Wahlkampf wird sehr ernstgenommen

Keine halben Sachen mit Landratskandidat Marco Prietz

Marco Prietz zeigt Tickets von Konerzten, die er schon besucht hat.
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Marco Prietz liebt Musik. Viele Konzerte und Festivals hat er bereits besucht.

Rotenburg – Wenn Marco Prietz am Samstag in Bremervörde seine 13-tägige Sommertour beendet und auf den Tacho seines Autos schaut, werden noch einmal einige hundert Kilometer dazu gekommen sein. „Rund 10 000 Kilometer waren es bislang schon“, sagt der 33-jährige Landratskandidat der CDU, die er als Kandidat im Auto verbracht hat. Seit einem Jahr befindet er sich im Wahlkampf – und den nimmt er nach wie vor sehr ernst, während für viele Beobachter die Sache eigentlich schon gelaufen ist. „Nein“, sagt Prietz, „klar ist es erst am 12. September.“ Was soll er auch anderes sagen?

Lange Zeit war Marco Prietz allein auf weiter Flur mit Blick auf die Wahl des neuen Landrats. Schon vor anderthalb Jahren hat er sein Interesse bekundet. Im September vergangenen Jahres dann folgte die Nominierung. SPD und Grüne wollten gemeinsam einen Kandidaten ins Rennen schicken, haben sich damit bis ins Frühjahr Zeit gelassen. Volker Harling indes musste nach nur wenigen Wochen wieder die Segel streichen. Aus gesundheitlichen Gründen, hieß es. Prietz stand wieder alleine da – bis sich im Juli Gabriele Hornhardt („Bürgerliste Landkreis Rotenburg – Deine Meinung zählt!“) und Stefan Klingbeil (Die Linke) entschieden haben, ihm im Wahlkampf Paroli zu bieten. Viel zu sehen und zu hören ist von ihnen nicht. Ihre Zeit ist knapp, um die erforderliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Gründe, die vielleicht zu der eindeutigen Einschätzung einer Reihe von Beobachtern führen. Doch Prietz lässt sich nicht beirren: „Die Mitbewerber muss man immer ernst nehmen, auch wenn ich optimistisch bin.“

Den Wahlabend will Marco Prietz zunächst im Kreishaus in Rotenburg verbringen, um dort auf das Ergebnis der Landratswahl zu warten, die zuerst ausgezählt wird. Danach geht es zu den Parteifreunden in den Biergarten beim „Haus am See“ in Bremervörde. Einen Erfolg vorausgesetzt, will er nur zwei Tage später das Gespräch mit Kreiskämmerer Sven Höhl suchen – „schließlich kommt gleich im November der Entwurf für den neuen Haushalt auf den Tisch“. Das klingt nach einem Plan.

Ein Plan liegt auch dem Wahlkampf zugrunde, sagt Prietz. Der sei im Dezember fertig gewesen. Online-Formate, viele Besuche sowie jetzt die Sommertour durch sämtliche 13 Städte und (Samt-)Gemeinden. „Der Ausstieg von Volker Harling hat für mich nichts geändert.“

Vielleicht liegt das auch an dem Respekt, den er mit Blick auf das Landratsamt verspürt. „Es geht um einen Etat von mehr als 300 Millionen Euro und um die Verantwortung für rund 1 000 Mitarbeiter“, unterstreicht Marco Prietz die Größenordnung, die sich allerdings nicht nur in Zahlen ausdrücken lässt. „Das große Ganze ist wichtiger als man selbst“, fügt er hinzu. Das gelte für den Landrat ebenso wie für die Politik. „Es geht nicht darum, persönliche Befindlichkeiten zufriedenzustellen.“ Ein professioneller Umgang sei angesagt. Er sei kein Freund davon, halbe Sachen zu machen – nicht in der Politik, nicht im Beruf und auch nicht im privaten Bereich.

Als Jugendlicher hat er seine erste Gitarre bekommen. Der Ehrgeiz hat ihn getrieben. „Ich habe mir die Finger blutig gespielt.“ Immerhin hat er mit seiner Band auch einige Konzerte gespielt. Und das, obwohl „uns eigentlich ein guter Sänger gefehlt hat“.

Der professionelle Umgang mit der Kandidatur fordert ebenfalls seinen Tribut. Viel Zeit für seine Frau Melanie und die beiden Kinder bleibt zurzeit nicht. „Aber es war ganz wichtig, schon sehr früh zu sagen, dass ich kandidieren will.“ Der Landkreis ist groß, die Menschen sollen wissen, wer dieser Marco Prietz eigentlich ist und wie er so tickt.

Geboren und aufgewachsen ist er in dem 500-Seelen-Dorf Hönau-Lindorf bei Bremervörde. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von einem Leben dreier Generationen unter einem Dach. „Das hat mich sehr geprägt“, betont der Metal-Fan. Familie sei auch heute für ihn noch von größter Bedeutung. Das Vereinsleben gehörte ebenfalls dazu – er mischte nicht nur bei den Schützen des Dorfes, sondern als Tischtennisspieler und Fußballer im Sportverein mit und engagierte sich bei der Feuerwehr.

„Die Zeit bei der Feuerwehr war für mich sehr lehrreich“, sagt er bei einem Cappuccino. Da sei ihm klar geworden, wie sich andere in bestimmten Situationen eben auch auf ihn verlassen. Sein Einsatz beim Elbhochwasser „war eine Erfahrung fürs Leben“. Es sei ganz entscheidend zu erfahren, wie wichtig es sein kann, sich unterzuordnen. Es geht eben immer wieder um das große Ganze.

So war es auch 2017, als Prietz und der CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann für die CDU in den Landtag wollten. „Da waren 800 Mitglieder im Saal. Ich wusste, dass ich verliere. Aber hinterher war es für mich selbstverständlich, Marco Mohrmann meine volle Unterstützung zuzusagen. Da muss man professionell drüber stehen.“

Mit einer professionellen Einstellung geht er jetzt in Richtung Landratswahl, das Ziel dabei fest im Blick. „Es geht um das höchste Amt in der Kommunalpolitik“, unterstreicht er. „Da läuft alles zusammen, und ja, es ist gut dotiert.“ Der Verwaltungsexperte ist sich der Aufgabe bewusst. Der Landrat ist eben nicht nur Chef einer großen Verwaltung, sondern er ist Taktgeber und auch in einem politischen Amt gefordert. „Das muss es auch sein, und deshalb werde ich es auch so ausführen.“ Schließlich habe der Bürger – Prietz spricht vom Kunden – entsprechende Erwartungen. Er sei also nicht neutral und auch nicht derjenige, der einfach nur Gesetze umsetzt.

Sollte er die Wahl gewinnen, will er sich zunächst einen Bericht zum Thema Katastrophenschutz geben lassen, um zu erfahren, „wie wir hier eigentlich aufgestellt sind“. Danach will er sich einen Überblick rund um das Thema Afrikanische Schweinepest verschaffen. Ein Plan.

Gewinnt Prietz, wird er der jüngste Landrat in Niedersachsen sein. Gerade erst 33 Jahre alt, hat es schon Rufe aus Hannover und Berlin gegeben. Doch Prietz winkt ab, will Landrat werden – nicht nur für eine Amtsperiode. Seine politischen Ämter in der CDU hat er bewusst niedergelegt, denn er will kooperieren – auch mit den anderen im Kreistag. Wenn auch nicht mit allen: „Mit der AfD und der Linkspartei wird es keine Zusammenarbeit geben.“ Sie hätten ihre Rechte und Pflichten – auf sie zugehen wolle er nicht.

Es riecht nach einem Generationswechsel im Kreishaus. „Wir müssen uns attraktiver präsentieren und offener kommunizieren“, ist sich der CDU-Mann sicher. Seine Erfahrungen bringt er als Leiter des Amtes für Kreisentwicklung im Osterholzer Kreishaus mit. Dort war er zuvor fünf Jahre Pressesprecher. Im Auge habe er die Akzeptanz der Bürger für das Handeln im Kreishaus. „Sonst gibt es Frust.“ Zugleich müsse der Landkreis ein attraktiver Arbeitgeber sein, um die besten Leute zu bekommen. Der Fachkräftemangel mache sich auch in der Verwaltung bemerkbar. Mehr Personal müsse ins Bauamt sowie in die Wirtschaftsförderung. „Wir haben einen Verfahrensstau im Bauamt, und die Wirtschaftsförderung hat einen hohen Stellenwert.“ Zugleich hat Prietz den Dauerbrenner Mobilfunk im Visier – „mega unprofessionell“ sei der Landkreis da aufgestellt. „Das scheitert aber nicht am Geld, sondern an den Verfahren.“

Der Generationswechsel: Früher war von Rechtmäßigkeit als Leitplanke die Rede in der Verwaltung, dann ging es um Wirtschaftlichkeit, weiß Prietz. Künftig müssten Bürgerfreundlichkeit und Kundenorientierung im Mittelpunkt stehen – auf auch digital funktionierenden Wegen. Aber: Wenn Prietz gewinnt, will er sein Handy im Oktober ein paar Tage aus ausschalten und „durchatmen.“

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