Anliegerversammlung zu BBS-Plänen für Lehrerparkplatz

„Keine kreative Lösung!“

Das Problem ist offensichtlich: Der Parkplatz ist zu klein. Die Lösung mit neuen Stellflächen für die BBS-Lehrer auf einer bisherigen städtischen Grünfläche ist aber ebenso aber umstritten. Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Nach nahezu zweieinhalb Stunden im großen Ratssaal in Rotenburg stellt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) fest, dass Anhörungen mit unmittelbar Betroffenen immer problematisch seien. Diese, am Mittwochabend, sei aber insgesamt sehr sachlich abgelaufen. Immerhin.

Gut 70 Gäste waren anwesend: Bewohner aus dem Wohnbereich Gut Gothard- Castorstraße-Eurobau und recht viele Vertreter des Stadtrats. Geplant ist ein Parkplatz für Lehrer der Berufsbildenden Schulen (BBS) an der Castorstraße. Eine dortige Grünfläche mit einem wenig gepflegten und genutzten Spielplatz soll entsprechend umgebaut werden. Die Pläne waren im Einvernehmen von Landkreis, Stadt und der Schule selbst „mühevoll“, wie es heißt, erarbeitet worden, hatten öffentlich ausgelegen und sollten nun diskutiert werden.

Dabei stellte, nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Kreisrat Sven Höhl als Vertreter des Schulträgers zunächst anhand diverser Grafiken vor, worum es ging. Murmelnde Zustimmung gab es für die Gestaltung einer neuen barrierefreien Bushaltestelle direkt vor der BBS. Dadurch würden allerdings einige bisher den Lehrern vorbehaltene Parkplätze wegfallen, für die nun Ersatz geschaffen werden müsse. „Bereits 1995“, so Höhl, habe man diesen Bedarf „angemeldet“, vor 20 Jahren auch schon mal den Versuch gestartet, „gut 100 Parkplätze auf dem jetzigen Sportplatz zu errichten“. Es habe auch immer wieder Gespräche mit einem benachbarten Industriebetrieb gegeben. Alles habe nicht zum Erfolg geführt. Da das Fahrzeugaufkommen („Heute macht fast jeder Schüler mit 18 den Führerschein und kommt mit dem Auto“) erheblich gestiegen sei, müsse man handeln.

Christina Kreijkes vom Amt für Gebäudemanagement beim Landkreis stellte dann die Parkplatzpläne vor: 50 Stellplätze ausschließlich für Lehrer sollen an der Castorstraße entstehen; veranschlagt mit etwa einer Million Euro. Schlagbaum, Zugangskarte und auch eine überwiegend geschlossene Zugangstür zum Schulgelände würden dafür sorgen, dass nur Berechtigte hier parken. Eine von etlichen Anliegern stattdessen vorgeschlagene Parkpalette auf dem jetzigen Parkplatzgelände sei „höchst problematisch“. Die Fläche sei zu klein, die Kosten für den Bau etwa fünfmal so hoch wie bei einem ebenerdigen Parkplatz.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Planer und Anlieger von ziemlich unterschiedlichen Auffassungen ausgehen: Die Vertreter von Stadt, Kreis und Schule sind der Meinung, dass sich die Park- und Verkehrssituation rund um die BBS damit entspanne, die Anlieger vermuteten exakt das Gegenteil. „Schon jetzt“ sei insbesondere die Castorstraße täglich „zugeparkt“, argumentieren diese. Sie sei vor allem vor Schulbeginn eine Hauptverkehrsstraße für viele Schüler auf dem Weg in die Gerberstraße, kleine Kinder könnten jetzt schon nicht mehr gefahrlos dort unterwegs sein (zumal auch der Fußweg dort desolat wäre), „und da wollen Sie noch zur gleichen Zeit mindestens 50 weitere Autos zulassen“. Wobei nicht geklärt sei, ob tatsächlich nur 50 kämen oder aber der veranlasste Suchverkehr deutlich zunähme. Auch sähe man die Abfahrt auf die Bundesstraße bei Schulschluss sehr kritisch.

Vorschläge kamen, das Wohngebiet ganz für Nicht-Anwohner als Parkbereich zu schließen, einen im vorderen Bereich der Castorstraße liegenden Eichenhain zum Parkplatz umzubauen und nicht zuletzt den Schülern der BBS mal grundsätzlich mitzuteilen, wie sie zu parken hätten. Schulleiter Hertz-Kleptow wies das weit von sich: „Ich kann nicht den Unterricht erweitern mit dem Thema: Wie parke ich richtig?“ Er sehe die Probleme, benötige aber unbedingt Parkplätze für sein Kollegium von immerhin 150 Lehrern. Ein Anwohner daraufhin: „Sie haben die Lehrer im Blick. Wir als Anwohner haben aber jetzt schon Probleme mit dem Verkehr und den parkenden Autos“.

Clemens Bumann, Rotenburger Stadtplaner, wurde dahingegen nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er davon ausgehe, hier grundsätzlich eine „Entlastung“ zu schaffen. Die diesbezüglich Ungläubigen im Saal waren deutlich in der Mehrheit. Dass für den Parkplatz „30 bis 40 große Bäume“ gefällt werden müssten, würde man, so Bumann und Kreijkes, durch „gezielte Wiederaufpflanzungsarbeiten“ ausgleichen können. Fast abschließend bemerkte ein Teilnehmer, dass er nicht verstehen könne, „wieso die Stadt für sehr viel Geld eine privilegierte Lösung für eine kleine Minderheit unterstütze.“ Beifall der Anwohner.

Die Verantwortlichen werden das Thema nun in den politischen Gremien weiter behandeln. Vor Herbst, so Andreas Weber, könne es ohnehin nicht losgehen. Es war überwiegend sachlich geblieben an diesem Abend, die Bemühungen der Planer waren deutlich zu spüren; überzeugen konnten sie offensichtlich nicht. Ekkehard von Hoyningen-Huene, Ratsherr der Grünen, meinte dann auch zum Schluss: „Das ist keine kreative Lösung. Wir werden dem nicht zustimmen.“

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