60 Jahre Radarfalle

Drei Millionen Euro Bußgeld fließen in den Kreishaushalt

Radarfallen sind eine relativ sichere Einnahmequelle für den Landkreis. - Foto: imago

Rotenburg - Von Michael Krüger. Seit 60 Jahren schnappt in Deutschland die Radarfalle zu. Das ist auch im Landkreis Rotenburg nicht anders. Ob als stationäres Messgerät oder als mobile Messung, wer allzu schnell unterwegs ist, wird von den Behörden zu Kasse gebeten. 3,01 Millionen Euro an Bußgeldern sind so nach Abzug aller Verwaltungskosten im vergangenen Jahr in den Kreishaushalt geflossen.

Rund 1000 Kilometer Straße gibt es im Flächenlandkreis Rotenburg zwischen Bremervörde und Visselhövede. 1000 Kilometer, die eine flächendeckende Überwachung unmöglich machen, heißt es von Kreissprecherin Christine Huchzermeier. 

Zu hohe Geschwindigkeit bleibt das größte Problem

„Dem Wunsch aus der Bevölkerung, jeweils zu den Spitzenstunden morgens oder nachmittags zu messen, kann aufgrund der Ressourcen nur bedingt nachgekommen werden.“ Dass das gerade außerhalb geschlossener Ortschaften aber eigentlich nötig wäre, zeigt die Statistik: Ging die absolute Zahl der festgestellten Verstöße seit dem Jahr 2010 kontinuierlich leicht zurück, ist im Jahr 2016 mit insgesamt rund 66.000 Verfahren wegen überhöhter Geschwindigkeit ein Anstieg von etwa zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu verzeichnen. 

Rund 20 Prozent der Verstöße liegt dabei nicht mehr im Verwarn-, sondern im Bußgeldbereich, heißt es im Kreishaus. Nach wie vor zeige die Analyse der Unfallursachen im jüngsten Unfallbericht der Polizei, dass die nicht angepasste Geschwindigkeit – nach Wildunfällen – die häufigste Ursache für Unfälle im Landkreis darstellt. Im Vergleich zu den Wildunfällen, bei denen es meist bei Sachschaden bleibt, ziehen Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit häufig schwere Verletzungen nach sich. So waren im Jahr 2016 elf tödlich verletzte Verkehrsteilnehmer zu beklagen; kein Unfall mit tödlichen Folgen ereignete sich innerorts.

Zahl der Verkehrstoten insgesamt rückläufig

1956 war der Radarfallen-Prototyp VRG 1 der Firma Telefunken auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feldversuchen mit dem Gerät 1957 in Düsseldorf, Hamburg und Ulm trat die Radarfalle als Weiterentwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an. Zuvor war die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der noch jungen Bundesrepublik trotz des relativ geringen Verkehrsaufkommens auf erschreckende 13.000 in die Höhe geschnellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 ging die Zahl der Verkehrstoten laut ADAC auf rund 3280 zurück – der tiefste Wert seit Beginn der Unfallstatistik im Jahr 1950. In Niedersachsen kamen 2016 insgesamt 418 Menschen auf den Straßen ums Leben, das waren 39 weniger als im Vorjahr. Vor fünf Jahren lag die Zahl der Verkehrstoten noch bei 540, vor zehn Jahren noch bei 623.

Die Geschwindigkeitskontrolle insgesamt ist sogar bereits 100 Jahre alt. 1906 maßen eifrige Polizisten im badischen Kehl das Tempo von Kraftfahrern im Geschwindigkeitsrausch. Auf einer bestimmten Streckenlänge wurden Autofahrer mit Fahnenzeichen und Taschenuhr „überführt“. Wie viele Blitzer es heute im Landkreis gibt, teilen die Behörden aber nicht mit.

Unterstützung von Fahrsicherheitstraining und Feuerwehr mit Bußgeldern

Unrühmlicher Spitzenreiter 2016 bei den festgestellten Geschwindigkeiten im Bereich außerhalb geschlossener Ortschaften war ein Autofahrer, der auf der L 131 in Richtung Elsdorf mit 166 Stundenkilometern statt der dort erlaubten 100 gemessen worden war. Innerhalb einer Ortschaft war „Rekordhalter“ ein Fahrzeugführer mit dem traurigen Höchstwert von 135 Stundenkilometern und damit 85 km/h schneller als erlaubt, ermittelt auf der B 71 in Seedorf.

Zu den 3,01 Millionen Euro Bußgeld, die in den Kreishaushalt geflossen sind, haben nicht nur Geschwindigkeitssünder beigetragen, sondern unter anderem ebenso Alkohol- und Drogenverstöße, die keine Straftaten darstellten, Verstöße gegen Ladungssicherung, Überladungen, Parkverstöße, Handyverstöße, unerlaubtes Überholen und Rotlichtverstöße. 

Für die Einnahmen des Kreises besteht keine Zweckbindung für spezielle Ausgaben. Unabhängig von der Höhe der tatsächlich eingenommenen Bußgelder sind jedoch jährlich Mittel im Haushalt veranschlagt, die der Verbesserung der Verkehrssicherheit dienen, heißt es. So seien 2016 zum Beispiel rund 30.000 Euro für Verkehrssicherheitstrainings für Fahranfänger bis 24 Jahre und Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren – auch mit Einsatzfahrzeugen – sowie für das Projekt „Fit im Auto“ der Verkehrswachten, das speziell auf Senioren ausgerichtet ist, verwendet worden.

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