen sei deutlich gestiegen. Selbst wenn es keine Zählungen des Bestandes gibt, so spricht doch der Streckenbericht der unteren Jagdbehörde eine deutliche Sprache. Die Zahl der geschossenen, bei Unfällen gestorbenen oder verendet gefundenen Tiere ist von 1 427 im Zeitraum von April 2013 bis Ende März 2014 auf zuletzt 2 262 in den Jahren 16/17 gestiegen.

Sollte es zu ASP-Ausbrüchen in der heimischen Wildschweinpopulation kommen, so hätte dies „verheerende wirtschaftliche Konsequenzen für den Schweinefleischmarkt“, heißt es von der Bauernschaft. 510 Mastbetriebe gibt es kreisweit, dazu Zucht- und Mischbetriebe. Das macht nach Landkreisangaben 460.000 Schweine.

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