Flughafen-Betreiber verweigern Miete

Keine Plattform für Rocker: Rotenburg bremst Race Days aus

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Dieses Bild wird es aus Rotenburg nicht mehr geben. Die Race Days sind Geschichte. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Race Days wird es nicht mehr in Rotenburg geben. Zehn Mal hat das spektakuläre Motorsport-Event auf dem Flugplatz seit 2004 stattgefunden, nun soll Schluss sein. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und der Hausherr, die Flugplatz Rotenburg Wümme GmbH, haben sich auf eine Nicht-Genehmigung geeinigt. Ausschlaggebend für die Entscheidung sollen vor allem Beziehungen der Veranstalter ins Rockermilieu sein.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Bremer Kfz-Meister Sven Klut als Mitglied der „Dutch Hot Rod Association“ (DHRA) gegenüber der Kreiszeitung bestätigt, die Organisation vom Rotenburger Gastronom Matthias Müller übernommen zu haben. Als Termin der diesjährigen Race Days wird seitdem das Wochenende vom 16. bis 18. September genannt. Doch den wird es nicht geben, sagt jetzt auch Klut: „Rotenburg ist für uns gestorben.“ Es werde in diesem Jahr auch keinen Ausweichtermin für die DHRA-Rennsaison geben. Klut bedauert das und sieht dafür allein Bürgermeister Weber verantwortlich: „Er hat alles dafür getan, die Race Days zu verhindern.“

Fliegen statt Fahren

Als Grund nennt dieser eine „Zweckentfremdung des Flugplatzes“. Dieser sei zum Fliegen und nicht zum Fahren da. Die Landebahn werde durch die Dragster-Rennen auf der Apshaltstrecke in Mitleidenschaft gezogen, die Lärmbelästigung der Anwohner sei hoch, die Abgase überflüssig. Weber: „Mann muss sich fragen, ob so eine Veranstaltung noch zeitgemäß ist.“ Anders als zum Beispiel beim Ferdinands Feld Festival sei der Flugplatz ein komplettes Wochenende lahmgelegt. Von den Race Days habe in Rotenburg niemand profitiert.

Trotzdem zog das Spektakel über die Jahre zehntausende Besucher an. „Haus am Luhner Forst“-Gastwirt Matthias Müller hatte die Race Days einst ins Leben gerufen, sie nach der letztjährigen Auflage aber für sich beerdigt. Es habe sich einfach nicht mehr gelohnt, die Veranstaltung warf keinen Gewinn ab, so die schlichte Begründung. Zudem vermisste Müller die Unterstützung der Behörden: „Die Stadt Rotenburg und der Bürgermeister wollten die Veranstaltung nicht haben“, sagte auch er.

Im Hintergrund stehe das Rocker-Milieu

Die tatsächlichen Gründe, die die Geschäftsführer des Flugplatzes jetzt dazu bewogen haben, die erneute Vermietung des Geländes abzusagen, gehen aber über die „Zweckentfremdung“ hinaus. Peter Drewes, einer der federführenden Betreiber, bestätigt, dass Weber insbesondere aufgrund „dubioser Beziehungen“ der Race Days interveniert habe. „Wir hätten eine Durchführung erzwingen können, wollten es aber nicht gegen die Stadt“, so Drewes. Zwar sei bislang nie etwas passiert und alles stets ruhig verlaufen, aber die Stadt wollte eben keine „Hells Angels“ im Sicherheitsdienst oder an anderer verantwortlicher Position. Auf Nachfrage bestätigt auch Weber seine Bedenken, dass „im Hintergrund das Rocker-Milieu“ eingebunden sei.

Neu-Veranstalter Klut bestreitet gar nicht, dass es zumindest in der Vergangenheit „Verbindungen“ gab. Doch das sei mit dem neuen Konzept, das direkt von der niederländischen Motorsportorganisation getragen werde, vorbei. Klut: „Es geht um Race Days, nicht um Rocker.“ Dieses Image könne man sich gar nicht leisten, es laufe auf den anderen DHRA-Rennplätzen stets alles „in geregelten Bahnen“. Die zunächst sehr positive Unterstützung durch das Ordnungsamt der Stadt und die Flugplatz-GmbH sei nach Webers Einspruch aber hinfällig geworden. 2. 000 Euro, die in bisherige Marketingmaßnahmen gesteckt worden waren, seien nun futsch.

Auf doppelt so viel Geld verzichtet der Flugplatz. Auf knapp 4 000 Euro beziffert Drewes die nun nicht an die Gesellschaft fließende Platzmiete. Zu 40 Prozent sind an dieser übrigens auch die Rotenburger Stadtwerke beteiligt.

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