Gar kein Müll

Eine Sulo-Tonne mit einem abgerundeten Leistenkamm wie in der Grafik (l.) sucht der Wanzlebener.

Es ist ein ungewöhnliches Hobby, dass Alexander Smoljanovic verfolgt: Er sammelt Mülltonnen – spezielle Modelle, die es nicht lange gab und teilweise nirgends mehr zu bekommen sind. Jetzt sucht er eine bestimmte Tonne im Landkreis Rotenburg.

Rotenburg – Meint er das ernst? Ein 20-Jähriger, der Mülltonnen sammelt? Das werden sich in den vergangenen Tagen sicher einige Menschen aus der Kreisstadt und umzu gefragt haben, die eine Such-Anfrage nach einer bestimmten Sulo-Tonne in den Rotenburger Facebookgruppen entdeckt haben. Ja, er meint das ernst. Alexander Smoljanovic aus Wanzleben in Sachsen-Anhalt sammelt seit fünf Jahren besondere Mülltonnen. Nicht nur Miniaturen, sondern auch normalgroße Behälter, die jeder vor seiner Haustür stehen hat. Eine davon hofft er nun im Landkreis Rotenburg zu finden, denn 1977 könnte diese laut Hinweisen, die ihn erreicht haben, in der Region im Umlauf gewesen sein.

Angefangen hat er sein ungewöhnliches Hobby wesentlich früher, als eine Nachbarin ihm als kleinem Jungen eine Miniatur schenkte. „Nicht alle Tonnen sehen gleich aus. Es ist wie beim Briefmarkensammeln: Es gibt verschiedene Formen, Farben, Versionen und Größen“, erklärt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Er ist nicht der einzige: In Europa kennt er persönlich 15 weitere Sammler, viele seien in den USA zu finden. Dort gibt es den Hersteller Otto, der ursprünglich aus Deutschland kommt. „Es gibt mehr als 150 Otto-Fans, mancher besitzt mehr als 300 Tonnen nur von diesem Hersteller.“ Für ihn selber gelte aber: Klasse statt Masse. Daher hat er sich auf Modelle spezialisiert, die es in dieser Form oft nicht mehr gibt und die es auch nur für kurze Zeit gegeben hat. Und selbst da nennt er bereits 80 Tonnen sein Eigen. Da mancher die gesuchte Tonne, ein Modell der Marke Sulo, das es nur ein Jahr lang gab, vielleicht im Garten oder Keller stehen hat, hofft er, ein gut erhaltenes Exemplar zu finden. Einige Antworten habe er auf seinen Aufruf bereits bekommen, doch waren die Behälter zu verschlissen – die meisten Exemplare habe er aus Scheeßel angeboten bekommen. „Es scheint so, als ob es da ein erhöhtes Vorkommen gibt“, mutmaßt er.

Die gesuchte Sulo-Tonne habe eine Besonderheit: Der Behälter hat einen sogenannten abgerundeten Leistenkamm. Smoljanovic hat bereits eine Sulo-Tonne von 1975, ein Vorgängermodell mit einer glatten Oberfläche. Die mit dem Leistenkamm sei die Übergangsversion zu den heutigen Tonnen. „Die glatte Vorderseite war anfällig für Risse, die Tonnen gingen schnell kaputt. Daher hatte man 1977 die Leiste als Verstärkung eingefügt.“ Das sei wiederum zu stabil gewesen, die Tonnen hätten zu lange gehalten – was wiederum auch nicht gewollt gewesen sei. Gerade weil diese Tonnen nur eine kurze Zeit im Umlauf waren, sei es so schwer, eine zu finden.

Für ihn sind die Tonnen ein Stück Geschichte, auch die Miniaturen, und diese möchte er bewahren. „Manchmal gibt es Prototypen von Miniaturen, die so nie gefertigt wurden – das ist etwas besonderes.“ Bisher hat der 20-Jährige unter anderem Tonnen – groß und klein – aus den USA, Australien, Frankreich und Holland. In Las Vegas und Malaysia forscht er nach weiteren Exemplaren.

In seinem Besitz ist eine Metallmülltonne von 1960, wie neu. „Ein Bauer hatte sich für seine Schweine zwei gekauft, eine für Futter, die andere stand über 50 Jahre auf dem Speicher“, berichtet er. Eine andere Tonne hat er bei einem Kleingärtner entdeckt. Er konnte sie mitnehmen. „Dafür musste ich den Müll darin entsorgen“, sagt er und lacht. In den 90er-Jahren habe es ein Mehrkammersystem gegeben. Eine Trennwand für verschiedene Abfälle in den Tonnen sollte eine Entlastung für die Umwelt und Entsorgung sein – setzte sich hier aber nicht durch. Smoljanovic war mit dem Erfinder in Kontakt, denn im holländischen Tilburg werde das System rege genutzt. „Da habe ich vom Hersteller dort zwei Muster bekommen und eins dem Erfinder gegeben.“

Das Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Bei einer Fahrt nach Holland durfte er sich so viele Tonnen aussuchen, wie er wollte und bekam eine Führung durch die dortige Niederlassung eines deutschen Herstellers, der durch einen Zeitungsartikel auf den 20-Jährigen aufmerksam geworden war. Smoljanovic hatte zu diesem Zeitpunkt eine bestimmte Mülltonne gesucht, mit einer Trennwand und einem orange-blauen Deckel. „Ich konnte überall einen Kleber draufmachen, was mich interessiert hat“, erinnert er sich. Da der Geschäftsführer eine Lieferung in die Nähe von Smoljanovics Wohnort hatte, hat der Laster dort angehalten und ihm die Tonnen gebracht. „Der Geschäftsführer hat selbst Mülltonnen gesammelt und mir dann einige gegeben, er meinte, dort sind sie gut aufgehoben“, erzählt der Sammler, der seine Mülltonnen in einem eigenen Raum aufbewahrt. „Das war beeindruckend, als der 40-Tonner vorm Haus stand.“

Mülltonnen-Suche

Wer im Besitz einer Sulo-Mülltonne aus dem Jahr 1977 ist und diese an den Hobbysammler abgeben würde, kann sich unter der Telefonnummer 0171/8005494 oder per E-Mail an wbs.deutschland@gmail.com bei Alexander Smoljanovic melden.

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